Microsoft ist in den eskalierenden Streit zwischen dem Pentagon und Anthropic getreten und hat sich hinter das KI-Unternehmen gestellt, nachdem das Kriegsministerium dessen Claude-Plattform als „Lieferkettenrisiko“ eingestuft hatte.
In einer Gerichtseingabe forderte Microsoft einen Bundesrichter auf, die Einstufung für bestehende Verträge zu blockieren. Das Unternehmen warnte, ein sofortiges Verbot könne den laufenden Einsatz fortschrittlicher KI durch das US-Militär stören und Technologieanbieter dazu zwingen, Produkte sowie verteidigungsbezogene Vereinbarungen kurzfristig neu zu konfigurieren.
Das Anthropic-Verbot wurde außerdem von einer Gruppe aus 22 ehemaligen hochrangigen US-Militärvertretern kritisiert. Sie argumentieren laut einem Bericht von the Associated Press.
in einer Gerichtseingabe, die Einstufung stelle einen Missbrauch staatlicher Befugnisse dar und scheine eine Vergeltungsmaßnahme gegen ein privates Unternehmen zu sein.
Washingtons Schritt erfolgte, nachdem Anthropic Berichten zufolge zwei konkrete Nutzungen seines KI-Systems abgelehnt hatte: die massenhafte Überwachung von US-Bürgern im Inland und die Entwicklung vollständig autonomer Waffen. Der Konflikt hat sich rasch zu einer umfassenderen Debatte über die ethischen Grenzen künstlicher Intelligenz in der Landesverteidigung entwickelt.
Eine kurzlebige PartnerschaftDas Pentagon hatte sich seit 2024 auf Claude AI verlassen. Laut Scientific American war Anthropic das erste KI-Unternehmen, das die für den Einsatz durch die Regierung erforderliche Sicherheitsfreigabe erhielt, und bis vor Kurzem war es das einzige Large Language Model (LLM)
, das in dieser Funktion eingesetzt wurde.
Darüber hinaus hatte Anthropic Berichten zufolge in den vergangenen Wochen seinen Vertrag mit dem Verteidigungsministerium neu verhandelt. Oberflächlich betrachtet schien es, als seien beide Parteien an einer Fortsetzung ihrer Beziehung interessiert.
Doch das endete, als Kriegsminister Pete Hegseth Anthropic zum Lieferkettenrisiko erklärte und Bundesbehörden die Nutzung der KI-Technologie von Anthropic untersagte. Eine solche Einstufung wurde in den USA noch nie gegen ein Unternehmen verhängt. Der Streit zwischen Anthropic und dem Pentagon betritt daher eindeutig Neuland.
KI-Unterstützung auf breiter FrontMicrosoft ist seiner Unterstützung für KI treu geblieben. Das Unternehmen hat nicht nur zahlreiche Investitionen in OpenAI und dessen ChatGPT-Plattform
getätigt, sondern kürzlich auch zugesagt, bis zu 5 Milliarden US-Dollar in Anthropic und Claude zu investieren.Microsoft seinerseits möchte, dass eine einstweilige Verfügung
erlassen wird, um das Pentagon daran zu hindern, Anthropic als „Lieferkettenrisiko“ einzustufen. Laut einer am 10. März beim US-Bundesbezirksgericht in San Francisco eingereichten Eingabe ist die einstweilige Verfügung unerlässlich, um Störungen beim Einsatz von KI durch das US-Militär zu minimieren – unabhängig davon, ob es Anthropic weiterhin nutzt oder nicht.
Ethischer KI-Einsatz auf höchster EbeneDas Team hinter Anthropic verklagt die Trump-Regierung bereits wegen des jüngsten Verbots. Anthropic hat eindeutig erhebliche ethische Bedenken
gegenüber den Forderungen, die das Unternehmen vom Pentagon erhalten hat. Die Reaktion der Regierung sollte für alle anderen Unternehmen, die darauf warten, der nächste KI-Anbieter des Pentagons zu werden, ein sofortiges Warnsignal sein.Außerdem lesenswert: Die wechselnde Haltung des Pentagons gegenüber KI-Anbietern

