Eines der wichtigsten KI-Projekte der Welt ist gerade als potenzielles militärisches Ziel eingestuft worden.
Irans mächtige Militärorganisation, das Korps der Islamischen Revolutionsgarde (IRGC), veröffentlichte am 3. April ein Video, in dem sie droht, OpenAIs Vorzeige-Rechenzentrum Stargate in Abu Dhabi zu zerstören, falls die Vereinigten Staaten ihre Drohung wahr machen, iranische Kraftwerke und Meerwasserentsalzungsanlagen zu bombardieren.
Das auf dem X-Konto eines staatlich unterstützten Nachrichtenmediums veröffentlichte Filmmaterial zeigt zunächst ein Satellitenbild dessen, was auf Google Maps wie eine leere Wüste aussieht, bevor es zu Aufnahmen des weitläufigen Campus wechselt. Auf dem Bildschirm ist dazu die Botschaft eingeblendet: „Nichts bleibt unserem Blick verborgen, auch wenn es von Google verborgen wird.“
Die Drohung kam von Brigadegeneral Ebrahim Zolfaghari, einem Sprecher der IRGC, der sich direkt an die USA wandte.
„Sollten die USA ihre Drohungen bezüglich der iranischen Kraftwerksanlagen wahr machen, werden umgehend die folgenden Vergeltungsmaßnahmen ergriffen“, sagte er in dem Video. „Alle Kraftwerke, Energieinfrastrukturen und Informations- und Kommunikationstechnologien des zionistischen Regimes sowie alle vergleichbaren Unternehmen in der Region, an denen amerikanische Anteilseigner beteiligt sind, werden einer vollständigen und restlosen Vernichtung ausgesetzt.“
Dies markiert eine deutliche Verschärfung von Irans Haltung. Nur wenige Tage vor der Veröffentlichung des Videos hatte die IRGC 18 US-amerikanische Technologieunternehmen, darunter Apple, Microsoft, Nvidia und Tesla, als legitime militärische Ziele eingestuft. Sie hatte jedoch darauf verzichtet, eine konkrete Einrichtung zu nennen. Das Stargate-Video ist das erste Mal, dass sie dies getan hat.
Warum Stargate wichtig ist
Um zu verstehen, warum es sich hierbei um eine so große Angelegenheit handelt, muss man sich die Zahlen ansehen. Stargate ist nicht einfach nur ein weiteres Rechenzentrum, sondern ein 500-Milliarden-US-Dollar-Joint-Venture von OpenAI, SoftBank und Oracle. Der konkrete Standort in Abu Dhabi steht für eine Investition von 30 Milliarden US-Dollar und soll 500.000 Nvidia-GPUs beherbergen.
Die Anlage soll das Zentrum der KI-Entwicklung außerhalb des US-Territoriums sein. Das Video der IRGC legt jedoch nahe, dass sie nicht nur den Bau beobachten, sondern nach Schwachstellen suchen.
Der andauernde Konflikt hat die digitale Infrastruktur in der gesamten Golfregion bereits beeinträchtigt. Iranische Raketenangriffe haben Rechenzentren in der Region getroffen, darunter AWS-Anlagen in Bahrain und ein Oracle-Rechenzentrum in Dubai. Diese Vorfälle störten Dienste in den Bereichen Banking, Fahrdienste und Zahlungssysteme – ein Zeichen dafür, dass sich moderne Kriegsführung zunehmend auf die Cloud-Infrastruktur ausweitet.
Trumps „Tag der Kraftwerke“
Der Hintergrund all dessen ist ein sich rapide verschärfender Schlagabtausch zwischen Washington und Teheran.
Präsident Donald Trump hat damit gedroht, iranische zivile Infrastruktur anzugreifen, falls die Straße von Hormus – eine für die Weltwirtschaft wichtige Schifffahrtsroute – nicht bis zum Ende des Dienstags wieder geöffnet wird.
Auf Truth Social bezeichnete Trump die bevorstehende Frist als „Tag der Kraftwerke und Tag der Brücken“. Später bekräftigte er dies in einem Interview mit ABC News, in dem er erklärte, die USA planten, „das gesamte Land in die Luft zu jagen“, falls keine Einigung erzielt werde.
Irans Außenministerium reagierte am Montag mit der Aussage, das Land sei „entschlossen, unsere nationale Sicherheit und Souveränität mit aller Kraft zu verteidigen“.
Die Drohung der IRGC gegen Stargate ist als konditionale Vergeltungsmaßnahme für einen US-Angriff auf iranische zivile Infrastruktur formuliert und nicht als unmittelbar bevorstehende Aktion. Da jedoch keine der beiden Seiten Anzeichen für ein Einlenken zeigt, schrumpft der Abstand zwischen konditional und unmittelbar bevorstehend rapide.
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