Bauroboter sind längst nicht mehr auf den Boden beschränkt. Sie erobern jetzt die Luft und übernehmen Aufgaben, die für Menschen zu gefährlich sind.
Jahrelang bedeutete die Inspektion von Infrastruktur aus der Luft, sie aus sicherer Entfernung zu beobachten. Eine neue Roboterklasse verändert das nun. Diese Maschinen begutachten nicht nur marode Infrastruktur, sondern können auch physisch eingreifen, Kraft ausüben und Werkzeuge an Stellen einsetzen, die für Arbeiter nicht sicher erreichbar sind.
Unter Brücken, in Tunneln und an hoch aufragenden Bauwerken erweitern diese Roboter die Möglichkeiten von Systemen zur Instandhaltung aus der Luft. Das Unternehmen, das diese Maschinen entwickelt? AITHON Robotics, ein Start-up aus der Schweiz.
Welches Problem will AITHON lösen?
In einem von ETH Zürich hochgeladenen YouTube-Video, erläuterte die AITHON-Robotics-Mitgründerin Friederike Biffar, woran das Unternehmen arbeitete und wie es die Instandhaltung von Infrastruktur mithilfe von Robotern durchführen wollte.
Laut Biffar ist Infrastruktur kein einmaliges Projekt, sondern erfordert kontinuierliche Instandhaltung, die zwei Drittel der Infrastruktur-Budgets verschlingt. Doch nicht nur die Ausgaben sind ein Problem; die Instandhaltungsarbeiten selbst stellen die größere Herausforderung dar.
Biffar erklärt, dass es dabei nicht nur um die Kosten geht, sondern auch um das Risiko, das mit solchen Aufgaben von großer Tragweite verbunden ist. Ihrer Einschätzung nach liegt das an der Schwierigkeit, die wichtigsten Bereiche dieser Bauwerke zu erreichen.
Stellen wie die Unterseite einer Brücke, das Innere eines geschlossenen Tunnels oder die Wände eines Damms sind riskant zu bearbeiten, was die Kosten in die Höhe treibt. Zudem findet ein erheblicher Teil dieser Arbeiten in großer Höhe statt, was ebenfalls gefährlich ist. Da alternde Infrastruktur zunehmend schwerere Lasten trägt, wird der Bedarf an Instandhaltung immer dringlicher.
Hier kommen ihre Roboter ins Spiel: ein hybrider Roboter für riskante Aufgaben wie die oben genannten.
Wie löst ein Roboter riskante Aufgaben bei der Instandhaltung von Infrastruktur?
Im Video erklärt Biffar, die Roboter „verbinden agilen Flug mit Interaktion auf Industrieniveau“.
Mit anderen Worten: Diese Roboter sind schnell und können sich in komplexen Umgebungen bewegen, wobei sie ihre geringe Größe zu ihrem Vorteil nutzen. Dank ihrer Interaktion auf Industrieniveau können sie nicht nur aus nächster Nähe beobachten, sondern mithilfe der zahlreichen mitgeführten Werkzeuge auch physische Arbeiten ausführen. Sie können bohren, Bauwerke mit Radarsystemen scannen und andere Elektrowerkzeuge einsetzen.
Ihre Präzision im Millimeterbereich sorgt dafür, dass sie ihre Aktionen selbst auf felsigen Oberflächen oder im Flug mit deutlich geringerer Fehlerquote ausführen können. Darüber hinaus berichtet Biffer, dass diese Roboter eine Kraft von bis zu 500 Newton ausüben können – das entspricht dem festen Andrücken eines Elektrowerkzeugs, etwa einer Bohrmaschine, an eine Oberfläche. Für die meisten Instandhaltungsarbeiten ist eine solche Kraft ausreichend.
Die Website des Unternehmens gibt an, dass jeder Roboter eine Last von 5 kg tragen kann und ein Gesamtgewicht von 16 kg hat. Obwohl das relativ wenig ist, wird es zum deutlichen Vorteil, wenn mehrere mit Arbeitsausrüstung bestückte Roboter gemeinsam bei einem Projekt eingesetzt werden.
„Das ist nicht nur Inspektion, sondern ein Eingriff“, fügte Biffar hinzu.
Das Unternehmen selbst entstand aus einer herausfordernden Frage: „Kann eine Drohne in Beton bohren?“ Die Antwort entwickelte sich rasch von einem funktionierenden Prototyp zu einem preisgekrönten System, das Aufgaben erledigen soll, die Menschen nicht sicher oder kostengünstig ausführen können.
Unterstützung und mögliche Wachstumsbereiche
Biffar erklärte, dass das Unternehmen finanzielle Unterstützung erhalten habe, nannte jedoch keine Quellen. Das Unternehmensprofil auf PitchBook zeigt jedoch, dass es sich derzeit in der Accelerator-Phase befindet und drei Investoren gewonnen hat: HGS START, Gebert Rüf Foundation und Venture Kick.
Mit einer bewährten, in ganz Europa getesteten Technologie hat sich dieser an der ETH Zürich entwickelte Roboter von einer bloßen Idee zu einem praktisch einsetzbaren System entwickelt und besitzt Wachstumspotenzial.
Ihr zufolge will AITHON Robotics den Schritt vollziehen, von der bloßen Reaktion auf Instandhaltungsbedarf hin zu dessen proaktiver Bewältigung. Damit rückt das Unternehmen in den Mittelpunkt der frühzeitigen Fehlererkennung an diesen Infrastrukturen, bevor daraus größere Probleme entstehen. Zum Ende des Videos sagt sie, dass das Unternehmen „gerade erst anfängt“.
Eine weitere wertvolle Nische für die Robotik
Im Bauwesen sind Roboter generell stark vertreten, doch dieser wirkt einzigartig. Er befasst sich nicht nur mit Problemen bei Arbeitskräften und Geschwindigkeit, wie es dieser Roboter für die Installation von Solaranlagen und ähnliche Roboter tun; er entfernt Arbeiter direkt aus gefährlichen Umgebungen.
Wenn Technologien wie diese im großen Maßstab eingesetzt werden, könnten sie die Instandhaltung von Infrastruktur verändern, indem Menschen die weniger riskanten Aufgaben wie Steuerung und Planung übernehmen.
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