Im KI-Wettlauf in EMEA gewinnt die Geschwindigkeit – allerdings auf Kosten von Kontrolle, Transparenz und Klarheit bei der Compliance.
Eine von Veeam Software in Auftrag gegebene neue Studie legt nahe, dass viele Unternehmen in EMEA ihre KI-Einführungen beschleunigen, obwohl sie zunehmend den Überblick über die Daten verlieren, die diese Systeme antreiben.
Die Studie ergab, dass zwar 99 % der Entscheidungsträger in Unternehmen Datensouveränität für wichtig halten, fast drei Viertel der Unternehmen jedoch KI-Initiativen gegenüber Maßnahmen zur Datensouveränität priorisieren. Dadurch sind KI-bezogene Daten zur größten Transparenzherausforderung für Unternehmen geworden: 40 % der Befragten bezeichneten Daten, die für KI und Analysen verwendet werden, als ihren größten operativen blinden Fleck.
Die Ergebnisse werden vor dem Hintergrund veröffentlicht, dass die Einführung von KI eine breite Akzeptanz in Unternehmen erreicht. Laut einer umfassenderen Untersuchung von Veeam setzen 88 % der Unternehmen bereits KI-Agenten ein, doch nur 7 % glauben, dass sie auf deren Verwaltung vollständig vorbereitet sind.
Diese Lücke zwischen Einführung und Governance führt zu wachsenden Bedenken hinsichtlich Compliance, Sicherheit und operativer Kontrolle.
„Unternehmen in EMEA beschleunigen die Einführung von KI und erkennen ihr Potenzial, Innovation und Wachstum voranzutreiben“, sagte Tim Pfaelzer, general manager and senior vice president for EMEA bei Veeam. „Viele stehen nun jedoch vor einem kritischen Zielkonflikt: Sie müssen entweder schnell mit KI vorankommen, ohne ihre Daten vollständig zu verstehen, zu schützen und zu verwalten, oder den Fortschritt verlangsamen, um Anforderungen an die Datensouveränität zu erfüllen.“
Regionale Ansätze unterscheiden sich, doch die Transparenzprobleme bleiben bestehen
Die Studie zeigt deutliche Unterschiede darin, wie Unternehmen in der Region mit Datensouveränität und der Einführung von KI umgehen.
Im Vereinigten Königreich bleibt die Risikoreduzierung das wichtigste Motiv für Initiativen zur Datensouveränität. Mehr als die Hälfte der Befragten gab an, dass die Vermeidung von Datenschutzverletzungen der wichtigste Antrieb für ihre Maßnahmen sei. Zugleich meldeten Unternehmen im Vereinigten Königreich in Europa die größten Transparenzprobleme im Zusammenhang mit KI: 45 % bezeichneten KI- und Analysedaten als ihren größten blinden Fleck.
Deutschland scheint einen offensiveren, innovationsorientierten Ansatz zu verfolgen. Die Studie ergab, dass 82 % der deutschen Entscheidungsträger die Beschleunigung der KI-Entwicklung gegenüber der Einführung stärkerer Datenkontrollen priorisieren. Dies unterstreicht den Druck, unter dem viele Unternehmen stehen, im KI-Wettlauf wettbewerbsfähig zu bleiben.
Frankreich zeichnet ein anderes Bild. Französische Unternehmen konzentrieren sich weniger auf die Datensouveränität selbst, sondern stärker auf den Schutz geistigen Eigentums und sensibler Geschäftsinformationen – ein Spiegelbild der Prioritäten innovationsgetriebener Branchen.
Unternehmen im Nahen Osten und in Afrika meldeten unterdessen den höchsten Reifegrad bei der Umsetzung von Strategien zur Datensouveränität: 60 % gaben an, dass ihre Programme vollständig operationalisiert seien. Zugleich verzeichnete die Region die größte Abhängigkeit von Drittanbietern und Ökosystemen, wodurch zusätzliche Komplexität bei Daten-Governance und Kontrolle entsteht.
