AC/DC sang einst, dass „Rock and Roll Ain’t Noise Pollution“ sei, aber für Spotify ist KI-generierter Spam definitiv Umweltverschmutzung. Spotify hat in den vergangenen zwölf Monaten 75 Millionen „Spam“-Tracks entfernt – eine Zahl, bei der sich der Kopf so dreht wie eine Vinylplatte.
In der Ankündigung von Spotify vom 25. September gab das Unternehmen eine Reihe von KI-Richtlinien bekannt, die sich gegen nicht autorisierte KI-Stimmklone, Spam und die mangelnde Transparenz rund um KI-generierte Musik richten.
„Im besten Fall eröffnet KI Künstlern unglaubliche neue Möglichkeiten, Musik zu schaffen, und Hörern, sie zu entdecken. Im schlimmsten Fall kann KI von böswilligen Akteuren und Content-Farmen eingesetzt werden, um Hörer zu verwirren oder zu täuschen, ‚Slop‘ in das Ökosystem zu drücken und echte Künstler bei ihrem Karriereaufbau zu behindern. Solche schädlichen KI-Inhalte beeinträchtigen das Nutzererlebnis für Hörer und versuchen oft, Tantiemen an böswillige Akteure umzuleiten“, erklärte Spotify.
Das ist keine kleine Anpassung der Richtlinien, sondern Spotify geht endlich eine Krise an, die sich seit Monaten aufgebaut hat. Und angesichts der Konkurrenzplattform Deezer, die täglich von mehr als 30.000 vollständig KI-generierten Tracks berichtet, kommt dieser Schritt genau zur richtigen Zeit – im Einklang mit dem öffentlichen Bedürfnis nach echter Musik.
Drei Tracks in Spotifys Plan
„Eins ist die einsamste Zahl, die du je erleben wirst. Zwei kann genauso schlimm sein wie eins. Es ist die einsamste Zahl seit der Zahl eins.“
Diese Zeilen von Harry Nilsson zeugen von Weisheit, und auch Spotifys neuer Rahmen beweist gutes Urteilsvermögen – und geht über eins oder zwei hinaus. Spotify geht mit drei Maßnahmen gegen den KI-Missbrauch vor, die sofort in Kraft treten.
Erstens führt Spotify einen neuen Musik-Spamfilter ein, der Massen-Uploader, Duplikate und SEO-Manipulation erkennt. Böswillige Akteure werden markiert, und ihre minderwertige Musik wird Hörern nicht mehr empfohlen.
Zweitens verschärft Spotify seine Richtlinie gegen Identitätsvortäuschung und verbietet ausdrücklich nicht autorisierte KI-Stimmklone, Deepfakes und stimmliche Imitationen. Das Unternehmen stellte klar, dass eine stimmliche Imitation nur erlaubt ist, wenn der imitierte Künstler sie autorisiert hat. Damit erhalten Künstler einen besseren Schutz und eine klare Möglichkeit, dagegen vorzugehen.
Die dritte Säule ist Transparenz durch eine standardisierte Kennzeichnung. Spotify arbeitet mit DDEX an einem neuen Metadatenstandard zur Offenlegung des KI-Einsatzes bei der Musikproduktion. Mehr als 15 Labels und Vertriebe sind bereits dabei.
Die Invasion der KI-Musik
Das Ausmaß ist wild – oder wir könnten es „Walk on the Wild Side“ nennen, wenn Lou Reed diesen Nachrichtenbericht schreiben würde. Neben den 75 Millionen von Spotify entfernten Tracks zeigen die Daten von Deezer, dass bis zu 70 % der Wiedergaben vollständig KI-generierter Tracks als betrügerisch erkannt wurden. Gefälschte Künstler, gefälschte Streams, echtes Geld.
Sam Duboff, Spotifys globaler Leiter für Marketing und Richtlinien, erklärte, dass Tracks, die offenbar vollständig durch generative KI erstellt wurden, derzeit nur ein „minimales“ Engagement erzielen.
„Es handelt sich wirklich nur um einen kleinen Prozentsatz der Streams. Im Allgemeinen gilt: Wenn die Musik nicht viel Aufwand in der Erstellung erfordert, ist sie tendenziell von geringer Qualität und findet kein Publikum“, sagte Duboff.
Das Betrugspotenzial ist jedoch enorm. Und da Spotifys gesamte Musikzahlungen von 1 Milliarde US-Dollar im Jahr 2014 auf 10 Milliarden US-Dollar im Jahr 2024 gestiegen sind, liegt der Anreiz, Plattformen mit minderwertigen Inhalten zu überfluten, auf der Hand.
Der neue DDEX-Standard ermöglicht detaillierte Angaben zum KI-Einsatz, darunter Informationen über KI-generierten Gesang, KI-Instrumentierung und KI-gestützte Nachproduktion. Diese können in den Credits auf Spotify und jedem anderen Dienst erscheinen, der den Standard nutzt.
Was das für Künstler und die Musikbranche bedeutet
Universal Music Group begrüßte Spotifys Ankündigung und bezeichnete die Maßnahmen als wichtige Schritte, zu denen Inhaltsfilter, Prüfungen auf Rechtsverletzungen und Strafen für Zuwiderhandelnde gehören.
Für Künstler, die nach bestem Wissen und Gewissen arbeiten (oder „True Faith“, wenn du Fan von New Order bist), betonte Spotify bereits in früheren Stellungnahmen, dass es nicht darum gehe, den authentischen und verantwortungsvollen Einsatz von KI zu bestrafen. Ziel sei es, Künstlern mehr kreative Möglichkeiten zu geben und gleichzeitig das schlimmste Verhalten zu unterbinden.
Die unmittelbaren Auswirkungen sind bereits sichtbar. Spotify investiert mehr Ressourcen in seinen Prozess zur Behebung von Inhaltsabweichungen, verkürzt die Wartezeiten bei Prüfungen und ermöglicht es Künstlern, Abweichungen bereits vor der Veröffentlichung zu melden. Das ist wichtig, wenn böswillige Akteure versuchen, Musik plattformübergreifend in das Profil einer anderen Person einzuschleusen.
In den kommenden Monaten soll der neue Spamfilter ausgerollt werden, wobei neue Signale ergänzt werden, sobald neue Maschen auftauchen. Ziel ist es, das Musikökosystem zu schützen, die Tantiementöpfe vor unbemerktem Abschöpfen zu bewahren und die Aufmerksamkeit auf Künstler zu lenken, die sich an die Regeln halten.
Wenn das alles funktioniert, kannst du gern „Good Times“ von Chic in Dauerschleife abspielen.

