Le Chat, die Chatbot-App des französischen Start-ups Mistral AI, hat in nur 13 Tagen mehr als eine Million Downloads erreicht – ein bedeutender Meilenstein für das Unternehmen. Beeindruckend ist das durchaus, doch OpenAIs ChatGPT erreichte denselben Meilenstein in fünf Tagen, was den intensiven Wettbewerb im Bereich der KI-Chatbots verdeutlicht.
Le Chat ist ein schnell wachsender Konkurrent im Rennen um KI-Chatbots
Mistral brachte am 6. Feb. die iOS- und Android-Versionen seines Desktop-basierten Chatbots auf den Markt, die unter anderem eine Websuche in Echtzeit, Dokumentenanalyse, Bildgenerierung und die Ausführung von Code direkt im Chat bieten. Was Le Chat von ChatGPT und DeepSeek unterscheidet, ist seine außergewöhnliche Antwortgeschwindigkeit, die laut Mistral „schneller als jeder andere Chat-Assistent“ ist.
Die herausragende Funktion der App, Flash Answers, liefert Antworten mit einer Geschwindigkeit von bis zu 1.000 Wörtern pro Sekunde – dank einiger der „schnellsten Inferenz-Engines der Welt“. Anders als andere KI-Chatbots, die fortgeschrittene Funktionen hinter Bezahlschranken verbergen, bietet Mistral die Kernfunktionen von Le Chat – einschließlich Flash Answers – kostenlos an. Ein Pro-Abonnement für 14,99 US-Dollar pro Monat bietet zusätzlich fortgeschrittenere Modelle und unbegrenzte Nachrichten.
CEO bezeichnet Meilenstein von Le Chat als ersten Schritt für Mistral
Mistrals CEO Arthur Mensch sprach mit Le Parisien über den Meilenstein bei den Downloads von Le Chat und bezeichnete ihn als „einen ersten Schritt, der bestätigt, dass wir eine beliebte KI mit beispielloser Geschwindigkeit anbieten können, die den persönlichen und beruflichen Bedürfnissen eines möglichst breiten Publikums gerecht wird.“
„Le Chat wird sich weiter verbessern und den Bedürfnissen des Alltags gerecht werden. Wir freuen uns darauf, schon bald neue Funktionen vorzustellen“, fügte Mensch in einer Übersetzung aus dem Französischen hinzu.
DeepSeek, das bei seiner Veröffentlichung am 10. Jan. eine Welle der Unruhe in der US-Techbranche auslöste und sich rasch zu einem wichtigen Konkurrenten entwickelte, hatte laut TechCrunch bis zum 24. Jan. eine Million Downloads erreicht. Der dadurch ausgelöste Schwung bedeutete jedoch, dass sich diese Zahl bis zum 27. Jan. mehr als verdoppelt hatte.
Mistrals wachsender Einfluss auf die europäische KI-Branche
Das in Paris ansässige Unternehmen Mistral wurde im April 2023 von Mensch und einigen ehemaligen Forschern von Google und Meta gegründet. Seine Mission besteht darin, „künstliche Intelligenz zu demokratisieren“ – mit Open-Source-Modellen. Das Unternehmen, das im Juni 2024 mit 5,8 Milliarden Euro (6 Milliarden US-Dollar) bewertet wurde, gilt häufig als Symbol für Europas wachsende KI-Innovation.
Der französische Präsident Emmanuel Macron hat Mistrals Bemühungen öffentlich gelobt. In einem CNBC-Interview im Mai 2024 erklärte er, dass er glaube, das Start-up könne zu einem der KI-„Big Player“ der Welt werden. Macron forderte die Menschen in einem Fernsehinterview vor dem Paris AI Action Summit Anfang dieses Monats außerdem dazu auf, Le Chat herunterzuladen. Damit bekräftigte er Frankreichs Ziel, mit den KI-Großmächten der USA und Chinas zu konkurrieren.
Eine mutige Vision: Unabhängigkeit und Expansion
Mistral legt großen Wert auf seine Unabhängigkeit – eine Haltung, die das Unternehmen mit der Ankündigung bekräftigte, sein erstes KI-Cluster in Essonne, Frankreich, zu bauen. Die Kosten für das Projekt dürften „mehrere Milliarden Euro“ betragen.
In einem Interview mit Bloomberg im Januar betonte Mensch außerdem, dass sein Unternehmen „nicht zum Verkauf“ stehe, sondern stattdessen einen Börsengang vorbereite – obwohl es von namhaften Akteuren wie Microsoft, NVIDIA, Salesforce und General Catalyst mehr als 1 Milliarde Pfund an externen Investitionen erhalten hat.
Während Mistral seine Präsenz im KI-Bereich weiter ausbaut, werden sein rasantes Wachstum und sein Wettbewerbsvorsprung entscheidend dafür sein, ob das Unternehmen die Vorherrschaft etablierter Branchengrößen wie OpenAI herausfordern kann.

