Die wirtschaftliche Unsicherheit hat die Art und Weise verändert, wie Finanzverantwortliche über Liquidität denken.
Für viele CFOs und Treasury-Teams geht es nicht mehr nur darum, ob das Unternehmen Zugang zu Kapital hat, sondern auch darum, ob es seine Flexibilität bewahren, die Transparenz über seine Liquidität verbessern und schnell reagieren kann, wenn sich die Rahmenbedingungen ändern. Angesichts der anhaltenden Volatilität der Zinssätze, der restriktiveren Kreditbedingungen und der allgemeinen Unsicherheit an den Märkten wird Liquidität zu einer strategischen Priorität.
Statt sich ausschließlich auf externe Finanzierung zu verlassen, betrachten Unternehmen zunehmend Working-Capital-Strategien, mit denen sich bereits im Unternehmen gebundenes Kapital freisetzen, der Zeitpunkt von Cashflows verbessern und eine besser planbare Liquidität schaffen lässt – ohne unnötige operative Komplexität.
- Die strategische Neuausrichtung auf Liquiditätssteuerung
- Warum externe Finanzierung nicht immer der beste erste Schritt ist
- Das ungenutzte Potenzial im Working Capital
- Wo Finanzteams zuerst ansetzen
- Zahlungsziele als praktischer Hebel für Liquidität
- Wenn Strategien für Zahlungsziele zu komplex werden
- Ein pragmatischerer Ansatz zur Freisetzung von Liquidität
- Was Finanzverantwortliche als Nächstes priorisieren sollten
Die strategische Neuausrichtung auf Liquiditätssteuerung
Traditionell wurde Liquidität über Transparenz gesteuert: Im Mittelpunkt standen die Kenntnis der Liquiditätsposition, die Nachverfolgung von Ein- und Auszahlungen sowie die Planung anhand des erwarteten Bedarfs. Diese Grundlage bleibt wichtig, reicht in einem unsichereren Umfeld jedoch nicht mehr aus.
Da sich Finanzierungskosten, der Kreditzugang und Prognosen immer schwerer vorhersehen lassen, müssen Unternehmen zunehmend aktiver darauf Einfluss nehmen, wie und wann Liquidität durch das Unternehmen fließt. Statt externe Finanzierung als Rückfallebene zu nutzen, richtet sich die Aufmerksamkeit stärker auf den Zeitpunkt von Zahlungen, die Struktur des Working Capital und die Fähigkeit, sich an veränderte Rahmenbedingungen anzupassen.
Dieser Wandel führt zu einer stärkeren Fokussierung auf das Working Capital. Es bietet eine Möglichkeit, Flexibilität aus dem Unternehmen selbst heraus zu schaffen und die Liquidität gezielter zu steuern, anstatt sie lediglich zu überwachen.
Warum externe Finanzierung nicht immer der beste erste Schritt ist
Externe Finanzierung war traditionell die Standardreaktion auf Liquiditätsengpässe. Ob Kreditlinien, kurzfristige Darlehen oder andere Finanzierungsoptionen – sie bietet einen direkten Weg, bei Bedarf auf Liquidität zuzugreifen. Im heutigen Umfeld ist dieser Ansatz jedoch nicht immer der effizienteste oder flexibelste Ausgangspunkt.
Die Finanzierungskosten liegen weiterhin über dem Niveau der vergangenen Jahre, und der Zugang zu Krediten kann je nach Marktbedingungen und Risikobereitschaft der Kreditgeber variieren. Selbst wenn eine Finanzierung verfügbar ist, bringt sie zusätzliche Aspekte wie Covenants, Refinanzierungsrisiken und laufende Kapitalkosten mit sich. Für CFOs, die Flexibilität bewahren wollen, sind diese Zielkonflikte ein wichtiger Faktor.
Daher fragen sich immer mehr Finanzteams, wie viel Liquidität sie intern freisetzen können, bevor sie auf externe Quellen zurückgreifen. In vielen Fällen bietet das Working Capital einen unmittelbareren und besser steuerbaren Weg. Durch die Anpassung von Zahlungszeitpunkten oder die Optimierung von Cashflow-Zyklen können Unternehmen ihre Liquidität verbessern und eine größere Kontrolle über den Cashflow behalten – ohne neue Verpflichtungen einzugehen oder ihre Kapitalstruktur komplexer zu machen.
