Sie haben das Gerede über die „KI-Blase“ inzwischen bestimmt schon tausendmal gehört. Alle paar Wochen vergleicht jemand den KI-Hype mit der Dotcom-Euphorie der späten 90er, die Anleger werden nervös, und dann … passiert nichts. Die Bewertungen steigen weiter, die Finanzierung fließt weiter, und alle machen weiter.
Doch der britische Analyst Julien Garran geht keine Kompromisse ein. Er sagt es ganz direkt: Wir befinden uns in „der größten und gefährlichsten Blase, die die Welt je gesehen hat“. Sie ist 17-mal größer als die Dotcom-Blase und viermal größer als die Immobilienkrise von 2008. Puh.
Hier ist seine Argumentation (kurz zusammengefasst):
- Zehn KI-Start-ups ohne jegliche Gewinne haben im vergangenen Jahr fast 1 Billion US-Dollar an Marktwert hinzugewonnen.
- Unterdessen läuft das gesamte KI-Ökosystem auf einem Finanzierungslaufband – alle außer Nvidia verlieren Geld, und es gibt noch immer keine „Killer-App“, die diese Ausgaben rechtfertigen würde.
- Tatsächlich glaubt er, dass es nie eine kommerziell erfolgreiche App geben wird, die auf einem Large Language Model (LLM) wie ChatGPT.
- basiert. Garrans umstrittenste These? KI kann „Bullsh*t-Jobs“ (seine Worte) übernehmen, bei denen niemand überprüft, ob die Arbeit korrekt erledigt wurde.
Wann platzt die Blase also?
Garran räumt ein, dass er den genauen Höchststand nicht benennen kann – die Märkte haben erst vergangene Woche neue Allzeithochs erreicht. Doch er sieht Warnsignale: Die Finanzierung von KI-Start-ups durch Wagniskapital trocknet aus, weil die Bewertungen absurd hoch sind. Damit bleibt ein schrumpfender Kreis von Mega-Investoren (SoftBank, ausländische Regierungen, NVIDIA), die die Party am Laufen halten müssen.
Was aber, wenn er sich irrt? Garran sieht zwei Szenarien:
- Die Blase hält länger als erwartet an und verschwendet noch mehr Kapital für Projekte, die keinen echten wirtschaftlichen Wert schaffen. Das künftige BIP leidet.
- Jemand erreicht tatsächlich „Superintelligenz“ und gestaltet die Gesellschaft vollständig um. Je nachdem, wer sie kontrolliert, bekommen wir entweder eine Utopie oder eine Dystopie.
Der Vollständigkeit halber: Er setzt auf Option eins.
Das Fazit
Ob Sie Garran nun für einen Propheten oder einen Pessimisten halten – seine Analyse macht eine echte Spannung in der KI deutlich: massive Investitionen, begrenzte Profitabilität und große Hoffnungen, die auf Durchbrüchen ruhen, die bislang ausgeblieben sind. Selbst wenn die KI nicht dramatisch einbricht, könnte eine langsame Deflation die gesamte Tech-Landschaft und auch Ihren Arbeitsplatz neu gestalten.
Wenn Sie Garrans Einschätzung mit denen anderer Branchenvertreter vergleichen möchten, lesen Sie unsere ausführliche Analyse der KI-Blase (auf die wir lange hingearbeitet haben), in der wir versuchen, alle Fakten, Zahlen und Perspektiven der Debatte über die KI-Blase zusammenzutragen und direkt miteinander zu vergleichen.
Anmerkung der Redaktion: Dieser Beitrag erschien ursprünglich im heutigen Newsletter unserer Schwesterpublikation, The Neuron. Weitere Beiträge von The Neuron finden Sie, wenn Sie sich hier für den Newsletter anmelden.

