OpenAI hat seinen KI-gestützten Webbrowser ChatGPT Atlas vorgestellt und damit eine neue Front im Suchmaschinenkampf zwischen dem Unternehmen und seinem Rivalen Google eröffnet.
Bei ChatGPT Atlas ist der erste Tab der Chatbot. Nutzer können aber auch eine URL oder den Namen einer Website eingeben, woraufhin ChatGPT sie dorthin weiterleitet. Auf einer Website können Nutzer auf die Seitenleiste „Ask ChatGPT“ klicken, damit der Chatbot mit den Inhalten der Seite interagiert. Von dort aus kann ChatGPT Dokumente bearbeiten, Flüge buchen und Filmkritiken zusammenfassen.
Die direkte Integration von ChatGPT in den Browser gibt OpenAI mehr Kontrolle über das Nutzererlebnis. Dadurch kann der Chatbot Dokumente durchsuchen, Seiten lesen und Unterstützung leisten, ohne dass Inhalte kopiert und eingefügt oder Screenshots erstellt werden müssen. Mit dem Agentenmodus können Nutzer dem Chatbot bestimmte Aufgaben zuweisen – etwa einen Kalender oder E-Mails zu verwalten –, wobei diese Funktion zunächst auf Plus- und Pro-Nutzer beschränkt sein wird.
„Wir glauben, dass KI eine seltene Gelegenheit bietet, wie sie sich nur einmal in zehn Jahren ergibt, um neu zu überdenken, was ein Browser sein kann und wie wir das Web möglichst produktiv und angenehm nutzen können“, sagte OpenAI-CEO Sam Altman während eines Livestreams der Ankündigung. „Tabs waren großartig, aber seitdem haben wir nicht viel Innovation bei Browsern gesehen. Deshalb hat uns die Möglichkeit, ganz neu darüber nachzudenken, was daraus werden könnte, sehr begeistert.“
Atlas kann zunächst für macOS heruntergeladen werden; Versionen für Windows, Google Play und den Apple App Store sollen bald folgen.
Endlich etwas Konkurrenz für Webbrowser
Die Dominanz von Google Chrome unter Windows und macOS dürfte diese Entscheidung beeinflusst haben, da OpenAI und andere Unternehmen erhebliche Schwierigkeiten gehabt hätten, ihre Chatbots ähnlich tief in Chrome zu integrieren wie Google Gemini. Laut StatCounterhält Chrome einen Marktanteil von 71 %, gefolgt von Safari mit 13,9 % und Microsoft Edge mit 4,6 %.
Gleichzeitig könnte der Erfolg von ChatGPT OpenAI dazu angespornt haben, Google einen weiteren Schlag zu versetzen. Google hat seinen Browser als abgeschottetes Ökosystem genutzt, um andere Dienste wie Search, Gmail, Drive und Maps zu bewerben. Kürzlich integrierte Google Gemini in Chrome – ein riskanter Schritt angesichts der jüngsten Verschonung vor härteren Strafen in Googles US-Kartellverfahren von 2025, zu denen auch eine Abspaltung oder ein Verkauf von Chrome hätte gehören können.
OpenAI ist nicht das einzige Unternehmen aus dem Bereich der generativen KI, das einen eigenen Browser entwickelt. Anfang dieses Monats startete Perplexity Comet, das mit ähnlichen Vorteilen wie Unterstützung bei Aufgaben und dem Zusammenfassen von Informationen wirbt. Auch Mozilla fügte Perplexity als Suchoption in Firefox hinzu, wobei der Funktionsumfang eingeschränkter ist. Die Webbrowser Opera und The Browser Company haben ebenfalls Pläne zur Integration von KI angekündigt.
Andere wichtige Akteure wie Anthropic, Meta AI und Grok dürften nicht weit dahinterliegen. Anthropic startete im August eine Chrome-Erweiterung im Pilotbetrieb, mit der sein Chatbot Claude Webseiten anzeigen und Aufgaben autonom ausführen kann.
Ob eine dieser Initiativen die Dominanz von Chrome spürbar beeinträchtigen wird, bleibt abzuwarten. Microsoft verzeichnete vorübergehend mehr Downloads, als das Unternehmen ChatGPT in Edge integrierte. Seitdem ist die Nutzung jedoch zurückgegangen, und viele Nutzer kehrten zu Chrome zurück.
Vom Browser zur Mathematik: In einer sehr öffentlichen Lektion über den Unterschied zwischen dem „Lösen“ eines Problems und dem bloßen „Finden“ der Antwort hat OpenAIs neuestes Modell GPT-5 für Kontroversen gesorgt.