Das bedeutet nicht, dass externe Finanzierung vom Tisch ist, denn sie kann ein sinnvolles Instrument sein. Zunehmend wird sie jedoch als zweiter Schritt und nicht als erste Maßnahme betrachtet – zur Ergänzung interner Liquiditätsstrategien, nicht als deren Ersatz.
Das ungenutzte Potenzial im Working Capital
Working-Capital-Strukturen spiegeln häufig Entscheidungen wider, die unter völlig anderen Rahmenbedingungen getroffen wurden. Zahlungsziele, Lieferantenvereinbarungen und Cashflow-Zyklen wurden möglicherweise festgelegt, als andere Prioritäten galten, und anschließend als Teil der üblichen Geschäftsabläufe beibehalten.
Wenn sich die Rahmenbedingungen ändern, können ältere Working-Capital-Strukturen zunehmend ungeeignet wirken. Zwar fließt weiterhin Liquidität durch das Unternehmen, aber nicht immer so, dass die Finanzteams die heute benötigte Flexibilität erhalten.
Das Potenzial liegt darin, die bestehenden Strukturen genauer zu prüfen und zu entscheiden, ob sie noch zum aktuellen Bedarf des Unternehmens passen. Durch eine Neubewertung von Zahlungszielen, Lieferantenvereinbarungen und Cashflow-Zyklen lassen sich praktische Möglichkeiten identifizieren, um mehr Flexibilität und messbare Verbesserungen beim Cashflow zu schaffen – ohne neue Komplexitätsebenen einzuführen.
Wo Finanzteams zuerst ansetzen
Wenn Finanzteams beginnen, ihr Working Capital neu zu bewerten, nehmen sie typischerweise einige zentrale Bereiche in den Blick. Forderungen, Vorräte und Verbindlichkeiten beeinflussen jeweils, wie Liquidität durch das Unternehmen fließt, und bieten unterschiedliche Möglichkeiten zur Verbesserung der Liquidität.
Bei Forderungsstrategien geht es häufig darum, Zahlungseingänge zu beschleunigen, während Änderungen bei den Vorräten dazu beitragen können, weniger Liquidität im operativen Geschäft zu binden. Beides kann effektiv sein, erfordert aber oft Veränderungen in den Kundenbeziehungen, der Bedarfsplanung oder umfassenderen operativen Prozessen.
Verbindlichkeiten bieten dagegen meist einen unmittelbareren Ansatzpunkt für die Steuerung. Wenn der Zeitpunkt des Liquiditätsabflusses aus dem Unternehmen angepasst wird, lässt sich schneller Flexibilität schaffen – ohne Änderungen am Umsatz oder größere operative Umstellungen. Deshalb beginnen viele Teams mit einer genaueren Betrachtung der Zahlungsziele.
Zahlungsziele als praktischer Hebel für Liquidität
Zahlungsziele gehören zu den direktesten Möglichkeiten, den Cashflow zu beeinflussen. Sie bestimmen, wann Liquidität das Unternehmen verlässt, wie lange sie verfügbar bleibt und wie viel Spielraum Treasury-Teams bei veränderten Rahmenbedingungen haben.
Eine Verlängerung der Zahlungsziele kann Unternehmen dabei helfen, ihre Liquidität länger zu halten, ohne unmittelbar auf neue Finanzierungsquellen zurückzugreifen. Das kann besonders hilfreich sein, wenn Umsätze ungleichmäßig anfallen, Prognosen weniger verlässlich sind oder die Unternehmensleitung mehr Spielraum für den Umgang mit kurzfristiger Unsicherheit wünscht.
Gleichzeitig können Änderungen der Zahlungsziele Auswirkungen über das eigene Unternehmen hinaus haben. Eine Maßnahme, die beispielsweise die Liquidität des Käufers verbessert, kann auch beeinflussen, wie Lieferanten ihren eigenen Cashflow planen. Deshalb müssen Anpassungen der Zahlungsziele umsichtig umgesetzt werden – mit dem Ziel, Vertrauen, Planbarkeit und Kontinuität innerhalb der Lieferantenbasis zu bewahren.
