Ein humanoider Roboter hat bereits einen gewaltigen Gipfel bezwungen und bereitet sich nun auf seine bislang größte Herausforderung vor: den Mount Everest.
Ein modifizierter humanoider Roboter Unitree G1 namens Pemba erreichte am 5. Juni erfolgreich den Gipfel des Mount Chimborazo in Ecuador. Damit absolvierte er die erste Etappe einer größeren Bergsteigerkampagne, wie die Projektorganisatoren erklären.
Der Chimborazo ist mehr als 6.000 Meter hoch und gilt weithin als der Punkt auf der Erdoberfläche, der am weitesten vom Erdmittelpunkt entfernt ist. Der Aufstieg wird als wichtige Prüfung für Pemba im Vorfeld einer für später in diesem Jahr geplanten Expedition zum Mount Everest betrachtet.
Der Roboter ist Teil eines von Geologic Dome geleiteten Projekts, das von Eastworlds Labs unterstützt wird, der KI-Robotik-Initiative von Virtuals Protocol.
Kein vollständig autonomer Aufstieg
Pembas Aufstieg war keineswegs eine unkomplizierte Solo-Klettertour. Laut Humanoids Daily und Interesting Engineering bewegte sich der Roboter an Hängen mit einer Neigung von weniger als 30 Grad autonom, während steilere und technisch anspruchsvollere Abschnitte menschliche Unterstützung erforderten – unter anderem wurde er von Expeditionsteilnehmern getragen.
Das Team nahm während der Expedition außerdem mehrfach Anpassungen vor und zerlegte den Roboter zwischen den Lagern, um ihn über schwieriges Gelände zu transportieren, bevor es ihn wieder zusammensetzte. Die faltbare Struktur des Unitree G1, der etwa 35 kg wiegt und sich kompakt auf ungefähr 690 mm zerlegen lässt, machte dies möglich.
Die Vorbereitung eines humanoiden Roboters auf extreme Höhen erforderte erhebliche Modifikationen. Der Unitree G1 wurde mit spezieller Kälteschutzkleidung, Schutzgehäusen und eigens entwickelten Füßen für alpines Gelände ausgestattet. Außerdem ergänzten die Ingenieure ein Belüftungssystem, das die Regulierung der Akkutemperaturen in frostigen Umgebungen unterstützen soll.
Laut Interesting Engineering wurde die Autonomiesoftware des Roboters mit Nvidia Isaac Sim trainiert, während die Maschine zugleich darauf vorbereitet wurde, auf Windturbulenzen zu reagieren und auf unebenem Berggelände das Gleichgewicht wiederzuerlangen. Während der Expedition wurde die Kommunikation über ein die Lager verbindendes Mesh-Relaisnetz aufrechterhalten, das durch Satelliteninternetverbindungen unterstützt wurde.
Testgelände für den Everest
Der Chimborazo war nicht das eigentliche Ziel, sondern ein Testgelände. Die Expedition ist Teil eines umfassenderen „Triple Crown“-Plans, der laut von Pandaily.
zitierten Projektteams den Chimborazo, den Mauna Kea auf Hawaii und schließlich den Mount Everest umfasst. Der Mount Chimborazo wurde teilweise wegen seiner extremen Umweltbedingungen ausgewählt. Obwohl er nicht der höchste Berg über dem Meeresspiegel ist, liegt der von ihm aus am weitesten vom Erdmittelpunkt entfernte Punkt aufgrund der äquatorialen Ausbuchtung der Erde dort. Ingenieure erklären, die Bedingungen – starke Winde, eisige Temperaturen und steiles alpines Gelände – würden einige der auf dem Everest erwarteten Herausforderungen simulieren.
Everest-Pläne und regulatorische Herausforderungen
Nach dem Abschluss des Chimborazo-Aufstiegs richtet sich die Aufmerksamkeit nun auf den Mount Everest. Dort plant das Team laut Humanoids Daily eine vollständige Expedition entweder im Oktober 2026 oder möglicherweise im April 2027.
Der Weg dorthin ist jedoch nicht rein technischer Natur. Humanoids Daily zufolge gibt es in Nepal derzeit keinen formellen Rechtsrahmen für Roboterexpeditionen am Everest. Das Projektteam arbeitet daher direkt mit den Behörden zusammen, um Genehmigungen und Sicherheitsregeln festzulegen, bevor ein Aufstieg stattfinden kann.
Sobald die Genehmigungen erteilt sind, sollen ein 14-köpfiges Unterstützungsteam und lokale Logistikpartner in Nepal beteiligt werden.
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