KI sollte die Arbeit übersichtlicher machen. Stattdessen sorgt sie für Chaos.
In US-amerikanischen Unternehmen ist ein neuer Begriff in den Unternehmenswortschatz eingegangen — „Workslop“. Damit ist von KI erzeugte Arbeit gemeint, die laut Forschern der Harvard Business Review (HBR) „sich als gute Arbeit tarnt, aber nicht substanziell genug ist, um eine bestimmte Aufgabe sinnvoll voranzubringen“.
Die Idee geht auf eine gemeinsame Studie des Social Media Lab der Stanford University und BetterUp Labs zurück. Sie ergab, dass in den vergangenen 30 Tagen fast 40 % der Vollzeitbeschäftigten in den USA von der KI erzeugten Workslop erhalten hatten. Die Studie warnt, dass diese unausgereiften Berichte, Präsentationen und E-Mails Produktivität und Vertrauen am Arbeitsplatz unbemerkt untergraben.
Die versteckten Kosten von „Workslop“
Laut HBR-Forschung wenden Beschäftigte jedes Mal, wenn sie mit Workslop konfrontiert werden, durchschnittlich eine Stunde und 56 Minuten dafür auf, ihn zu verstehen oder komplett neu zu erstellen. Diese Zeit summiert sich. Für ein Unternehmen mit 10.000 Beschäftigten könnte sich der Produktivitätsverlust auf mehr als 9 Millionen US-Dollar pro Jahr belaufen.
Neben dem Zeitverlust stellten die Forscher fest, dass Beschäftigte, die Workslop erhalten, sich häufig:
- Genervt fühlen (53 %).
- Verwirrt fühlen (38 %).
- Beleidigt fühlen (22 %).
Diese emotionalen Reaktionen beginnen, sich auf die Beziehungen am Arbeitsplatz auszuwirken. Rund 42 % der Befragten gaben an, Kolleginnen und Kollegen, die Workslop verschicken, inzwischen für weniger vertrauenswürdig zu halten, während 32 % sagten, dass sie künftig seltener mit diesen Kolleginnen und Kollegen zusammenarbeiten würden.
Ein Fallbeispiel für fehlgeleiteten KI-Einsatz
In Australien sorgten die Folgen des Missbrauchs von KI kürzlich für Schlagzeilen.
Bloomberg berichtete , dass der Beratungsgigant Deloitte Australia nach der Einreichung eines Regierungsberichts voller „offensichtlicher von KI erzeugter Fehler“ in die Kritik geraten war. Das mit 289.000 US-Dollar aus Steuermitteln finanzierte Dokument soll einen Richter falsch zitiert und nicht existente Quellen enthalten haben.
Die australische Senatorin Barbara Pocock bezeichnete die Fehler als „Dinge, für die ein Universitätsstudent im ersten Jahr ernsthafte Schwierigkeiten bekommen würde“.
Deloitte erklärte später gegenüber Medien, „die Angelegenheit wurde direkt mit dem Kunden geklärt“, doch der Vorfall entfachte die weltweite Debatte über die Grenzen von KI und die Verantwortlichkeit am Arbeitsplatz neu.
Wenn KI mehr Arbeit statt weniger schafft
Die Ironie besteht laut den Forschern darin, dass die Beschäftigten Anweisungen befolgen.
Viele Unternehmen haben ihre Belegschaft dazu ermutigt, KI in die täglichen Arbeitsabläufe zu integrieren. Eine Studie von McKinsey zeigt jedoch, dass bis zu 80 % der Unternehmen, die generative KI einsetzen, „keine nennenswerten Auswirkungen auf das Geschäftsergebnis“ festgestellt haben. In einigen Fällen haben sogar 42 % KI-Projekte vollständig aufgegeben.
Warum? Wie das Harvard-Team anmerkt, nutzen manche Beschäftigte KI-Tools nicht, um ihre Arbeit zu verbessern, sondern um sie zu vermeiden. Dabei produzieren sie schnell Inhalte, die beeindruckend aussehen, inhaltlich aber hohl sind.
Wer ist wirklich schuld?
Der für The Guardian schreibende Kolumnist Gene Marks argumentiert, dass zwar KI-Unternehmen einer kritischen Prüfung unterzogen werden sollten, die eigentliche Verantwortung jedoch bei den Unternehmensführungen liege.
„Am Arbeitsplatz trägt letztlich immer der Chef die Verantwortung“, schrieb er und betonte, dass viele Arbeitgeber KI ohne angemessene Schulungen oder Richtlinien einsetzen.
Marks fügte hinzu: „In den meisten Fällen ist die Software nicht das Problem. Es ist der Mangel an Investitionen in die Menschen, die sie nutzen.“
Viele Unternehmen führen KI-Tools ein, ohne ausreichende Schulungen, klare Regeln für ihre Nutzung oder Hinweise dazu bereitzustellen, wann der Einsatz von KI sinnvoll ist und wann nicht. Dadurch müssen Beschäftigte selbst herausfinden, wie sie damit umgehen sollen. Das führt zu einem „Freifahrtschein“, bei dem der einfachste Weg — das Kopieren und Einfügen von KI-Ergebnissen — zum Standard wird.
Die Lösung besteht laut den Forschern nicht darin, KI aufzugeben, sondern sie durchdachter einzusetzen. Dazu gehört, die Belegschaft im Umgang mit den Tools und deren Grenzen zu schulen, klare Richtlinien festzulegen und allen in Erinnerung zu rufen, dass KI ein Werkzeug ist, das menschliche Arbeit ergänzt, nicht das menschliche Urteilsvermögen ersetzt.
Denn ein ausgefeilter Bericht ist nur dann wertvoll, wenn die darin enthaltenen Informationen solide sind.
Weitere ähnliche Nachrichten von eWeek: Ein Ende vergangenen Jahres veröffentlichter Bericht ergab, dass fast 7 von 10 Jobsuchenden sagen, dass Unternehmens-KI die Leistung am Arbeitsplatz nicht steigert.

