Grammarlys neueste KI-Funktion ist in heikles Terrain geraten. Das Tool „Expert Review“ bietet Schreibfeedback, das durch die Stimmen realer Autoren, Journalisten und Wissenschaftler vermittelt wird – darunter Menschen, die nie zugestimmt haben, daran teilzunehmen, und mindestens ein Wissenschaftler, der kürzlich verstorben ist.
Genau das macht die Angelegenheit zu mehr als einem gewöhnlichen Streit über ein KI-Produkt. Grammarly fasst nicht einfach öffentlich verfügbare Texte zusammen und schlägt auch keine Änderungen in einer allgemeinen Stimme vor. Stattdessen bündelt das Unternehmen diese Vorschläge rund um echte Identitäten, macht also bekannte Namen zu einem Produktmerkmal ohne eindeutige Zustimmung der dahinterstehenden Personen.
Was „Expert Review“ tut
Grammarly sagt, Expert Review solle Nutzern dabei helfen, Entwürfe mithilfe von Expertenwissen zu verfeinern. Das Unternehmen beschreibt die Funktion als eine, die auf öffentlich verfügbaren Inhalten von Experten aufbaut, und erklärt, das Tool könne relevante Fachexperten identifizieren und auf Grundlage der Perspektiven dieser Experten Änderungen vorschlagen.
Dieser Ansatz klingt zunächst recht unkompliziert. Problematisch wird es, wenn diese „Experten“ auf eine Weise präsentiert werden, die weniger wie eine allgemeine KI-Zusammenfassung und eher wie direktes Feedback einer realen Person wirkt.
The Verge stellte fest, dass Grammarly Kommentare erzeugte, die mit realen Redaktionsmitarbeitern verknüpft waren, darunter Nilay Patel, Sean Hollister, Tom Warren und David Pierce – keiner von ihnen hatte seine Zustimmung erteilt. Bei den Tests wurden außerdem ungenaue oder veraltete Expertenbeschreibungen gefunden. Zudem verwiesen einige Quellenlinks hinter der Funktion auf archivierte, mit Spam überladene oder nicht passende Seiten. Die Publikation merkte auch an, dass die in Google Docs angezeigten Kommentare stark wie das Feedback einer tatsächlichen Person wirken konnten und nicht wie ein KI-generierter Vorschlag.
Dieses letzte Detail trägt dazu bei zu erklären, warum die Funktion bei so vielen Menschen auf Ablehnung gestoßen ist. Grammarly übernimmt nicht einfach Ideen aus öffentlichen Arbeiten. Das Unternehmen leiht sich die Glaubwürdigkeit realer Menschen und liefert anschließend Vorschläge in einem Format, das persönlich, spezifisch und menschlich wirken kann.
Wenn öffentliche Arbeiten zur Produktpersönlichkeit werden
Eines der auffälligsten Beispiele betraf den Historiker David Abulafia. Unter Berufung auf eine frühere Berichterstattung von Wired berichtete The Verge, dass Grammarlys Expertenliste ihn enthielt. Die University of Cambridge teilte mit, dass Professor David Abulafia am 24. Januar 2026 gestorben ist, wodurch seine Aufnahme in eine Funktion, die auf KI-generiertem Expertenfeedback basiert, besonders schwer zu rechtfertigen ist.
In einer Stellungnahme gegenüber The Verge erklärte Alex Gay, Vizepräsident für Produkt und Unternehmensmarketing beim Mutterkonzern von Grammarly, Superhuman, die Funktion behaupte weder eine Unterstützung noch eine direkte Beteiligung. Die Experten würden angezeigt, weil ihre veröffentlichten Arbeiten öffentlich verfügbar und vielfach zitiert seien.
Das erklärt Grammarlys Argumentation, klärt aber nicht die im Zentrum der Geschichte stehende Frage der Zustimmung. Das Unternehmen greift nicht einfach auf öffentliche Arbeiten zurück. Es macht reale Menschen zu Produktpersönlichkeiten – darunter einen, der nicht mehr hier ist, um Einspruch zu erheben.
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