Compliance bleibt der Handlungstreiber
Obwohl Datensouveränität weithin als strategisch wichtig gilt, legt die Studie nahe, dass viele Unternehmen weiterhin eher reaktiv als proaktiv handeln.
Die Verringerung des Risikos von Datenschutzverletzungen und eine größere Kontrolle über Daten zählen zu den wichtigsten Motiven für Maßnahmen zur Datensouveränität. Maßnahmen werden jedoch meist durch Compliance-Audits, regulatorische Prüfungen oder die Expansion in neue Märkte ausgelöst und nicht durch eine langfristige Governance-Planung.
Die Ergebnisse zeigen außerdem eine wachsende Wissenslücke bei neuen Vorschriften. Während Unternehmen großes Vertrauen in etablierte Rahmenwerke wie die DSGVO äußerten, war ihr Verständnis neuerer Anforderungen, darunter der EU AI Act, deutlich geringer.
Diese Diskrepanz könnte zunehmend problematisch werden, wenn Regulierungsbehörden eine strengere Kontrolle von KI-Systemen und den zu ihrer Schulung und ihrem Betrieb verwendeten Daten einführen.
Datenkontrolle bleibt hinter der KI-Einführung zurück
Die Ergebnisse verdeutlichen ein wachsendes Spannungsfeld für Führungskräfte in Unternehmen: Sie müssen dem dringenden Bedarf, KI einzuführen und zugleich die Kontrolle über immer komplexere Datenumgebungen zu behalten, miteinander in Einklang bringen.
Für viele Unternehmen verspricht KI durch Automatisierung, Effizienz und Innovation Wettbewerbsvorteile. Die Einführung von KI ohne klare Transparenz über die zugrunde liegenden Datenbestände kann jedoch die Gefährdung durch regulatorische Strafen, Sicherheitsvorfälle und operative Risiken erhöhen.
Die Herausforderung ist besonders relevant, da Regierungen neue Rahmenwerke für die KI-Governance einführen, die Transparenz, Rechenschaftspflicht und Verfahren des Datenmanagements stärker in den Mittelpunkt rücken. Unternehmen, die heute die Geschwindigkeit der KI priorisieren, können kurzfristige Vorteile erzielen. Wenn Governance-Kontrollen jedoch nicht Schritt halten, könnten später höhere Compliance-Kosten und umfangreichere Abhilfemaßnahmen auf sie zukommen.
Die wachsende Vertrauenslücke bei KI
Die Studie weist auf einen breiteren Trend bei Technologiestrategien von Unternehmen hin. Unternehmen betrachten KI nicht länger als experimentelle Technologie, sondern als geschäftliche Notwendigkeit. Dieser Dringlichkeit verdanken sich schnellere Einführungen, doch Governance-Rahmenwerke entwickeln sich langsamer.
Bemerkenswert an den Ergebnissen ist nicht, dass Unternehmen Datensouveränität weniger wichtig finden. Im Gegenteil: Fast alle Befragten bestätigten ihre Bedeutung. Das Problem liegt in der Umsetzung. Unternehmen verstehen die Risiken, sind aber zunehmend bereit, sie im Streben nach KI-getriebenem Wachstum in Kauf zu nehmen.
Dadurch entsteht eine von Branchenbeobachtern häufig als Vertrauenslücke bezeichnete Situation: Unternehmen führen leistungsfähige KI-Systeme schneller ein, als sie die Daten, die Infrastruktur und die sie unterstützenden Ökosysteme von Drittanbietern vollständig kontrollieren können.
Da KI zunehmend in Geschäftsabläufe eingebettet wird, werden wahrscheinlich nicht die Unternehmen am erfolgreichsten sein, die sie am schnellsten einführen, sondern jene, die Innovation mit Transparenz, Governance und operativer Kontrolle verbinden können.
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