Künstliche Intelligenz hat in den vergangenen Jahren Prozesse in wichtigen Branchen beschleunigt – nun will ein Startup die Technologie in die Verlagswelt bringen. Das Verlags-Startup Spines hat kürzlich 22,5 Millionen US-Dollar an Finanzierung eingesammelt, um die Buchproduktion mithilfe von KI zu beschleunigen, und verspricht, allein 2025 8.000 Titel zu veröffentlichen. Das 2021 gegründete Unternehmen hat in diesem Jahr gerade erst seinen ersten Titel veröffentlicht und gibt an, im September 273 Titel herausgebracht zu haben, darunter 33 Bücher an einem einzigen Tag.
„Wir wollen im nächsten Jahr bis zu 8.000 Bücher veröffentlichen“, sagte der CEO und Mitgründer von Spines, Yehuda Niv gegenüber The Bookseller. Das ehrgeizige Ziel soll erreicht werden, indem der traditionelle Veröffentlichungszeitraum von bis zu 18 Monaten auf weniger als drei Wochen verkürzt wird – mithilfe von KI-gestützten Diensten wie Korrektorat, Metadatenoptimierung und Covergestaltung.
So funktioniert Spines
Bei dieser Form des Selfpublishings würden Autoren zwischen 1.200 und 5.000 US-Dollar pro Buch zahlen und sämtliche Tantiemen und Rechte behalten. Die Rentabilität dieses Modells könnte sich potenziell auf Autoren auswirken, deren wichtigste Einnahmequelle das Selfpublishing ist. Laut einer 2023 von der Alliance of Independent Authors (ALLi) in Auftrag gegebenen Studie lag das mittlere Einkommen von Autoren, die den Großteil ihrer Zeit mit dem Schreiben und Veröffentlichen verbrachten, bei 12.749 US-Dollar.
Einige der größten traditionellen Verlage, darunter HarperCollins, Sage, Taylor & Francis, Wiley und Simon & Schuster, zeigen sich offen gegenüber KI. Das könnte sich negativ auf Beschäftigte in Tätigkeiten wie Lektorat, Korrektorat und Covergestaltung auswirken.
„Wir sind nicht hier, um menschliche Kreativität zu ersetzen“, sagte Niv. „Unser Fokus liegt auf Büchern, die von Menschen geschrieben wurden, die nach der effizientesten und modernsten Möglichkeit suchen, ihr Manuskript zu veröffentlichen und weltweit zu vertreiben.“ Spines ist nicht das einzige Unternehmen, das die Branche mit KI aufmischt. Auch Microsoft stieg ins Verlagsgeschäft ein, als das Unternehmen sein Buch-Imprint 8080 Books ins Leben rief, um die Zeitspanne zwischen der Fertigstellung eines Manuskripts und seiner Veröffentlichung zu verkürzen.
Menschen auf beiden Seiten der Verlagswelt – Autoren und Beschäftigte in Verlagen – äußerten sich online skeptisch und bestürzt über die Ankündigung.
„Das sind keine Menschen, denen Bücher oder Lesen oder irgendetwas auch nur annähernd Verwandtes wichtig ist“, schrieb der Autor Suyi Davies Okungbowa in einem Beitrag auf der Social-Media-Plattform Bluesky. „Das sind Opportunisten und ausbeuterische Kapitalisten.“

