Anthropic zufolge hat KI in der Cybersicherheit einen Wendepunkt erreicht. Das Unternehmen erklärt, sein Modell Claude Sonnet 4.5 könne nun Softwareschwachstellen erkennen, analysieren und beheben, die zuvor ausschließlich von menschlichen Experten bearbeitet wurden. Anthropic positioniert das System als Werkzeug an vorderster Front zum Schutz kritischen Codes und kritischer Infrastruktur.
In einer neuen Ankündigung bezeichnete Anthropic dies als „Wendepunkt“ für KI in der Cyberabwehr und verwies auf Benchmark-Ergebnisse, denen zufolge Claude Sonnet 4.5 frühere Modelle bei der Entdeckung und Behebung von Schwachstellen übertrifft. Das Unternehmen berichtet, dass Partner wie HackerOne und CrowdStrike die Technologie bereits nutzen, um die Bedrohungserkennung zu beschleunigen und den Schutz zu verbessern.
KI wird von einem Konzept zur Cyberwaffe
Anthropic merkte an dass dieser Moment den Übergang vom Experimentieren zur Umsetzung markiert, in dem künstliche Intelligenz nicht länger eine theoretische Hilfe ist, sondern Teil der realen Cyberabwehr.
Nach Jahren des Testens von Modellen, die Sicherheitsverletzungen simulieren konnten, bestätigte das KI-Unternehmen nun, dass seine Systeme in der Lage sind, solche Vorfälle zu verhindern. Sonnet 4.5 wurde mit genau diesem Ziel entwickelt: Code zu scannen, Schwachstellen zu erkennen und Sicherheitslücken zu schließen, bevor Angreifer sie ausnutzen können.
Anthropic warnte, dass Angreifer bereits KI nutzen, um ihre Aktivitäten auszuweiten. Im August berichtete das Unternehmen, dass seine eigenen Claude-Modelle missbraucht worden seien – für Erpressung, Betrug und Spionage. Dies erinnert daran, dass KI gegen sich selbst eingesetzt werden kann. Nach Angaben des Unternehmens lässt sich diese Lücke nur schließen, indem der defensive Einsatz von KI in allen Branchen und Infrastrukturbereichen beschleunigt wird.
Claude Sonnet 4.5 erzielt neue Bestwerte bei Cybench und CyberGym
Das neueste Modell von Anthropic zeigt deutliche Fortschritte in Tests, die reale Abwehrarbeit simulieren sollen.
Bei Cybench löste Claude Sonnet 4.5 nach mehreren Versuchen 76,5 % der Aufgaben – doppelt so viele wie noch vor sechs Monaten. Der Benchmark umfasst komplexe, mehrstufige Abläufe wie die Analyse von Netzwerkverkehr, die Extraktion von Malware und die Dekompilierung bösartigen Codes. Anthropic zufolge erledigt das Modell diese Aufgaben inzwischen in Minuten statt in Stunden, die ein versierter Mensch benötigen würde.
Auch bei CyberGym stieg die Leistung: Sonnet 4.5 reproduzierte bekannte Schwachstellen in 66,7 % der Softwareprojekte und entdeckte in wiederholten Tests in mehr als 33 % der Fälle neue Schwachstellen.
Das Unternehmen betonte, seine Forschung ziele ausschließlich auf defensive Verbesserungen ab und konzentriere sich darauf, unsicheren Code zu erkennen und zu reparieren, statt Exploits oder Malware zu schreiben.
Frühe Partner stellen Claudes Abwehrfähigkeiten auf die Probe
Anthropic erklärte, dass Organisationen Claude Sonnet 4.5 bereits in realen Sicherheitsumgebungen einsetzen und dabei messbare Verbesserungen bei Geschwindigkeit und Genauigkeit verzeichnen.
Bei HackerOne half das KI-Modell dabei, die durchschnittliche Zeit bis zur Aufnahme einer Schwachstellenmeldung um 44 % zu senken und zugleich die Erkennungsgenauigkeit um 25 % zu steigern, so Chief Product Officer Nidhi Aggarwal. Das Unternehmen erklärte, die Verbesserung ermögliche es seinen KI-Sicherheitsagenten „Hai“, Berichte schneller und mit geringerem Risiko für Kunden zu verarbeiten.
Auch CrowdStrike testete Claudes Abwehrfähigkeiten und stellte großes Potenzial für Red-Teaming und die Simulation von Angreiferverhalten fest. Chief Scientist Sven Krasser wies darauf hin, dass die kreativen Angriffsszenarien des Modells Forschern dabei helfen, Vorgehensweisen von Angreifern effizienter zu untersuchen und so den Schutz von Endgeräten, Identitäten und Cloud-Workloads zu verbessern.
Anthropic ergänzte, das Feedback aus diesen Pilotprojekten habe das Vertrauen darin gestärkt, dass Sonnet 4.5 menschliche Analysten ergänzen und umfangreiche, repetitive Sicherheitsaufgaben in Unternehmen effizienter abwickeln kann.
Anthropic setzt für die nächste Phase auf sicherere, intelligentere KI-Systeme
Anthropic stärkt seine eigenen Abwehrmaßnahmen weiter, während das Unternehmen Claudes Cyberfähigkeiten ausbaut. Sein Safeguards-Team vereitelte kürzlich Versuche, die eigene KI als Waffe einzusetzen, darunter ein Erpressungsschema durch „Vibe-Hacking“ und eine Spionagekampagne gegen Telekommunikationsinfrastruktur, die Anzeichen von Taktiken im Stil chinesischer APTs aufwies.
Außerdem verfeinert das Unternehmen Claudes Fähigkeit, Sicherheitspatches zu erstellen und zu überprüfen – eine komplexe Aufgabe, bei der Schwachstellen behoben werden müssen, ohne den zugrunde liegenden Code zu beschädigen. Frühe Ergebnisse deuten darauf hin, dass die früheren Fortschritte des KI-Tools bei der Entdeckung von Schwachstellen anhalten, was auf stetige Fortschritte hin zu einem zuverlässigen defensiven Einsatz schließen lässt.
Die umfassendere Sicherheitsinitiative des Unternehmens geht über Claude Sonnet hinaus. Claude Code wurde kürzlich mit einem ständig aktiven Prüfsystem ausgestattet, das Schwachstellen wie SQL-Injection und Cross-Site-Scripting automatisch meldet, bevor der Code die Produktionsumgebung erreicht. Mit Claude Sonnet 4.5 verlässt dieser auf Abwehr ausgerichtete Ansatz nun die Entwicklerumgebung und erreicht kritische Infrastruktur.
Anthropic schloss seine Erklärung mit einem Aufruf zur Zusammenarbeit und forderte Industrie, Regierungen und Forschende auf, KI zu nutzen, um digitale Infrastruktur von Grund auf sicher zu gestalten. Frontier-Modelle wie Claude könnten, so das Unternehmen, eine zentrale Rolle dabei spielen, die Systeme zu härten, die das moderne Leben online halten.
Keine besonders erfreulichen Nachrichten für Anthropic: Ein Richter hat eine Klage vorläufig zugelassen von Buchautoren gegen den Technologiekonzern, die dem Unternehmen vorwerfen, Raubkopien zum Training von Claude verwendet zu haben.

