Das Volk hat gesprochen! Nun gut … einige Menschen haben über KI gesprochen.
Die Ergebnisse der dritten jährlichen CIO-Umfrage von Andreessen Horowitz (a16z) legen nahe, dass sich der Markt statt einer Fragmentierung um eine kleine Gruppe dominanter Modellanbieter konsolidiert, während etablierte Anbieter auf der Anwendungsebene weiterhin überproportionalen Einfluss ausüben.
Die Umfrage, die unter 100 Unternehmen aus dem Global-2000-Ranking durchgeführt wurde, zeigt, dass OpenAI derzeit noch die Unternehmenslandschaft anführt, während Anthropic und Google schnell aufholen.
Sie zeichnet außerdem das Bild steigender Ausgaben, sich verschiebender Marktanteile und einer wachsenden Kluft zwischen technischem Fortschritt und tatsächlich erzieltem geschäftlichem Nutzen. Zwar kann noch kein einzelner Anbieter eine dauerhafte Führungsposition für sich beanspruchen, doch die Daten zeigen klare Gewinner, schnelle Verfolger und mehrere Trends, die gängige Narrative in der Online-Debatte über KI infrage stellen.
Ein Markt, der sich nicht fragmentieren lässt
Branchenbeobachter haben lange vorhergesagt, dass Open-Source-Alternativen und nachlassende Verbesserungen bei Modellen für ausgeglichenere Wettbewerbsbedingungen sorgen würden. Stattdessen scheint das Gegenteil einzutreten. Der Markt für Unternehmens-KI wird zunehmend von einer kleinen Gruppe führender KI-Labore dominiert, deren Größe, Innovationstempo und Vertrauen seitens der Unternehmen ihren Vorsprung weiter verstärken.
Laut der Umfrage ist OpenAI weiterhin der am weitesten verbreitete Modellanbieter in Großunternehmen. 78 Prozent der CIOs gaben an, OpenAI-Modelle in der Produktion einzusetzen – entweder direkt oder über Cloud-Dienstleister. Dieser Vorteil als etablierter Anbieter beginnt jedoch zu schwinden, da Wettbewerber die Lücke schließen.
Anthropic und Google konnten im vergangenen Jahr beide deutliche Zuwächse verzeichnen, wobei der Aufstieg von Anthropic besonders hervorsticht. Seit Mai 2025 hat Anthropic seine Präsenz in Unternehmen um 25 Prozentpunkte gesteigert und erreicht nun 44 Prozent bei Produktiveinsätzen beziehungsweise mehr als 63 Prozent, wenn Testumgebungen einbezogen werden. Die Daten zum Ausgabenanteil spiegeln diesen Trend wider: OpenAI hält mit rund 56 Prozent zwar weiterhin die Mehrheit, verliert aber stetig an Boden gegenüber Anthropic und Googles Gemini-Modellen.
Daten Dritter von Yipit, die rund 1.000 mittelständische und große Unternehmen erfassen, zeigen weitgehend übereinstimmende Nutzungsmuster und stützen damit die Einschätzung, dass es sich bei diesen Verschiebungen um strukturelle Veränderungen und nicht um Einzelfälle handelt.
Führung hängt vom Arbeitsaufkommen ab
Eine der deutlichsten Erkenntnisse lautet, dass Unternehmens-KI keinen einheitlichen Markt darstellt. Die Führungsposition variiert je nach Anwendungsfall erheblich, und die meisten Großunternehmen reagieren darauf, indem sie ihr Modellportfolio diversifizieren.
OpenAI dominiert weiterhin frühe horizontale Anwendungsfälle wie allgemeine Chat-Anwendungen, Wissensmanagement in Unternehmen und Kundensupport. Diese gehörten zu den ersten Arbeitslasten, die Unternehmen einführten, und die Wechselkosten sind im Laufe der Zeit gestiegen.
