Unitree Robotics, das in Hangzhou ansässige Start-up, das derzeit weltweit die meisten humanoiden Roboter verkauft, hat offiziell einen Antrag auf einen Börsengang (IPO) am STAR Market der Shanghai Stock Exchange eingereicht.
Das Unternehmen will rund 4,2 Milliarden Yuan (610 Millionen US-Dollar) einnehmen – ein Schritt, der zeigen wird, ob Anleger glauben, dass diese zweibeinigen Maschinen bereit für die reale Welt sind oder noch immer lediglich Hightech-Spielzeug darstellen.
Während viele Robotikunternehmen dafür bekannt sind, ohne absehbares Ende das Geld ihrer Investoren zu verbrennen, stemmt sich Unitree gegen diesen Trend. Das Unternehmen meldete für 2025 einen gewaltigen finanziellen Sprung: Der Umsatz erreichte 1,71 Milliarden Yuan (250 Millionen US-Dollar), 335 % mehr als im Vorjahr.
Noch wichtiger ist, dass das Unternehmen tatsächlich Geld verdient. Unitree verbuchte 2025 einen bereinigten Nettogewinn von 600 Millionen Yuan (90 Millionen US-Dollar). Das steht in starkem Gegensatz zu Wettbewerbern wie UBTech Robotics, das Berichten zufolge seit Jahren Verluste macht.
Eine der beeindruckendsten Erkenntnisse in dem 364-seitigen Prospekt ist, wie schnell Unitree die Kosten senkt. 2023 hätte einer ihrer humanoiden Roboter noch rund 85.000 US-Dollar (593.400 Yuan) gekostet. Im vergangenen Jahr war dieser Durchschnittspreis auf 25.000 US-Dollar (167.600 Yuan) abgestürzt.
Normalerweise verschwinden Gewinne, wenn Preise so schnell sinken. Die Gewinnmargen von Unitree verbesserten sich jedoch tatsächlich auf knapp 60 %. Das Unternehmen führt dies auf seinen „vollständig intern entwickelten Full-Stack-Ansatz“ zurück – das heißt, es baut seine zentralen Komponenten selbst, statt sie von teuren Drittanbietern zu kaufen.
Wer kauft diese Geräte eigentlich?
Während wir häufig Videos dieser Roboter beim Rückwärtssalto oder Tanzen sehen, haben sie den Fabrikboden noch nicht ganz erobert. Dem Antrag zufolge stammen 73,6 % des Umsatzes von Unitrees humanoiden Robotern aus Forschung und Bildung.
Derzeit entfallen nur etwa 9 % des Umsatzes auf industrielle Anwendungen. Die meisten einsatzfähigen Humanoiden werden derzeit als Hightech-Fremdenführer oder für Markendemonstrationen eingesetzt. Trotzdem hat das Unternehmen große Wachstumspläne: In den kommenden fünf Jahren sollen jährlich 75.000 humanoide Roboter und 115.000 vierbeinige Quadruped-Roboter produziert werden.
Der Antrag weist auch auf Risiken hin. Unitree erklärte, man sei angesichts der „Unsicherheiten im Zusammenhang mit Handelspolitik und Geopolitik“ bei importierten Rohstoffen besorgt, die derzeit rund 20 % der Lieferkette ausmachen. Humanoide Roboter sind für ihre Rechenleistung stark auf Chips und Systeme von Nvidia angewiesen.
Die jüngste Finanzierungsrunde des Unternehmens im Juni 2025 bewertete es mit 12,7 Milliarden Yuan. Analysten und Marktbeobachter erwarten laut the South China Morning Post.
Die Börsennotierung von Unitree erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem sich der Wettbewerb in der humanoiden Robotik verschärft. Der Milliardär Elon Musk sagte, sein Unternehmen Tesla werde den Einzelverkauf seiner Optimus-Roboter bis Ende 2027 aufnehmen.
Doch vorerst treibt China die Unterstützung seiner Technologie-Champions zügig voran. Sollte der Antrag genehmigt werden, wäre Unitrees Börsengang einer der größten chinesischen Tech-Börsengänge im Inland seit Jahren – und ein Test dafür, ob Anleger bereit sind, auf eine Zukunft zu setzen, die sich zumindest für ein Unternehmen bereits im Geschäftsergebnis abzeichnet.
Weiterführende Lektüre: Roboter haben gerade 100 MW Solarstrom bei einem riesigen Projekt in Kalifornien installiert – ein Zeichen dafür, dass KI-gesteuerte Maschinen offiziell den Schritt von Pilotversuchen hin zu realer Energieinfrastruktur vollziehen.

