Alibaba hat Qwen3.5 offiziell auf den Markt gebracht, die neueste Version seines Flaggschiffmodells für künstliche Intelligenz, und positioniert es als ein System für die aufkommende Ära der KI-Agenten.
Das Modell wurde am 16. Februar sowohl als Modell mit offenen Gewichten als auch als gehostete Version veröffentlicht. Entwickler können es dadurch auf ihrer eigenen Infrastruktur oder über Alibaba Cloud ausführen. Alibaba zufolge bietet Qwen3.5 deutliche Effizienzsteigerungen. Nach Angaben des Unternehmens ist der Betrieb des Modells 60 % günstiger, und bei der Verarbeitung großer Arbeitslasten bietet es im Vergleich zum Vorgänger den achtfachen Durchsatz.
Im Kern von Qwen3.5 steht eine Mixture-of-Experts-Architektur. Das vollständige Modell enthält 397 Milliarden Parameter, doch pro Prompt werden nur 17 Milliarden aktiviert. Diese selektive Aktivierung soll die Hardwarekosten senken und gleichzeitig eine hohe Leistung aufrechterhalten.
Laut der technischen Veröffentlichung von Alibaba kombiniert Qwen3.5 lineare Aufmerksamkeitsmechanismen mithilfe von Gated Delta Networks mit einem Routing zu dünn besetzten Experten. Das Unternehmen erklärt, dieser hybride Ansatz verbessere die Inferenz-Effizienz, ohne die Stärke beim Schlussfolgern zu beeinträchtigen.
Das Modell unterstützt standardmäßig bis zu 262.144 Token, mit Optionen zur weiteren Erweiterung. Außerdem verarbeitet es Text, Bilder und Videos nativ innerhalb eines einzigen Systems. Alibaba zufolge kann es Videos analysieren mit einer Länge von bis zu zwei Stunden.
Auch die Sprachunterstützung wurde deutlich ausgeweitet – von 119 Sprachen und Dialekten auf 201.
Benchmark-Vergleiche mit US-Konkurrenten
Alibaba veröffentlichte Benchmark-Vergleiche, die zeigen, dass Qwen3.5 frühere Qwen-Modelle und in bestimmten Tests auch Konkurrenzsysteme wie OpenAIs GPT-5.2, Anthropics Claude Opus 4.5, und Google DeepMinds Gemini 3 Pro.
Im IFBench, das die Genauigkeit bei der Befolgung von Anweisungen misst, erzielte Qwen3.5 laut Unternehmensangaben mit 76,5 Punkten einen Spitzenwert. In anderen Tests zum logischen Schlussfolgern schwankte die Leistung und lag mitunter vor einem Konkurrenten, während sie hinter einem anderen zurückblieb.
Chinas Chatbot-Krieg nimmt Fahrt auf
Die Einführung erfolgt vor dem Hintergrund eines erbitterten Wettbewerbs im Inland. ByteDance veröffentlichte am Wochenende Doubao 2.0 und positionierte es ebenfalls für agentenbasierte Aufgaben. Berichten zufolge verfügt Doubao in China über fast 200 Millionen Nutzer.
Unterdessen warten Branchenbeobachter auf das Modell der nächsten Generation von DeepSeek, dessen früherer Durchbruch im vergangenen Jahr die globalen KI-Märkte erschütterte. Seit dieser Disruption investiert Alibaba aggressiv in die KI-Infrastruktur. Bloomberg berichtete, dass CEO Eddie Wu mehr als 53 Milliarden US-Dollar für Infrastruktur und KI-Entwicklung zugesagt habe.
In seinem technischen Überblick bezeichnete Alibaba Qwen3.5 als einen Schritt hin zu „universellen digitalen Agenten“. Das Unternehmen erklärte, die künftige Entwicklung werde sich auf ein dauerhaftes Gedächtnis, verkörperte Schnittstellen für die Interaktion mit der realen Welt und Systeme konzentrieren, die über längere Zeiträume autonom agieren können.
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