Anthropic hingegen hat sich bei der Softwareentwicklung und Datenanalyse als führend etabliert. CIOs verwiesen übereinstimmend auf schnelle Fähigkeitszuwächse seit der zweiten Hälfte des Jahres 2024 als wichtigen Akzeptanztreiber. Googles Gemini-Modelle zeigten bei einer breiten Palette von Aufgaben starke Leistungen, ihre Verbreitung in Unternehmen bei Programmieraufgaben blieb jedoch hinter der Konkurrenz zurück.
Daher werden Strategien mit mehreren Modellen zur Norm. 81 Prozent der Unternehmen nutzen inzwischen drei oder mehr Modellfamilien in Tests oder im Produktivbetrieb – gegenüber 68 Prozent vor weniger als einem Jahr. Diese Verschiebung spiegelt sowohl Risikomanagement als auch die wachsende Erkenntnis wider, dass unterschiedliche Modelle bei unterschiedlichen Aufgaben besonders leistungsfähig sind.
Forschung und Entwicklung als Kundenakquise
Die Umfrage zeigt, wie die Veröffentlichung fortschrittlicher Modelle zunehmend als Instrument zur Kundenakquise dient. Das Wachstum von Anthropic wurde beispielsweise vor allem von den leistungsfähigsten Modellen des Unternehmens angetrieben. 75 Prozent der Anthropic-Kunden gaben an, Sonnet 4.5 oder Opus 4.5 im Produktivbetrieb einzusetzen, während die Nutzung älterer, günstigerer Modelle zurückblieb.
OpenAI verzeichnet unterdessen weiterhin eine erhebliche Nutzung früherer Modellgenerationen, die früh eingeführt wurden und für viele Arbeitslasten nach wie vor „gut genug funktionieren“. 46 Prozent der OpenAI-Kunden gaben an, GPT 5.2 oder 5.2 Pro im Produktivbetrieb einzusetzen – ein Beleg sowohl für die Vorteile als auch für die Trägheit früher Unternehmenseinführungen.
Reasoning-Modelle, die Anfang 2025 stark beworben wurden, scheinen einen greifbaren Mehrwert zu liefern. 54 Prozent der Befragten gaben an, dass diese Modelle die Einführung beschleunigt haben, indem sie Prompt Engineering reduzierten, die Genauigkeit verbesserten und komplexere agentische Workflows ermöglichten – einschließlich mehrstufiger Automatisierung und KI-gestütztem Site Reliability Engineering.
Microsofts stille Dominanz auf der Anwendungsebene
Die vielleicht auffälligste Abweichung von den Online-Narrativen ist die anhaltende Dominanz von Microsoft bei Unternehmensanwendungen für KI. Während hitzige Debatten über OpenAI im Vergleich zu Anthropic und über die Vorzüge konkurrierender Programmierassistenten geführt werden, läuft ein großer Teil der KI-Einführung in Global-2000-Unternehmen weiterhin über das Ökosystem von Microsoft.
Microsoft 365 Copilot führt bei Chat-Einsätzen in Unternehmen, obwohl ChatGPT den Abstand verkürzt hat. GitHub Copilot bleibt der führende Programmierassistent in Großunternehmen. 65 Prozent der Befragten gaben an, bei Verfügbarkeit etablierte Lösungen zu bevorzugen, und verwiesen dabei auf Vertrauen, die Integration in bestehende Systeme und eine unkomplizierte Beschaffung.
Fazit
Das Fazit der Umfrage ist eindeutig: Der Markt für Unternehmens-KI ist riesig, wächst weiterhin schneller als erwartet und ist noch lange nicht entschieden.
Zwar zeichnen sich erste Spitzenreiter ab, doch die endgültigen Gewinner werden wahrscheinlich nicht nur von der Qualität der Modelle bestimmt, sondern auch davon, wie effektiv Unternehmen ihre Mitarbeiter, Prozesse und Workflows an eine sich rasant entwickelnde Technologie anpassen.
Fast 90 % der Beschäftigten nutzen inzwischen KI-Tools bei der Arbeit, häufig ohne klare Vorgaben, Schulungen oder formelle Unterstützung durch ihre Arbeitgeber.

