Die Beschaffung von Kapital zur Verwirklichung von KI-Ambitionen geht in gewohnt unerbittlichem Tempo weiter.
Der chinesische KI-Chiphersteller Axera Semiconductor will einem Zulassungsantrag zufolge durch einen Börsengang in Hongkong 2,96 Milliarden Hongkong-Dollar (379,2 Millionen US-Dollar) einnehmen. Der Plan sieht vor, die Technologieentwicklung hochzufahren und den Vertrieb in einem kapitalintensiven und stark umkämpften Sektor auszubauen.
Sollte sie abgeschlossen werden, die Notierung würde eine wachsende Reihe chinesischer Halbleiter- und KI-Unternehmen ergänzen, die sich angesichts zunehmender geopolitischer Einschränkungen und einer steigenden Nachfrage nach Chips, die KI-Anwendungen näher am Ort der Datenerzeugung ausführen können, zur Finanzierung an die Hongkonger Aktienmärkte wenden. Zu den jüngsten Beispielen für Börsengänge gehören MiniMax, Z.ai (ehemals Zhipu) und Biren.
Struktur des Börsengangs und Verwendung der Erlöse
Die Erlöse sind für die Modernisierung der Technologieplattform und die Entwicklung neuer Produkte sowie für den Ausbau des Vertriebs, potenzielle Beteiligungen oder Übernahmen, das Betriebskapital und allgemeine Unternehmenszwecke vorgesehen.
Das Unternehmen erklärte, es wolle umfangreich in Forschung und Entwicklung investieren, um seine zentrale Chiparchitektur zu stärken und Leistung und Effizienz für KI-Workloads der nächsten Generation zu verbessern. Die Mittel sollen außerdem dazu verwendet werden, die kommerzielle Präsenz auszubauen, insbesondere in Anwendungen wie intelligenten Kameras, Industrieanlagen und Fahrzeugen, bei denen die Verarbeitung auf dem Gerät zunehmend gegenüber cloudbasierter Datenverarbeitung bevorzugt wird.
Zu den Ankerinvestoren des Angebots gehören die WILL-Semiconductor-Einheit von OmniVision Integrated Circuits und JSC International Investment Fund SPC, was eine frühe Bestätigung für den Deal darstellt. Axera wird unter anderem von Qiming Venture Partners und Tencent unterstützt, die das Unternehmen durch mehrere Finanzierungsrunden begleitet haben.
Steigende Nachfrage nach KI-Inferenz auf dem Gerät
Der Börsengang von Axera erfolgt vor dem Hintergrund einer wachsenden Nachfrage nach KI-Inferenz. Damit ist die Ausführung von Modellen gemeint, die darauf trainiert wurden, Muster zu erkennen und Entscheidungen zu treffen – die Verarbeitung verlagert sich dadurch von Cloud-Servern auf Geräte wie Kameras, Industrieanlagen und Fahrzeuge. Dieser Wandel wird durch den Bedarf an geringerer Latenz, besserem Datenschutz und niedrigeren Bandbreitenkosten vorangetrieben, insbesondere bei der visuellen Verarbeitung in Echtzeit.
In China hat dieser Trend Chancen für einheimische Chipentwickler geschaffen, die sich auf Edge Computing und KI auf dem Gerät konzentrieren – Bereiche, die weniger stark von US-Technologiekonzernen dominiert werden als GPUs für Rechenzentren. Gleichzeitig hat er den Wettbewerb zwischen lokalen Anbietern verschärft, die darum wetteifern, eine höhere Leistung bei geringerem Energieverbrauch zu liefern.
Axera, 2019 gegründet und früher unter dem Namen Shanghai Zhiaixin Semiconductor Technology bekannt, ist ein fabless Chipentwickler. Seine Prozessoren sollen Kameras und Fahrzeugen dabei helfen, visuelle Daten in Echtzeit zu verarbeiten und so Funktionen wie Objekterkennung, Überwachung und Fahrerassistenz zu ermöglichen, ohne auf eine permanente Cloud-Verbindung angewiesen zu sein.
Das Unternehmen erklärte unter Berufung auf die Marktforschungsfirma China Insights Industry Consultancy in dem Zulassungsantrag, es sei gemessen an den Auslieferungen im Jahr 2024 weltweit der größte Anbieter von KI-Inferenzchips für die visuelle Verarbeitung auf Geräten im mittleren bis oberen Preissegment gewesen.
Finanzielle Entwicklung und Verluste
Trotz seiner Marktposition schreibt Axera weiterhin Verluste, was den hohen Investitionsbedarf bei der Entwicklung fortschrittlicher Halbleiter unterstreicht. In den ersten neun Monaten des Jahres 2025 stieg der Umsatz dem Zulassungsantrag zufolge gegenüber 254,2 Millionen Yuan im Vorjahr um 5,8 % auf 269,0 Millionen Yuan (38,7 Millionen US-Dollar).
Im gleichen Zeitraum weitete sich der Nettoverlust gegenüber 691,0 Millionen Yuan im Vorjahr auf 855,7 Millionen Yuan aus. Das Unternehmen führte die Verluste hauptsächlich auf hohe Forschungs- und Entwicklungskosten sowie auf Ausgaben im Zusammenhang mit dem Ausbau der Vertriebskanäle und der Unterstützung von Kunden bei der Einführung der Produkte zurück.
Investoren werden Axeras Weg zur Profitabilität voraussichtlich genau prüfen, insbesondere da der Preisdruck zunimmt und Kunden bei niedrigeren Kosten eine höhere Leistung verlangen. Dennoch haben viele Investoren bei Halbleiter-Börsengängen gezeigt, dass sie kurzfristige Verluste hinzunehmen bereit sind, wenn sie dafür an langfristigem Wachstum bei KI und intelligenten Geräten partizipieren können.
Hongkongs Rolle bei Chinas Vorstoß zur Chipfinanzierung
Der geplante Börsengang von Axera unterstreicht Hongkongs wachsende Rolle als Finanzierungszentrum für chinesische Technologieunternehmen, insbesondere in sensiblen Bereichen wie der Halbleiterbranche.
Da Börsennotierungen von A-Aktien auf dem chinesischen Festland häufig langen Genehmigungsverfahren unterliegen und die US-Kapitalmärkte weniger zugänglich sind, hat sich Hongkong zu einem bevorzugten Standort für Unternehmen entwickelt, die internationale Investoren und umfangreiche Kapitalaufnahmen anstreben.
Chinas KI-Wettlauf nimmt wieder an Fahrt auf.

