Siehe auch: Deloitte’s David Linthicum zur Optimierung Ihrer Multicloud
Zunächst eine kurze Auffrischung: Cloud Native bedeutet, dass wir Services und Systeme nutzen, die nur bei einem bestimmten Cloud-Anbieter zu finden sind.
Wenn Entwickler und Architekten von „Cloud Native“ sprechen, meinen sie in der Regel spezifische Cloud-Services, die bei anderen Clouds oder herkömmlichen Plattformen nicht zu finden sind. Zu diesen Cloud-Services gehören beispielsweise Sicherheit, Management, Datenbanken, serverlose Systeme und Finanzoperationen (FinOps).
Wir setzen Cloud-Native-Services in Anwendungen oder anderen Lösungen ein, unter anderem aus folgenden Gründen:
- Fortschrittlicher. Cloud-Native-Services sind in der Regel fortschrittlicher als nicht native Services. Sie ermöglichen den direkten Zugriff auf andere native Ressourcen wie Speicher, Rechenleistung und Datenbanken. Cloud Native bedeutet somit modernere Funktionalität, die Sie nicht selbst entwickeln, testen und bereitstellen müssen.
- Bessere Leistung. Cloud-Native-Services bieten in der Regel eine bessere Leistung. Das liegt im Allgemeinen daran, dass die Services vom Cloud-Anbieter entwickelt und betrieben werden und speziell für seine Mandantenfähige Plattform.
- Interoperabilität. Cloud-Native-Services funktionieren in der Regel gut mit anderen Cloud-Native-Services. Da sie erneut speziell für einen bestimmten Cloud-Anbieter entwickelt wurden, unterstützen sie typischerweise die Plug-and-Play-Integration mit anderen nativen Services. So kann ein natives Cloud-Messaging-System mit seinen nativen Cloud-Datenbanken kommunizieren, ohne dass eine individuelle Integration erforderlich ist.
- Niedrigere Kosten. Cloud-Native-Services kosten in der Regel weniger als nicht native Services. Da sie für einen bestimmten Cloud-Anbieter entwickelt wurden und keinen anderen Anbieter unterstützen, sind sie typischerweise darauf optimiert, weniger Ressourcen zu nutzen. Das bedeutet, dass die Cloud-Rechnung niedriger ausfallen sollte, als wenn Sie nicht native Services einsetzen würden.
Wenn die obige Liste stimmt, warum sollten wir dann überhaupt nicht native Services einsetzen?
Die Antwort lautet: Weil es wie überall in der Welt der Datenverarbeitung nichts umsonst gibt. Wenn Sie Cloud-Native-Services nutzen, gibt es Vorteile und Nachteile, Gewinner und Verlierer.
Siehe auch: Warum die Cloud Cloud Native bedeutet
Verlierer von Cloud Native
Manche werden feststellen, dass Cloud Native für ihre Problemstellung keine besonders gute Lösung ist, und andere wollen eine Anbieterabhängigkeit vermeiden. Wenn Sie die Cloud-Native-Funktionen eines bestimmten Cloud-Anbieters nutzen, sind Ihre Anwendung und Ihre Datenspeichersysteme weniger portabel zwischen Clouds oder herkömmlichen Systemen.
Wenn wir die oben aufgeführten Vorteile von Cloud-Native-Services nutzen, ist das eine gute Sache. Eine Cloud-Native-Lösung kann jedoch nicht ohne umfangreiche Änderungen in eine andere Cloud oder auf eine Nicht-Cloud-Plattform verschoben werden.
Für die Änderungen müssen alle Kopplungen an Cloud-Native-Services in der bestehenden Cloud entfernt werden. Die Kopplungen müssen dann mit den Cloud-Native-Services der neuen Ziel-Cloud-Plattform verbunden werden oder offenere Services nutzen, die auf den meisten Plattformen zu finden sind, oder nicht native Services für Speicher, Rechenleistung und Datenbanken.
Unternehmen, die nicht vorausplanen, um eine Anwendung von einer bestimmten Cloud wegzubewegen, später aber dazu gezwungen sind, werden ebenfalls zu Verlierern. Die Änderung von Anwendungen, um spezifische Cloud-Native-Services zu entfernen und durch andere Cloud-Native-Services oder offene Services zu ersetzen, ist mit hohen Kosten und Risiken verbunden.
Offensichtlich handelt es sich dabei um die gefürchtete „Anbieterabhängigkeit“. Die meisten Anwendungen, die auf Cloud-Plattformen umziehen, werden diese Plattform während ihrer gesamten Lebensdauer nicht mehr verlassen – vor allem wegen der damit verbundenen Kosten und Risiken.
Ein weiterer Nachteil besteht darin, dass Sie Cloud-spezifische Kompetenzen benötigen, um die Vorteile von Cloud-Native-Funktionen voll auszuschöpfen. Diese Fachkräfte sind möglicherweise weder intern noch auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt verfügbar und/oder könnten die Personalkosten über das Budget treiben.
Die Pandemie löste einen massiven Ansturm auf öffentliche Cloud-Anbieter aus, wodurch auch die Nachfrage nach Kompetenzen für Cloud-Migrationen explodierte und die Gehälter sowie Beratungshonorare in die Höhe trieb. Zudem erhöht der Mangel an qualifizierten Fachkräften das Risiko, dass Sie die für die Entwicklung von Cloud-Native-Systemen erforderlichen Kompetenzen nicht finden und/oder dass das benötigte Talentniveau für die Erstellung optimierter und effizienter Systeme nicht verfügbar ist.