Mit dem richtigen Ansatz können Zahlungsziele gezielter zur Steuerung des Cashflows eingesetzt werden. Sie bieten eine praktische Möglichkeit, die Liquidität zu steuern und gleichzeitig den täglichen Geschäftsbetrieb stabil zu halten.
Wenn Strategien für Zahlungsziele zu komplex werden
Wenn Zahlungsziele umfassender angepasst werden, kann es schnell schwierig werden, diese Änderungen auf Lieferanten und interne Prozesse zu übertragen.
Die Verlängerung von Zahlungszielen über eine breite Lieferantenbasis hinweg erfordert häufig Koordination, Kommunikation und Abstimmung, die über den Finanzbereich hinausgehen. Lieferanten benötigen möglicherweise Unterstützung, interne Teams müssen eventuell Prozesse anpassen, und Systeme sind möglicherweise nicht darauf ausgelegt, Änderungen effizient zu verarbeiten.
An diesem Punkt greifen viele Unternehmen auf strukturiertere Lösungen wie Supply-Chain-Finance zurück. Theoretisch helfen solche Programme dabei, verlängerte Zahlungsziele mit den Bedürfnissen der Lieferanten in Einklang zu bringen. In der Praxis können sie jedoch zusätzliche Komplexitätsebenen einführen, die die Umsetzung verlangsamen.
Ein pragmatischerer Ansatz zur Freisetzung von Liquidität
Da Liquidität immer zeitkritischer wird, legen Finanzverantwortliche größeren Wert auf Ansätze, die sich schnell umsetzen und mit minimaler Komplexität steuern lassen. Der Fokus verlagert sich weg von großen Programmen mit vielen Beteiligten und hin zu Lösungen, die stärker auf den Bedarf des Treasury-Bereichs nach Kontrolle und Geschwindigkeit zugeschnitten sind.
Dafür müssen Abhängigkeiten reduziert werden, denn Ansätze, die kein umfangreiches Onboarding von Lieferanten, keine aufwendige IT-Integration und keine langwierige bereichsübergreifende Koordination erfordern, lassen sich leichter aktivieren und skalieren. So können Teams Liquiditätsprioritäten umsetzen, ohne daraus langfristige Transformationsprojekte zu machen.
Hier gewinnen schlankere Modelle an Bedeutung, und Lösungen wie cflox sind darauf ausgelegt, die Verlängerung von Zahlungszielen zu ermöglichen, ohne den operativen Aufwand, der typischerweise mit traditionellem Supply-Chain-Finance verbunden ist. Da keine komplexe Beteiligung der Lieferanten und keine aufwendige Systemintegration erforderlich sind, können Finanz- und Treasury-Funktionen die Kontrolle behalten und zugleich den Zeitpunkt von Cashflows verbessern – mit schnellerem Eintritt des Nutzens und minimalen Beeinträchtigungen der Lieferantenbeziehungen. Das spiegelt einen umfassenderen Wandel hin zu Lösungen wider, die ihren Wert durch die Umsetzung liefern, nicht nur durch ihre Struktur.
Ob eine Liquiditätsstrategie in unsicheren Zeiten erfolgreich ist, hängt häufig davon ab, ob sich schnell handeln, die Verantwortung behalten und Ergebnisse ohne zusätzliche Reibungsverluste erzielen lassen.
Was Finanzverantwortliche als Nächstes priorisieren sollten
Jetzt gilt es, Liquiditätsstrategien zu identifizieren, die praktikabel, steuerbar und realistisch umsetzbar sind. Das bedeutet, Working-Capital-Strukturen neu zu bewerten, zu prüfen, an welchen Stellen der Zahlungszeitpunkt mehr Flexibilität schaffen kann, und Ansätze auszuwählen, die den Cashflow unterstützen, wichtige Finanzkennzahlen verbessern und unnötige Komplexität vermeiden.
Das Ziel besteht nicht darin, das Unternehmen komplett umzubauen, sondern gezielte Möglichkeiten zu finden, um Handlungsoptionen zu bewahren, die Widerstandsfähigkeit zu stärken und die Kontinuität mit Lieferanten in einem unsichereren finanziellen Umfeld aufrechtzuerhalten.

