Das KI-Wachstum bringt die Klimaziele von Big Tech ins Wanken.
Der Wettlauf um den Aufbau einer Infrastruktur für künstliche Intelligenz erschwert es den größten Technologieunternehmen der Welt, ihre Klimazusagen einzuhalten. Neue Nachhaltigkeitsberichte zeigen, dass die Treibhausgasemissionen 2025 deutlich gestiegen sind, während der Ausbau von Rechenzentren an Fahrt gewann.
Amazon und Google meldeten beide im vergangenen Jahr höhere Emissionen, die größtenteils auf den raschen Aufbau von KI-Infrastruktur und den wachsenden Energiebedarf fortschrittlicher KI-Systeme zurückzuführen sind.
Amazon teilte mit, dass seine Treibhausgasemissionen im Jahresvergleich um 16 % auf rund 80,8 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente gestiegen seien. Nach Angaben des Unternehmens entfiel ein großer Teil des Anstiegs auf den Ausbau von Rechenzentren und Emissionen entlang der Lieferkette sowie auf den für Lieferungen verwendeten Kraftstoff.
Google meldete einen Anstieg der sogenannten „ambitionsbasierten“ Emissionen um 18 %, während die direkt mit dem Betrieb verbundenen Emissionen ohne eingekauften Strom um 20 % zunahmen. Das Unternehmen führte einen Teil des Anstiegs auf sein wachsendes Portfolio an KI-Rechenzentren.
KI erschwert das Erreichen der Klimaziele
Die Berichte verdeutlichen die wachsende Herausforderung, das explosive KI-Wachstum mit den langfristigen Zielen zur Reduzierung der CO₂-Emissionen in der gesamten Technologiebranche in Einklang zu bringen.
Amazon will bis 2040 Netto-Null-Emissionen erreichen, Google strebt dieses Ziel für 2030 an.
Googles Stromverbrauch stieg 2025 um 37 %, wobei das Unternehmen erklärte, der verstärkte Einsatz von sauberem Strom habe dazu beigetragen, die mit eingekauftem Strom verbundenen Emissionen leicht zu senken. Amazon meldete unterdessen einen Anstieg der Emissionen aus eingekauftem Strom um 34 %.
Google räumte ein, dass das Tempo der KI-Einführung neue Hindernisse schafft, und erklärte in seinem Nachhaltigkeitsbericht: „Derzeit wächst unser Ausbau der KI-Infrastruktur schneller, als das Stromnetz dekarbonisiert wird.“
Auch Amazon warnte, dass der Fortschritt nicht geradlinig verlaufen werde. „Das Tempo und die Dimension der Einführung von KI sind einzigartig – und der Wandel vollzieht sich schneller und umfassender als alles, was wir zu unseren Lebzeiten erlebt haben. Die Notwendigkeit, an unserer Vision festzuhalten und bei den Details flexibel zu bleiben, ist für uns jedoch vertrautes Terrain“, sagte Chief Sustainability Officer Kara Hurst im Bericht des Unternehmens.
Eine branchenweite Herausforderung
Dieser Trend beschränkt sich nicht auf Amazon und Google.
Frühere Nachhaltigkeitsberichte zeigten, dass die Emissionen von Microsoft um 23 % gestiegen waren, während Meta einen Anstieg um 64 % meldete, da beide Unternehmen weiterhin massiv in KI-Infrastruktur investierten, berichtete Bloomberg.
Der Bau moderner KI-Anlagen erfordert enorme Mengen an Stahl, Beton, Computerhardware und Strom, wodurch weit über den Betrieb der Anlagen selbst hinausgehende Emissionen entstehen. Google meldete einen Anstieg der Lieferkettenemissionen um 25 %, der größtenteils durch die Hardwareproduktion und den Bau von Rechenzentren verursacht wurde.
Umweltgruppen argumentieren, dass sich die Emissionsentwicklung der Branche in die falsche Richtung bewegt. „Wir befinden uns im Grunde in einer Klimakrise, und eigentlich dürfte es überhaupt kein Emissionswachstum geben. Dennoch bewegen sich die Rechenzentren in die entgegengesetzte Richtung“, sagte Sasha Luccioni, Mitgründerin und Chief Scientific Officer der Sustainable AI Group, laut Bloomberg.
Warum das wichtig ist
Die jüngsten Berichte unterstreichen, dass die Umweltauswirkungen von KI ebenso sehr zu einem Geschäfts- wie zu einem Klimathema werden.
Technologieunternehmen investieren Milliarden in neue KI-Infrastruktur und geben gleichzeitig hohe Summen für erneuerbare Energien und andere Maßnahmen zur Dekarbonisierung aus. Ein großer Teil des Stroms für die neuen Rechenzentren stammt jedoch weiterhin aus fossilen Brennstoffen, insbesondere Erdgas. Das bedeutet, dass die Emissionen weiter steigen könnten, bevor sauberere Energiequellen aufholen können.
Für Investoren, Kunden und Regulierungsbehörden werden Nachhaltigkeitsziele zunehmend an den Realitäten des KI-Ausbaus statt am traditionellen Wachstum des Cloud-Computings gemessen.
Energie könnte zum nächsten Engpass der KI werden
Im KI-Wettlauf ging es jahrelang darum, genügend Prozessoren zu sichern und größere Rechenzentren zu bauen. Die jüngsten Nachhaltigkeitsberichte deuten darauf hin, dass sich eine weitere Einschränkung abzeichnet: der Zugang zu sauberem Strom. Unternehmen können ihre Rechenkapazitäten schneller ausbauen, als Stromnetze den Übergang weg von fossilen Brennstoffen schaffen. Dadurch entsteht eine Kluft zwischen den Ambitionen bei der KI und den Klimazusagen.
Diese Herausforderung dürfte nicht schnell verschwinden. Auch wenn große Technologieunternehmen weiter in erneuerbare Energien investieren, verursacht bereits der Bau der KI-Infrastruktur einen erheblichen CO₂-Fußabdruck. Der künftige Fortschritt wird daher nicht nur von besserer KI-Hardware abhängen, sondern auch davon, wie schnell Energieversorgungssysteme und Lieferketten sauberer werden.
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