Chinesische Wissenschaftler haben gezeigt, dass Menschen mit schwerer Lähmung inzwischen allein mit ihren Gedanken Maschinen steuern können.
Der Durchbruch wurde diese Woche vom Center for Excellence in Brain Science and Intelligence Technology der Chinese Academy of Sciences (CAS) bei einem Medienbriefing in Shanghai bekannt gegeben. Bei jüngsten Versuchen erhielten zwei Patienten in ihren 30ern im Juni beziehungsweise Oktober winzige implantierte Gehirn-Maschine-Schnittstellen (BMI).
Nach kurzen Trainingsphasen konnten sie auf eine bislang unmögliche Weise mit der physischen Welt interagieren.
Sie nutzten implantierte BMI-Systeme, um elektrische Rollstühle zu lenken, Roboterhunde zum Abholen von Lieferungen zu kommandieren und einen Roboterarm zu bedienen, der eine Tasse aufhob und Wasser zum Trinken brachte. Forschende sagen, dies sei weltweit das erste Mal, dass sowohl ein Rollstuhl als auch ein Roboterhund ausschließlich durch Gedanken gesteuert wurden.
So funktioniert die Technologie
Das System setzt auf invasive BCI-Technologie, bei der ultradünne Elektroden durch eine nur etwa 5 Millimeter große Öffnung ins Gehirn implantiert werden. Das verwendete Implantat soll laut China Daily.
eines der kleinsten der Welt sein und etwa halb so groß wie das Gerät von Neuralink. Um die Gedankenkontrolle natürlich wirken zu lassen, konzentrierten sich die Forschenden stark auf Geschwindigkeit und Stabilität. Sie verkürzten die Verzögerung zwischen einem Gedanken und der Reaktion einer Maschine auf weniger als 100 Millisekunden – schneller als die körpereigenen Nervensignale. China Daily berichtet, dass ein Patient bereits wieder arbeitet. Er ist nun als Praktikant in der Produktsortierung beschäftigt und nutzt einen hirngesteuerten Cursor, um die in Verkaufsautomaten eingesetzten KI-Systeme zu überprüfen.
„Unsere Forschung treibt die BMI-Technologie in Richtung praktischer klinischer Anwendungen voran“, sagte Zhao Zhengtuo, ein führender Wissenschaftler des Projekts, bei dem von China Daily berichteten Medienbriefing in Shanghai. „Mit einer offenen Denkweise arbeiten wir mit verschiedenen intelligenten Geräten und Anwendungsplattformen zusammen, um gemeinsam die hochmoderne BMI-Innovation in unserem Land voranzutreiben.“
China Daily merkt an, dass ein Patient, der einen Rollstuhl steuerte, die Erfahrung als natürlich beschrieb und sie damit verglich, eine Figur in einem Videospiel zu lenken, ohne über einen Joystick nachzudenken.
Der globale Vergleich
Der Durchbruch hat Vergleiche mit Elon Musks Neuralinkhervorgerufen, das Nutzern unter einem von Musk als „Telepathy“ bezeichneten Konzept ermöglichen will, Geräte mit ihren Gedanken zu steuern. Neuralink hat zwar gezeigt, wie Patienten Videospiele spielen oder Roboterarme benutzen, doch chinesische Forschende sagen, sie seien bereits zu einem stabilen Einsatz in der realen Welt übergegangen.
Laut SCMPliegt Chinas Vorteil in seinem eng integrierten Ökosystem, das Neurotechnologie, drahtlose Kommunikation, künstliche Intelligenz und Robotik verbindet. Diese Integration ermöglicht es, Gehirnsignale mit minimaler Verzögerung in physische Handlungen zu übersetzen.
Pu Muming, Mitglied der Chinese Academy of Sciences, sagte dem chinesischen Staatsfernsehen, die Versuche hätten „die Sicherheit der Elektroden im Gehirn, ihre langfristige Stabilität sowie die Stabilität der Signalaufzeichnung und -dekodierung“ bestätigt. Dies seien laut SCMP wesentliche Schritte hin zu einer echten medizinischen Nutzung.
Mit Blick auf die Zukunft verfolgt das Team ehrgeizige Zeitpläne. Es erwartet innerhalb von drei Jahren Anwendungen zur Wiederherstellung von Bewegung und Sprache, innerhalb von fünf Jahren Behandlungsmöglichkeiten für Erkrankungen wie Parkinson und innerhalb eines Jahrzehnts minimalinvasive Systeme sowohl für die medizinische als auch für die private Nutzung.
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