Apple bittet die Regierung von US-Präsident Donald Trump um die Genehmigung, Speicherchips von einem mit Pekings Militär verbundenen chinesischen Zulieferer zu beziehen. Damit wird deutlich, wie der KI-Boom die globalen Lieferketten für Halbleiter umgestaltet.
Laut der Financial Times hat der iPhone-Hersteller mehr als einen Monat lang beim Handelsministerium, im Weißen Haus und bei anderen Regierungsvertretern um Zusicherungen für den Kauf von Speicherchips bei ChangXin Memory Technologies (CXMT) geworben.
CXMT steht auf der 1260H-Liste des Pentagons, auf der Unternehmen aufgeführt sind, denen Verbindungen zur Volksbefreiungsarmee vorgeworfen werden. Diese Einstufung verbietet Apple zwar nicht, die Produkte des Unternehmens zu kaufen, birgt jedoch politische und Reputationsrisiken. Berichten zufolge wurde außerdem die künftige Aufnahme des Unternehmens in die Entity List des Handelsministeriums genehmigt, wobei diese Beschränkung noch nicht in Kraft getreten ist.
Warum Apple unter Druck steht
Speicherchips, einst eine vernachlässigbare Position auf der Stückliste von Geräten, sind knapp und teuer geworden, da KI-Rechenzentren die weltweiten DRAM-Bestände geradezu aufsaugen. Apple hat in der vergangenen Woche die Preise für MacBooks, iPads, und andere Hardware angehoben und den Kunden mitgeteilt, die Kostensteigerungen seien nicht mehr tragbar. Die Ankündigung vernichtete an einem einzigen Tag Milliarden US-Dollar an Apples Börsenwert und trug dazu bei, einen breiteren Ausverkauf bei Technologiewerten auszulösen.
Apple bezieht Speicher derzeit von Micron in den USA sowie von den südkoreanischen Herstellern Samsung und SK Hynix. CXMT als zusätzlichen Zulieferer zu gewinnen, könnte den Kostendruck mindern, da traditionelle Zulieferer margenstärkeren KI-Produkten.
Der politische Widerstand in Washington wächst
Der Vorstoß stößt bereits auf den Widerstand von Abgeordneten und Politikexperten, die argumentieren, er würde die Abhängigkeit der USA von chinesischen Lieferketten für Halbleiter weiter vertiefen.
Der republikanische Kongressabgeordnete John Moolenaar warnte laut Financial Times, „dass Apples Entscheidung, eine Partnerschaft mit einem chinesischen Militärunternehmen einzugehen, ein schwerwiegender Fehler wäre“ laut der Financial Times, und warnte, dies würde „unsere Technologiebranche und Wirtschaft zu einem Zeitpunkt noch abhängiger von China machen, an dem wir sichere Technologielieferketten mit unseren Verbündeten aufbauen müssen.“
Auch ehemalige Regierungsvertreter und Sicherheitsexperten warnten, dass die Genehmigung des Geschäfts die umfassenderen Bemühungen der USA untergraben könnte, sensible Lieferketten von China zu entkoppeln – insbesondere in strategischen Branchen wie der Halbleiterindustrie.
Zwischen den Zeilen gelesen
Was diesen Moment anders macht, ist der Zeitpunkt. Der Vorstoß bei der Lobbyarbeit erfolgt unmittelbar nachdem Trump Xi Jinping in Peking getroffen hat. In dieser Phase hat das Weiße Haus bewusst auf neue Exportkontrollen verzichtet, um die Handelsgespräche am Laufen zu halten.
Diese diplomatische Pause dürfte die Lücke sein, durch die Apple zu schlüpfen versucht. Die Signale der Regierung selbst waren jedoch widersprüchlich: Das Pentagon nahm CXMT Anfang des Jahres kurzzeitig von seiner schwarzen Liste, setzte das Unternehmen dann aber abrupt wieder darauf – Berichten zufolge als Reaktion auf den Unmut des Weißen Hauses.
Sollte Apple Erfolg haben, könnte dies anderen US-Technologiekonzernen die Tür öffnen, ähnliche Ausnahmen zu beantragen, und damit die praktische Wirkung bestehender schwarzer Listen abschwächen. Scheitert Apple, dürften Unternehmen die steigenden Kosten für Komponenten weiterhin direkt an die Verbraucher weitergeben.
Risiken und Zielkonflikte
Für Apple geht es ganz direkt darum, die Margen zu schützen, die das Unternehmen seit Jahren mit Speicher- und Speicherplatz-Upgrades erzielt. Für Washington stellt sich die Frage, ob der kurzfristige Komfort die spätere Abhängigkeit wert ist.
Apple die Beschaffung bei CXMT zu gestatten, könnte die Preise kurzfristig stabilisieren. Kritiker warnen jedoch, dass dies die Abhängigkeit von einem chinesischen, staatlich unterstützten Halbleiterunternehmen verstärken könnte – und das zu einem Zeitpunkt, an dem Washington aktiv versucht, solche Abhängigkeiten zu verringern.
Hinzu kommt regulatorische Unsicherheit. Selbst wenn heute eine Genehmigung erteilt wird, könnten künftige Regierungen oder Behörden die Beschränkungen wieder verschärfen, sodass Apple plötzlichen Unterbrechungen der Lieferkette ausgesetzt wäre.
Bisher gibt es keine Anzeichen dafür, dass das Weiße Haus eine Entscheidung in die eine oder andere Richtung getroffen hat. Sollte es tatsächlich grünes Licht geben, dürfte der Kongress lautstark protestieren. Vorerst müssen die Verbraucher höhere Preise zahlen, während Apple und Washington darüber streiten, woher die Chips kommen sollen.
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