Am Montag konnten iPhone-Nutzer auf dem chinesischen Festland einige Stunden lang unerwartet einen ersten Blick auf Apple Intelligence werfen – eine Funktion, die das Unternehmen seit fast 18 Monaten auf den Markt zu bringen versucht. Dann war sie ebenso plötzlich wieder verschwunden, wie sie aufgetaucht war.
Chinesische iPhone-Besitzer, die ihre Einstellungen-App öffneten, fanden dort „Apple Intelligence & Siri“ als verfügbar aufgeführt, was viele zu der Annahme veranlasste, dass das längst überfällige KI-Paket endlich verfügbar sei. In den sozialen Medien überschlugen sich die Meldungen, als Nutzer bestätigten, dass sie auf Funktionen wie Schreibwerkzeuge, Fotobearbeitung und die Erstellung personalisierter Emojis zugreifen konnten.
Doch die Begeisterung währte nicht lange.
Mark Gurman von Bloomberg stellte auf X klar, dass die Einführung ein Versehen war. „Apple Intelligence wurde in China versehentlich gestartet – die Funktion ist seit Monaten bereit, aber Apple hat noch keine behördliche Genehmigung“, schrieb Gurman. „Eine unmittelbar bevorstehende Einführung gibt es nicht, und das Ganze steht nicht mit der iOS-26.5-Beta in Verbindung. Apple hat die Funktion wieder offline genommen.“
Ein riskanter Fehler
Das kurze Auftauchen war nicht nur peinlich, sondern könnte auch rechtliche Folgen haben. Laut der South China Morning Post warnen Branchenexperten, dass Apple mit regulatorischen Konsequenzen rechnen könnte.
„You Yunting, ein in Shanghai ansässiger Anwalt für geistiges Eigentum, sagte, die kurze Veröffentlichung könnte gegen lokale Vorschriften zu Sicherheitsprüfungen für künstliche Intelligenz, zur Registrierung von Algorithmen und zum Datenschutz verstoßen haben“, berichtete die Publikation.
Auch wenn Apple die Funktionen schnell wieder zurückzog, wies Yunting darauf hin, dass „die Tatsache, dass Apple die Funktion chinesischen Nutzern zur Verfügung stellte, bevor die Sicherheitsprüfung und die Registrierung des Algorithmus abgeschlossen waren, als Erbringung eines Dienstes ohne Erfüllung der gesetzlichen Compliance-Pflichten gewertet werden könnte, wodurch das Unternehmen dem Risiko verwaltungsrechtlicher Strafen ausgesetzt wäre“.
Warum Apple Intelligence in China nicht offiziell verfügbar ist
Apple steckt in einer regulatorischen Sackgasse fest. China verlangt, dass ausländische KI-Dienste vor ihrer Einführung von der Cyberspace Administration of China (CAC) geprüft und genehmigt werden. Das Unternehmen soll eine Partnerschaft mit Alibaba eingegangen sein , um seine KI-Funktionen lokal zu betreiben, doch die Genehmigung verzögert sich seit Monaten.
Es gibt noch eine weitere Hürde: Apple Intelligence nutzt derzeit in anderen Märkten Googles umgekehrte Bildersuche. Google-Dienste sind in China verboten, wodurch diese Funktion ohne Anpassungen nicht infrage kommt.
Während Apple wartet, stehen die heimischen Konkurrenten nicht still. Lokale Marken wie Huawei, Xiaomi, Oppo und Vivo haben bereits KI-Funktionen für ihre chinesischen Kunden eingeführt und bringen Apple damit in einem seiner wichtigsten Märkte ins Hintertreffen.
Apple hat keine offizielle Stellungnahme zu der versehentlichen Einführung abgegeben.
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