Nvidia-CEO Jensen Huang hat eine klare Botschaft an seine Belegschaft: Alles, was sich mit KI automatisieren lässt, soll automatisiert werden – und zwar jetzt.
In einer geleakten firmenweiten Versammlung, die Business Insider vorliegt, soll Huang Manager scharf kritisiert haben, die ihre Teams angewiesen hatten, die KI-Nutzung zurückzufahren, und die Idee als „irrsinnig“ bezeichnet haben. Er forderte die Beschäftigten auf, die Automatisierung bei jeder möglichen Aufgabe voranzutreiben, und versprach, die Technologie werde ihre Arbeit erweitern, nicht sie beseitigen.
Das Memo, das eine Bewegung auslöste
Die geleakte Aufzeichnung verbreitete sich schnell über interne Kanäle und machte aus dem, was als Kritik hinter verschlossenen Türen begonnen hatte, einen inoffiziellen Schlachtruf. Innerhalb weniger Tage tauschten Ingenieure Tipps zu neuen KI-Tools aus und testeten, wie tief sich Automatisierung in die täglichen Abläufe integrieren ließ.
Die Botschaft war unmissverständlich – niemand würde auf eine Genehmigung warten. Teams setzten verstärkt auf KI-Programmierassistenten wie Cursor, automatisierten Code-Reviews, Dokumentation und Testabläufe. Was möglicherweise nur eine einmalige Rüge gewesen wäre, entwickelte sich rasch zu einem Kulturwandel – zu einer unausgesprochenen Herausforderung, KI in jedem Winkel des Unternehmens unverzichtbar zu machen.
Automatisierung ohne Stellenabbau
Die Einstellungen laufen weiter auf Hochtouren. Huang sagte den Beschäftigten, Nvidia lägen weiterhin „etwa 10.000“ Mitarbeiter unter dem Soll. Er beschrieb die Automatisierung als Möglichkeit, die Leistung zu steigern und Menschen für wertvollere Aufgaben freizustellen. Innerhalb des Unternehmens wird diese Botschaft als Wachstum verstanden, nicht als Schrumpfkurs.
Salesforce bietet ein ähnliches Bild. CEO Marc Benioff sagt, dass KI inzwischen bis zur Hälfte der Routineaufgaben übernimmt – in dem, was er als „digitale Arbeitsrevolution“ bezeichnet. Anstatt Teams zu verkleinern, nutzen Unternehmen Automatisierung, um ihre Kapazitäten zu erweitern und mit der Nachfrage Schritt zu halten.
Das nächste Betriebssystem für Unternehmen läuft bereits
In der gesamten Techbranche entwickelt sich Automatisierung vom Experiment zur Infrastruktur.
Meta etwa plant, die Erstellung von Anzeigen vollständig zu automatisieren, wobei Mark Zuckerberg dies bereits im Juni als „Neudefinition“ der Branche bezeichnete. OpenAI geht noch weiter und entwickelt automatisierte Systeme, die eines Tages eigenständig Forschung betreiben können. Sam Altman sagte sogar: „KI-CEOs kommen“ – ein Zeichen dafür, dass Entscheidungsprozesse schon bald zwischen Menschen und Maschinen aufgeteilt werden könnten.
Was als Testläufe begann, ist nun in den Kern der Arbeitsweise von KI-Unternehmen eingebaut – schnellere Markteinführungen, schlankere Teams und Entscheidungen, bei denen Maschinen in den Prozess eingebunden sind.
Fünf Billionen Gründe, weiter aufs Ganze zu gehen
Nvidias Börsenwert hat kürzlich die Marke von 5 Billionen US-Dollar überschritten – als erstes Unternehmen der Geschichte. Der Meilenstein krönte ein Jahr rasanten Wachstums, mit neuen Büros, Vereinbarungen zu Rechenzentren und einem uneinholbaren Vorsprung bei den Chips, die nahezu jedes große KI-System antreiben.
Für Huang ist dieser Aufschwung ein Beweis dafür, dass die Automatisierung von innen heraus ein Wachstumsmotor ist.
Der Einfluss des Unternehmens reicht inzwischen weit über seine Hardware hinaus. Jeder große Techkonzern, von Cloud-Anbietern bis hin zu Start-ups, ist auf seine Plattformen angewiesen, um die nächste Generation von Modellen zu trainieren und bereitzustellen. Diese Kontrolle über die KI-Lieferkette hat Nvidia vom Zulieferer zum Taktgeber der Branche gemacht.
Huangs Ausblick entspricht einer zunehmend verbreiteten Sichtweise unter Techführern, darunter Elon Musk, die sagen, dass die nächste Welle der KI die Arbeitsweise der Menschen und unsere Wertvorstellungen darüber, was Arbeit überhaupt ist, grundlegend verändern wird.