Das führt manche Unternehmen auf einen beängstigenden Pfad mit Budgetüberschreitungen. Cloud-Native-Systeme mit aus dem Ruder laufenden Budgets werden die Erwartungen des Unternehmens höchstwahrscheinlich nicht erfüllen. Dadurch wird es oft schwieriger und teurer als erwartet, die Vorteile von Cloud Native zu erzielen. Der Mangel an Cloud-Native-Talenten erhöht eindeutig das Risiko, was wiederum dazu führen kann, dass sich Cloud-Native-Architektur und -Entwicklung nicht lohnen.
Siehe auch: Führende Cloud-Service-Provider und -Unternehmen
Gewinner von Cloud Native
Auch wenn der Wert von Cloud Native im Laufe der Zeit steigen oder sinken kann, wird jedes Unternehmen, das Cloud-Native-Services mit mindestens zwei der oben aufgeführten Werttreiber nutzen kann (z. B. Leistung und Kosten), am Ende zu den Gewinnern von Cloud Native gehören.
Typische Gewinner von Cloud Native können das Risiko und die Kosten einer Umstellung auf Cloud Native tragen und rechtfertigen. Nehmen wir beispielsweise an, wir möchten ein Bestandsverwaltungssystem von einem herkömmlichen LAMP-Stack (Linux Apache MySQL und Python) in einem Rechenzentrum auf dieselbe LAMP-Plattform migrieren, die in einer öffentlichen Cloud läuft.
Statt einer einfachen Lift-and-Shift-Migration entschied sich das Migrationsteam, einige Cloud-Native-Services wie Sicherheit, Clustering, serverlose Systeme, sowie Management und Monitoring zu nutzen. Daher muss die Anwendung angepasst, erneut getestet und bereitgestellt werden, um diese spezifischen Cloud-Native-Services zu nutzen.
Das Team erwartet, dass alle oben aufgeführten Vorteile in gewissem Umfang in der migrierten Anwendung vorhanden sein werden. Die zusätzliche Arbeit für die Umstellung auf Cloud Native wird etwa 300 Prozent höhere Kosten verursachen als das bloße Lift-and-Shift-Verfahren mit minimalen Änderungen. Wird sich die endgültige Cloud-Native-Lösung angesichts der Kosten und Risiken lohnen?
Es ist an der Zeit, einige Wetten abzuschließen. Erstens setzen Sie darauf, dass sich die zusätzlichen Ausgaben für Cloud-Native-Funktionen langfristig in Form von Wert auszahlen, etwa durch Vorteile bei Leistung und Kosten. Zweitens setzen Sie als echter Gewinner darauf, dass dieser Wert dem Unternehmen während der Lebensdauer der Anwendung zugutekommt.
Allgemein gesprochen belaufen sich die durchschnittlichen Kosten für die Umstellung auf Cloud Native auf etwa 300 Prozent der Kosten von Ansätzen ohne Änderungen. Würde ein Lift-and-Shift-Verfahren mit minimalen Änderungen also insgesamt 50.000 US-Dollar kosten, lägen die Kosten für eine Cloud-Native-Anwendung bei derselben Anwendung bei etwa 150.000 US-Dollar. In diesem Beispiel setzte das Migrationsteam 100.000 US-Dollar darauf, dass das Unternehmen durch den Cloud-Native-Weg mindestens 100.000 US-Dollar an Wert zurückerhält.
Viele Faktoren bestimmen, ob sich die Cloud-Native-Wette auszahlt, und Sie müssen dies für jede Anwendung einzeln prüfen, um festzustellen, ob Sie gewinnen oder nicht. Denken Sie außerdem an den Joker. Wenn das Cloud-Native-System eines Tages in eine andere Cloud oder zurück auf die ursprünglichen Systeme verschoben werden muss, sind alle Wetten hinfällig und Sie werden wieder zu einem Verlierer von Cloud Native.
Siehe auch: Best Practices für Multicloud (die Cloud-Anbieter lieber geheim halten würden)
Einige Ratschläge – aber keine einfachen Antworten
Wenn die Umstellung auf Cloud Native eine einfache, geradlinige Entscheidung wäre, würde es jeder tun. Auf den ersten Blick ermöglicht Cloud Native effizientere Anwendungen mit größerem Funktionsumfang und einem geringeren Verbrauch von Cloud-Ressourcen. Doch auch das ist ein Kompromiss in der Welt der Datenverarbeitung. Das Migrationsteam muss alle Aspekte dessen berücksichtigen, was in die Cloud verschoben wird, und die Cloud-Native-Wette anhand der Eigenschaften jeder potenziellen Migrationslösung eingehen.
Mein Rat lautet, für jedes Cloud-Migrationsprojekt eine umfassende Vergleichsliste zu erstellen, in der die mit Lift and Shift gegenüber Cloud Native verbundenen Vorteile, Kosten und Risiken dargestellt werden. Je mehr Erfahrung wir sammeln und je besser wir im Cloud Computing werden, desto besser werden wir auch darin, die richtigen Anwendungen für eine Umstellung auf Cloud Native auszuwählen. Dadurch werden wir mehr Gewinner als Verlierer hervorbringen.
Siehe auch: Technologieprognosen für 2022: Cloud, Daten, Cybersicherheit, KI und mehr

