Sieben Monate. So lange hat es gedauert, bis ein neuer humanoider Roboter von der Idee zum Einsatz in einer laufenden Fabrik gelangte. Und diese Woche nimmt er auf der CES bereits Teile wie ein erfahrener Mitarbeiter auf.
Das britische Robotik-Startup Humanoid präsentiert auf der CES 2026 seinen Roboter HMND 01 Alpha – ein wichtiger Moment für humanoide Roboter, die für echte industrielle Aufgaben statt für Forschungslabore oder Demonstrationen entwickelt wurden.
Humanoid zufolge wurde HMND 01 Alpha in nur sieben Monaten entwickelt – ein Zeitrahmen, der in einer Branche heraussticht, in der humanoide Roboter oft Jahre brauchen, um funktionsfähige Prototypen hervorzubringen.
Das Unternehmen führt dieses Tempo auf den intensiven Einsatz von Nvidia-Robotiktechnologien, darunter Jetson Thor, Isaac Sim und Isaac Lab zurück. Sie ermöglichten es den Ingenieuren, den Roboter lange vor dem Einsatz der Hardware in der Fabrik zu entwickeln, zu testen und in Simulationen zu trainieren.
Mithilfe von digitalen Zwillingen und bestärkendem Lernen konnte Humanoid Fortbewegung, Manipulation, Navigation und sogar das Hardwaredesign virtuell testen und so die Risiken vor dem physischen Einsatz reduzieren.
Was HMND 01 Alpha leisten kann
HMND 01 Alpha ist ein 220 Zentimeter großer, fahrender Humanoid für den industriellen Einsatz. Er erreicht Geschwindigkeiten von bis zu 7,2 km/h und kann beidhändig Lasten von bis zu 15 Kilogramm handhaben; schwerere Gegenstände kann er heben, wenn sie nahe an seinem Körper bleiben.
Die Reichweite des Roboters erstreckt sich vom Boden bis zu einer Höhe von zwei Metern; außerdem kann er auf Regalfächer mit einer Tiefe von bis zu 60 Zentimetern zugreifen. Dadurch kann er sowohl an bodennahen Behältern als auch in erhöhten Lagerbereichen arbeiten.
Alpha verfügt ohne Endeffektoren über 29 aktive Freiheitsgrade und nutzt eine KI-gesteuerte, durchgängige Schlussfolgerung, um Aufgaben zu planen und auszuführen. Je nach Aufgabe kann er entweder mit einer fünffingrigen Hand mit 12 Freiheitsgraden oder einem parallelen Greifer mit 1 Freiheitsgrad ausgestattet werden.
Für die Wahrnehmung setzt der Roboter auf einen sensorgespickten Kopf mit 360-Grad-RGB-Kameras und zwei Tiefensensoren. So kann er unübersichtliche Industrieräume in Echtzeit erfassen.
Live-Einsatz in der Industrie auf der CES
Statt einer kontrollierten Labordemonstration führt HMND 01 Alpha laut Interesting Engineering am Stand der Schaeffler Group auf der CES eine echte Fabrikaufgabe aus. Der Roboter nimmt autonom unsortierte metallische Lagerringe aus unübersichtlichen Behältern auf und legt sie auf einem Puffertisch ab – eine Aufgabe, die reale Produktionsabläufe in Industrieanlagen nachbildet.
Andreas Zeug von Schaeffler sagte in einem Interview mit Interesting Engineering: „Man drückt eine Taste, und ab dann ist alles automatisiert“, fügte er hinzu. „Der Roboter nimmt Ringe aus einem unsortierten Behälter und führt sie einem Puffertisch zu, der in einer echten Fabrik in eine Kugellager-Montagelinie übergeht.“
Während viele humanoide Roboter sich auf das Gehen konzentrieren, rollt HMND 01 Alpha. Schaeffler zufolge entspricht diese Entscheidung den Bedingungen in echten Fabriken.
„Für den industriellen Einsatz haben wir vollkommen ebene Böden, daher brauchen wir keine Beine“, sagte Zeug. „Ein radbasiertes System ist stabiler und lässt sich aus Sicherheitsgründen leichter integrieren.“
Angetrieben von Nvidia am Netzwerkrand
Im Zentrum von HMND 01 Alpha steht NVIDIA Jetson Thor, der als Edge-Computer des Roboters dient. Humanoid zufolge ermöglicht dies dem Roboter, fortschrittliche Robotik-KI-Modelle direkt auf dem Gerät auszuführen, wodurch die Systemkomplexität sinkt und die Zuverlässigkeit steigt.
Das Unternehmen nutzt außerdem die KI-Infrastruktur von Nvidia, um Vision-Language-Action-Modelle zu trainieren. Dadurch sinkt die Zeit nach dem Training auf nur wenige Stunden, und neue Verhaltensweisen des Roboters können innerhalb eines einzigen Tages vom Training in den Einsatz überführt werden.
Bis heute meldet Humanoid 20.500 Vorbestellungen – ein Zeichen für das frühe Marktinteresse. Das Unternehmen wird durch 50 Millionen US-Dollar an von den Gründern eingeworbenem Kapital finanziert und beschäftigt rund 200 Menschen, darunter ehemalige Mitarbeiter von Apple, Tesla, Google, Boston Dynamics, Sanctuary AI und Nvidia.
Wer humanoide Roboter noch einmal dabei betrachten möchte, wie sie das Labor hinter sich lassen und in den Alltag vordringen, sollte sich die Berichterstattung von eWeek über die CES-2026-Premiere von LGs Heimroboter CLOiD ansehen, der Hausarbeit der Vergangenheit angehören lassen soll.

