Nvidia könnte bei seinem nächsten Schritt im KI-Inferenzrennen über GPUs hinausblicken.
Der Chiphersteller spricht über eine mögliche Partnerschaft mit dem südkoreanischen KI-Halbleiter-Start-up Rebellions, die eine technische Vereinbarung, eine Investition oder eine Übernahme umfassen könnte, berichtet Bloomberg unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen. Nvidia-CEO Jensen Huang traf Rebellions-CEO Sunghyun Park vergangene Woche in Nvidias Hauptsitz in Santa Clara, wobei sich die Gespräche noch in einer frühen Phase befinden und möglicherweise nicht zu einem Abschluss führen.
Rebellions ist auf Prozessoren spezialisiert, die für KI-Inferenz entwickelt wurden – einen zunehmend wichtigen Bereich des KI-Infrastrukturmarkts, da Unternehmen nach schnelleren und effizienteren Möglichkeiten suchen, trainierte Modelle auszuführen.
Das Unternehmen fusionierte 2024 mit dem KI-Chip-Start-up Sapeon Korea und nahm im März 2026 in einer Finanzierungsrunde vor dem Börsengang 400 Millionen US-Dollar ein. Insgesamt hat Rebellions von Investoren wie SK Hynix, Samsung Ventures und Arm Holdings rund 850 Millionen US-Dollar eingesammelt und wurde zuletzt mit etwa 2,3 Milliarden US-Dollar bewertet, berichtete Bloomberg.
Nvidias Vorstoß bei der Inferenz
Der mögliche Deal könnte zu Nvidias umfassenderer Strategie passen, sich Zugang zu vielversprechender KI-Technologie zu verschaffen, ohne notwendigerweise das gesamte Unternehmen zu kaufen.
Nvidia nutzte Ende 2025 eine ähnliche Struktur mit Groq: Das Unternehmen sicherte sich eine nicht exklusive Technologielizenz und übernahm zugleich den Großteil der Entwicklungsmitarbeiter des Start-ups. Nvidia erklärte, Groq sei nicht übernommen worden, weil das Unternehmen weiterhin unabhängig operiere und sein Cloud-Geschäft behalte.
Nvidia hat die Groq-Technologie inzwischen in seine eigene Inferenzstrategie integriert und im März die Nvidia Groq 3-Sprachverarbeitungseinheit vorgestellt. Das Unternehmen plant, neben seinen jährlichen GPU-Neuerscheinungen neue LPU-Architekturen einzuführen, berichtete Data Center Dynamics.
Rebellions könnte Nvidia einen weiteren technologischen Fuß in die Tür verschaffen, während die Nachfrage nach Inferenz wächst.
Die Inferenzwette bringt Zielkonflikte mit sich
Die Gespräche sind bemerkenswert, weil die Inferenz zu einem größeren Schlachtfeld in der KI-Infrastruktur wird, spezialisierte Inferenzchips jedoch kein einfacher Ersatz für Nvidias umfassendere GPU-Plattform sind.
Nvidias Leiter des Rechenzentrumsgeschäfts, Ian Buck, beschrieb diesen Zielkonflikt auf der GTC-Konferenz des Unternehmens im März: „Die LPU ist strikt für die Generierung von Tokens mit extrem niedriger Latenz optimiert und bietet Token-Raten von Tausenden Tokens pro Sekunde“, berichtet Data Center Dynamics.
Er fügte hinzu: „Die Wirtschaftlichkeit, also die Zahl der Tokens pro Sekunde und Chip, ist tatsächlich ziemlich gering.“
Das hilft zu erklären, warum Nvidia möglicherweise Wert darauf legt, Technologie und Talente zu erwerben und zugleich flexibel zu bleiben, wie das Unternehmen sie einsetzt. Für Rebellions könnte ein Deal Kapital und Zugang zu Nvidias Ökosystem bieten, zugleich aber auch den gemeldeten Plan des Start-ups erschweren, später an die Börse zu gehen.
Regulierung könnte eine Übernahme erschweren
Eine vollständige Übernahme wäre mit zusätzlichen regulatorischen Risiken verbunden. Nvidia verfügt bereits über eine dominante Position bei KI-Trainingschips, wodurch jeder größere Kauf eines konkurrierenden Halbleiterunternehmens in den USA möglicherweise einer kartellrechtlichen Prüfung unterliegen würde.
Auch koreanische Regulierungsbehörden könnten Interesse zeigen, da fortschrittliche Halbleiter als strategisch wichtig gelten. Das ist angesichts der Verbindungen von Rebellions zu SK Hynix und der Investition der koreanischen Regierung in das Unternehmen besonders relevant.
Eine Vereinbarung wurde nicht angekündigt, und die Gespräche könnten weiterhin ohne Transaktion enden. Das Interesse von Nvidia an Rebellions ist jedoch ein weiteres Anzeichen dafür, dass das Unternehmen spezialisierte Inferenztechnologie als zunehmend wichtige Ergänzung zu den GPUs betrachtet, die seine Vorherrschaft in der KI-Infrastruktur begründet haben.
Weitere Nachrichten: LG und Nvidia arbeiten gemeinsam an der Entwicklung eines zweibeinigen humanoiden Roboters für eine geplante Vorstellung im Jahr 2027 und kombinieren dabei Nvidias Physical-AI-Stack mit der Hardware- und Fertigungskompetenz von LG.

