Claude hat ChatGPT vom Spitzenplatz im US-App-Store verdrängt.
Der Chatbot von Anthropic eroberte Platz 1, nachdem das Pentagon das Unternehmen wegen umstrittener KI-Schutzvorkehrungen auf eine schwarze Liste setzen wollte. Gleichzeitig gewannen Online-Aufrufe zu „Cancel ChatGPT“ nach OpenAIs eigenem Vertrag mit dem Kriegsministerium an Dynamik. Axios berichtete zuerst über den Wechsel in der Rangliste und merkte an, dass Claudes Aufstieg erfolgte, während die Spannungen zwischen Anthropic und dem Pentagon öffentlich zutage traten.
ChatGPT rutschte in der Rangliste der kostenlosen Apps in den USA auf Platz 2 ab, nachdem die App den Spitzenplatz den größten Teil des Monats gehalten hatte. Das zeigt, wie schnell sich die Stimmung auf dem Markt für KI-Anwendungen für Verbraucher ändern kann.
Ein Streit darüber, wie weit KI gehen darf
Der Konflikt eskalierte, als das Pentagon Anthropic als „Risiko für die Lieferkette“ einstufen wollte – eine Bezeichnung, die den Einsatz seiner Technologie in Verträgen des Kriegsministeriums verhindern könnte. Der Streit entzündete sich an zwei Schutzvorkehrungen, die das Unternehmen nicht aufgeben wollte: dem Verbot, seine Modelle für die massenhafte Überwachung im Inland und für vollständig autonome Waffen einzusetzen.
Als Anthropic bei seiner Position blieb, wichen die Verhandlungen der Drohung mit formalen Durchsetzungsmaßnahmen – und setzten damit eine Kettenreaktion in Gang, die bald die App-Store-Charts erreichte.
Das Pentagon findet einen neuen Partner
Wenige Stunden nachdem Anthropic seinen Vertrag verloren hatte, postete OpenAI-CEO Sam Altman auf X , dass das KI-Unternehmen eine Vereinbarung getroffen habe, seine Modelle im geheimen Netzwerk des Kriegsministeriums einzusetzen.
OpenAI erklärte, die Vereinbarung verankere drei rote Linien: keine massenhafte Überwachung im Inland, keine Steuerung autonomer Waffensysteme und keine folgenreichen automatisierten Entscheidungen wie etwa „Sozialkredit“-Systeme. Das Unternehmen argumentierte, seine Vereinbarung enthalte „mehr Schutzvorkehrungen als jede bisherige Vereinbarung über den Einsatz von KI in geheimen Netzwerken, einschließlich der Vereinbarung mit Anthropic“.
In der Vereinbarung steht außerdem, dass das Ministerium die Systeme „für alle rechtmäßigen Zwecke“ nutzen darf, vorbehaltlich der bestehenden Anforderungen an menschliche Kontrolle und der Geheimdienstgesetze.
Die Abfolge wirft eine naheliegende Frage auf: Hat das Ministerium seine Haltung zu Überwachung und autonomen Waffen nach dem Bruch mit Anthropic geändert – oder unterscheidet sich die Vertragssprache in bislang öffentlich nicht näher erläuterten Punkten?
Von Verträgen zu Kündigungen
Die Folgen wurden schnell online sichtbar. Ein Reddit-Beitrag, der Nutzer dazu aufforderte, „ChatGPT zu kündigen und zu löschen“, sammelte innerhalb weniger Stunden Zehntausende Upvotes, während der Instagram-Account „quitGPT“ rund 10.000 Follower gewann, als sich der Vertrag mit dem Pentagon in den sozialen Feeds verbreitete.
Nutzer begannen, Screenshots gekündigter Abonnements und ihres Wechsels zu Claude Pro zu posten, und stellten den Schritt als Reaktion auf OpenAIs Verteidigungsvereinbarung dar. Als die Gegenreaktion an Fahrt gewann, stieg Claude in der App-Store-Rangliste auf und überholte ChatGPT schließlich auf Platz 1 in den USA.
Während Claude in den Charts steigt, nähert sich ChatGPT weltweit 1 Milliarde wöchentlich aktiver Nutzer.

