OpenAI teilte mit, eine Finanzierungsrunde über 122 Milliarden US-Dollar abgeschlossen zu haben, die das Unternehmen mit 852 Milliarden US-Dollar bewertet und es zu einem der weltweit wertvollsten privaten Unternehmen macht.
Der Deal gehört zu den größten Finanztransaktionen aller Zeiten und übertrifft typische Finanzierungsrunden von Start-ups, Börsengänge und sogar einige große Übernahmen. Hinter der Runde steht eine mächtige Mischung aus Tech-Konzernen und institutionellen Investoren. Laut Bloomberg sagte Amazon 50 Milliarden US-Dollar zu, während Nvidia und SoftBank jeweils 30 Milliarden US-Dollar investierten.
SoftBank leitete die Runde gemeinsam mit Andreessen Horowitz, D.E. Shaw Ventures, MGX, TPG und T. Rowe Price. Beteiligt waren außerdem Microsoft, Amazon und Nvidia. Erstmals öffnete OpenAI die Runde auch für kleinere Investoren und nahm über Bankkanäle mehr als 3 Milliarden US-Dollar von Privatpersonen ein.
OpenAI legte zusammen mit der Nachricht über die Finanzierung beeindruckende Wachstumszahlen vor. Das Unternehmen gibt an, inzwischen monatlich 2 Milliarden US-Dollar Umsatz zu erzielen. ChatGPT erreicht demnach mehr als 900 Millionen wöchentliche Nutzer und über 50 Millionen Abonnenten.
Auch das Geschäft mit Unternehmen wächst schnell und macht rund 40 % des Umsatzes aus. In den kommenden Jahren soll es voraussichtlich mit dem Umsatz im Privatkundengeschäft gleichziehen. Unterdessen hat die Werbe-Pilotphase innerhalb weniger Wochen bereits einen auf das Jahr hochgerechneten Umsatz von mehr als 100 Millionen US-Dollar erzielt und damit einen neuen Weg zur Monetarisierung signalisiert.
Dennoch ist das Unternehmen nicht profitabel und gibt weiterhin viel Geld aus.
Eine Super-App ist in Arbeit
OpenAI nutzte die Ankündigung außerdem, um einen grundlegenden Wandel bei seinen Produkten anzukündigen: Das Unternehmen will zur zentralen Anlaufstelle werden.
Das Unternehmen teilte mit, an einer „einheitlichen KI-Super-App“ zu arbeiten, die ChatGPT, sein Programmiertool Codex, Web-Browsing und seine umfassenderen agentischen Fähigkeiten in einer einzigen Nutzererfahrung zusammenführen soll.
In einem Blogbeitrag zur Ankündigung der Finanzierung erklärte OpenAI die Logik hinter dem Kurswechsel: „Nutzer wollen keine voneinander getrennten Tools. Sie wollen ein einziges System, das Absichten verstehen, Aktionen ausführen und anwendungs-, daten- und workflowübergreifend arbeiten kann.“
Diese Zusammenlegung der Produkte ist bereits im Gange. In der vergangenen Woche kündigte das Unternehmen an, Sora einzustellen, seinen KI-Videogenerator für Kurzvideos, den Altman einst als bedeutenden Vorstoß in die Unterhaltungsbranche präsentiert hatte. Vor Kurzem beendete OpenAI außerdem eine fünfmonatige Testphase von Instant Checkout, einem Shopping-Tool, mit dem ChatGPT-Nutzer Artikel bei Händlern wie Walmart kaufen konnten.
Wie es weitergeht: Börsengang und Rechtsstreitigkeiten
Alles deutet darauf hin, dass OpenAI an die öffentlichen Märkte strebt. Mehreren Berichten zufolge soll das Unternehmen noch in diesem Jahr an die Börse gehen.
Sarah Friar, die Finanzchefin, sagte laut Bloomberg, OpenAI müsse „börsenfähig“ sein, und bezeichnete dies für ein Unternehmen als „gute Hygiene“. Sie sagte außerdem, ein Börsengang könne für ein Unternehmen als „Moment des Vertrauensaufbaus“ dienen.
Ein Börsengang käme für das Unternehmen jedoch zu einem komplizierten Zeitpunkt. OpenAI steht im April vor einem viel beachteten Prozess gegen seinen Mitgründer Elon Musk. Der CEO von Tesla und SpaceX verklagt OpenAI, weil das Unternehmen durch den Wechsel zu einem gewinnorientierten Modell gegen eine Gründungsvereinbarung verstoßen habe. OpenAI argumentiert, Musk, der inzwischen sein eigenes konkurrierendes KI-Unternehmen gegründet hat, sei verbittert, nachdem er das Unternehmen verlassen und dessen Erfolg ohne ihn beobachtet habe, so The Guardian.
Das Unternehmen sieht sich außerdem wachsendem Wettbewerb ausgesetzt. Altman rief im Dezember bei OpenAI eine „Code Red“-Warnstufe aus, um sich nach Fortschritten bei Googles KI-Produkt Gemini wieder auf die Verbesserung von ChatGPT zu konzentrieren. Unterdessen hat der Konkurrent Anthropic mit seinem Produkt Claude Code erhebliche Fortschritte gemacht.
Trotz der Herausforderungen ist die Finanzierungsrunde von OpenAI ein außergewöhnlicher Vertrauensbeweis einiger der größten Investoren der Welt.
Während OpenAI seinen Fokus schärft, nimmt das Unternehmen bereits harte Einschnitte vor – hier ist der Grund, warum es Sora nur wenige Monate nach dem Start abrupt eingestellt hat.
Weiterführende Lektüre: OpenAIs Kurswechsel ist bereits im Gange. Das Unternehmen stellt Sora ein und richtet seinen Fokus auf eine einheitlichere KI-Plattform.

