China blockiert ausländische KI-Chips in staatlichen Rechenzentren

China flag

Image: Envato

Written By
eWEEK Staff
eWEEK Staff
Nov 6, 2025
3 minute read
eWeek content and product recommendations are editorially independent. We may make money when you click on links to our partners. Learn More

Die chinesische Regierung hat angeordnet, dass alle neuen Rechenzentrumsprojekte, die staatliche Fördermittel in beliebiger Höhe erhalten, ausschließlich im Inland produzierte Chips für künstliche Intelligenz (KI) verwenden dürfen.

Nach Angaben zweier mit der Richtlinie vertrauter Quellen, die Reuters exklusiv Auskunft gaben, markiert die Entscheidung einen der bislang kühnsten Versuche Pekings, ausländische Technologie aus seiner kritischen digitalen Infrastruktur zu entfernen und den Weg der Nation zur KI-Eigenständigkeit zu beschleunigen.

Ausländische Technologie im Visier

Im Reuters-Bericht heißt es, dass die Aufsichtsbehörden Rechenzentren, deren Bau zu weniger als 30 % abgeschlossen ist, angewiesen haben, alle ausländischen KI-Chips zu entfernen oder deren geplanten Kauf zu stornieren. Projekte, die bereits kurz vor der Fertigstellung stehen, werden den Quellen zufolge von Fall zu Fall geprüft.

Die neue, nicht öffentlich bekannt gegebene Richtlinie dürfte große US-Halbleiterunternehmen wie Nvidia, AMD und Intel betreffen. US-Präsident Donald Trump sagte in einem am Sonntag ausgestrahlten Interview nach Gesprächen mit dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping, Washington werde sie mit Nvidia Geschäfte machen lassen, allerdings nicht bei den fortschrittlichsten Chips.

Der Schritt könnte Nvidias Hoffnungen auf eine Rückgewinnung von Marktanteilen in China zunichtemachen und zugleich lokalen Konkurrenten wie Huawei Technologies eine stärkere Position im schnell wachsenden Markt für KI-Infrastruktur verschaffen.

Wachsende Kluft

Die Anordnung erfolgt, während die Handelsbeziehungen zwischen den beiden Supermächten trotz vorübergehender Feuerpausen angespannt bleiben. Washington beschränkt den Export fortschrittlicher KI-Chips nach China bereits seit Langem, da die Sorge besteht, dass diese Technologie die Rechenkapazitäten des chinesischen Militärs stärken könnte.

Als Reaktion darauf hat Peking seine Bemühungen beschleunigt, heimische Halbleiter-Champions aufzubauen. Die neuen Beschränkungen für Rechenzentren folgen auf frühere Maßnahmen, darunter das Verbot von Produkten von Micron Technology für kritische Infrastrukturen im Jahr 2023, das den Weg für den Rückzug des US-Speicherriesen aus dem chinesischen Markt für Serverchips ebnete.

Advertisement

Chinas Bestreben, ausländische Komponenten in seinen strategisch wichtigsten Sektoren – Energie, Telekommunikation und nun auch KI – zu ersetzen, spiegelt seine Entschlossenheit wider, angesichts wachsender geopolitischer Unsicherheit die Abhängigkeit von westlicher Technologie zu verringern.

Massive staatliche Investitionen

KI-Rechenzentrumsprojekte in China haben seit 2021 staatliche Fördermittel von mehr als 100 Milliarden US-Dollar angezogen, wie eine Reuters-Analyse staatlicher Ausschreibungen ergab. Die meisten großen Rechenzentren in China haben zumindest eine gewisse staatliche Finanzierung erhalten. Damit könnte die neue Regel für die überwältigende Mehrheit der laufenden Projekte gelten.

Einige Projekte wurden bereits gestoppt. Eine Anlage in einer nordwestlichen Provinz, die Nvidia-Chips verwenden sollte, wurde laut einer Quelle noch vor Baubeginn ausgesetzt.

Zu den vermutlich beteiligten Aufsichtsbehörden zählen die Cyberspace Administration of China und die National Development and Reform Commission, doch keine der beiden Institutionen reagierte auf die Kommentaranfragen von Reuters. Nvidia und AMD antworteten nicht, während Intel keinen Kommentar abgeben wollte.

Auswirkungen auf Nvidia und US-Unternehmen

Die Richtlinie umfasst Berichten zufolge Nvidias H20-Chips, die fortschrittlichsten KI-Prozessoren, die das Unternehmen in China verkaufen darf, sowie die leistungsstärkeren Modelle B200 und H200. Diese unterliegen bereits den US-Exportkontrollen, sind aber häufig über Graumarktkanäle erhältlich.

Nvidias Marktanteil im chinesischen KI-Chip-Segment ist Unternehmensangaben zufolge von 95 % im Jahr 2022 auf heute null eingebrochen. CEO Jensen Huang hat sich in Washington für eine Lockerung der Exportregeln eingesetzt und argumentiert, dass die Aufrechterhaltung der chinesischen Abhängigkeit von US-Chips im strategischen Interesse der USA liege.

Der jüngste Schritt Pekings könnte jedoch den letzten verbliebenen Fuß in der Tür für US-Chiphersteller bei staatlich unterstützten Projekten beseitigen und die Einnahmen aus einem der weltweit größten KI-Märkte weiter verringern.

Advertisement

Chance und Risiko für chinesische Chiphersteller

Für heimische Unternehmen stellt die Richtlinie sowohl eine Chance als auch eine Herausforderung dar. Unternehmen wie Huawei und Cambricon Technologies sowie Start-ups wie MetaX, Moore Threads und Enflame sind nun in der Lage, die Versorgungslücke zu schließen.

Obwohl ihre Produkte zunehmend mit einigen Angeboten von Nvidia im mittleren Leistungssegment konkurrieren, hatten sie aufgrund eingeschränkter Softwarekompatibilität und des mangelnden Vertrauens von Entwicklern Schwierigkeiten, eine breite Akzeptanz zu erreichen. Die neue Anordnung könnte einen Wandel erzwingen, indem staatliche Projekte zur Nutzung dieser lokalen Alternativen verpflichtet werden.

Analysten warnen jedoch, dass China kurzfristig Gefahr läuft, seinen technologischen Rückstand gegenüber den USA zu vergrößern. US-Giganten wie Microsoft, Meta und OpenAI investieren Hunderte Milliarden in KI-Rechenzentren, die mit Nvidias fortschrittlichsten Chips betrieben werden – Hardware, mit der chinesische Unternehmen in puncto Leistung oder Verfügbarkeit noch nicht mithalten können.

In Deutschland bauen die Tech-Giganten Nvidia und Deutsche Telekom eine KI-Anlage im Wert von 1 Milliarde Euro (1,14 Milliarden US-Dollar), die darauf abzielt, die Nutzung von KI durch europäische Unternehmen zu verändern.

eWeek Logo

eWeek has the latest technology news and analysis, buying guides, and product reviews for IT professionals and technology buyers. The site's focus is on innovative solutions and covering in-depth technical content. eWeek stays on the cutting edge of technology news and IT trends through interviews and expert analysis. Gain insight from top innovators and thought leaders in the fields of IT, business, enterprise software, startups, and more.

Property of TechnologyAdvice. © 2026 TechnologyAdvice. All Rights Reserved

Advertiser Disclosure: Some of the products that appear on this site are from companies from which TechnologyAdvice receives compensation. This compensation may impact how and where products appear on this site including, for example, the order in which they appear. TechnologyAdvice does not include all companies or all types of products available in the marketplace.