Eine neue Welle chinesischer humanoider Roboter rückt sich still und leise dem US-Markt näher.
Immer mehr Start-ups aus Shenzhen, das oft als „Silicon Valley“ Chinas bezeichnet wird, betreten die globale Bühne und hoffen, ins Ausland zu expandieren, bevor Teslas Optimus-Roboter überhaupt der Öffentlichkeit zur Verfügung steht.
Einer der meistbeobachteten Namen ist LimX Dynamics, ein Unternehmen, das sich laut dem Newsletter The China Connection von CNBC schnell von einem kleinen Betrieb zu einem ambitionierten Akteur mit internationalen Plänen entwickelt hat.
LimX-Gründer Will Zhang erklärte gegenüber CNBC, das Unternehmen prüfe derzeit Geschäftspartnerschaften in den USA. Die Äußerungen erfolgten nur wenige Tage, nachdem LimX seinen humanoiden Roboter auf der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas in diesem Monat vorgestellt hatte.
Der Vorstoß des Unternehmens in neue Märkte ist Teil einer umfassenderen Strategie, über Partnerschaften global zu expandieren, statt den Alleingang zu wagen. „Mir geht es mehr um lokale Partnerschaften als ums Geld“, sagte Zhang in einem Interview mit CNBC.
Der Nahe Osten macht den Anfang
Vor einem vollständigen Markteintritt in den USA konzentriert sich LimX auf den Nahen Osten. Zhang sagte, das Start-up habe bereits seinen ersten ausländischen Geldgeber aus der Region gewonnen und erwarte, noch in diesem Jahr mit dem Versand humanoider Roboter dorthin zu beginnen.
Details zum Investor und zur Finanzierungssumme wurden nicht bekannt gegeben, da die Finanzierungsrunde noch läuft. Von CNBC zitierte Daten von PitchBook zeigen, dass LimX bis Juli 2025 69,31 Millionen US-Dollar eingesammelt hat, unter anderem mit Unterstützung großer chinesischer Unternehmen wie Alibaba, JD.com und Lenovo.
Eine wachsende Herausforderung für Teslas Optimus
LimX ist nicht das einzige chinesische Robotikunternehmen mit Blick nach außen. Auch andere Unternehmen wie Unitree waren auf der CES vertreten und machten deutlich, wie schnell sich Chinas humanoider Robotiksektor entwickelt.
Diese globale Dynamik erhöht den Druck auf Teslas Ambitionen im Bereich humanoider Roboter. Elon Musk sagte vergangene Woche in Davos, dass Optimus erst 2027 an die Öffentlichkeit verkauft werden soll.
Unterdessen liefern chinesische Unternehmen bereits Roboter aus. Wie CNBC anmerkt, schätzt das Marktforschungsunternehmen Omdia dass im vergangenen Jahr weltweit rund 13.000 humanoide Roboter ausgeliefert wurden, wobei chinesische Hersteller den Markt anführten.
Die Aussichten für Chinas Markt für humanoide Roboter werden zunehmend optimistischer, und die Wall Street nimmt zur Kenntnis, wie schnell China seine Kapazitäten ausbaut.
Morgan Stanley hat seine Prognose für den Absatz humanoider Roboter in China in diesem Jahr kürzlich auf 28.000 Einheiten verdoppelt, nachdem die frühere Schätzung bei 14.000 gelegen hatte. „Wir erwarten, dass der Verkauf an Unternehmen in diesem Jahr der wichtigste Wachstumstreiber sein wird und damit den Absatz an Regierungen sowie im Forschungs-, Entwicklungs- und Unterhaltungsbereich des vergangenen Jahres ablöst“, schrieb Aktienanalyst Shen Zhong in dem von CNBC zitierten Bericht.
Die Bank prognostiziert außerdem, dass Chinas Markt für humanoide Roboter bis 2050 einen Jahresabsatz von 54 Millionen Einheiten erreichen könnte.
LimXs Oli-Roboter und der Wettlauf um Innovationen
LimX hat laut Zhang bereits mit der Auslieferung seines humanoiden Roboters namens Oli begonnen.
Die Basisversion kostet 158.000 Yuan (etwa 22.660 US-Dollar, Stand Januar 2026), während ein auf Entwickler ausgerichtetes Modell, das individuelle Integrationen ermöglicht, fast doppelt so teuer ist.
Zhang sagt, LimX wolle bei der Kerntechnologie führend sein und nicht einfach bestehenden Trends folgen. „Wir glauben nicht, dass zwangsläufig die USA führen und China folgt“, sagte er gegenüber CNBC.
Eine große Hürde für Roboter war schon immer der Faktor „Fernsteuerung“; die meisten Demos, die man zu sehen bekommt, werden nach wie vor von Menschen gesteuert. LimX versucht, das mit einem neuen KI-Betriebssystem namens COSA zu ändern.
COSA wurde Anfang dieses Monats vorgestellt und soll Robotern autonome Entscheidungen ermöglichen. Statt einem Skript zu folgen, könnte ein von COSA gesteuerter Roboter theoretisch eine Aufgabe wie das Aufheben von Tennisbällen oder die Echtzeit-Navigation durch ein vollgestelltes Büro „durchdenken“. Zhangs Ziel für 2026 ist es, Sprachbefehle zu perfektionieren damit Roboter vollständig auf Controller verzichten können.
Eine sich wandelnde Wettbewerbslandschaft
Der Vorstoß chinesischer Robotikunternehmen mit humanoiden Robotern in internationale Märkte erhöht den Druck nicht nur auf Tesla, sondern auch auf amerikanische Wettbewerber wie Figure AI. Mehrere chinesische Elektronikunternehmen nutzen Veranstaltungen wie die CES, um die Aufnahmefähigkeit des US-Marktes einzuschätzen und Partnerschaften aufzubauen, bevor sie größere Markteinführungen starten.
Derzeit haben chinesische Hersteller den Produktionsvorteil, während amerikanische Unternehmen ihre Technologie weiterentwickeln. Ob sich dieser Abstand verringert, wenn Optimus 2027 endlich die Verbraucher erreicht, könnte davon abhängen, wie viel Boden die chinesischen Wettbewerber bis dahin gutmachen und ob lokale Partnerschaften ihnen helfen können, mögliche Handelsbeschränkungen und geopolitische Spannungen zu navigieren.
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