Grammarlys Experiment Expert Review ist vom öffentlichen Aufschrei im Gerichtssaal angekommen.
Eine neue Sammelklage wirft dem Unternehmen vor, die Namen echter Autoren und Experten verwendet zu haben, um KI-generiertes Feedback zu präsentieren und so den Eindruck zu erwecken, diese Fachleute würden die Arbeiten der Nutzer persönlich prüfen. Laut WIRED verlagert der Fall die Kontroverse über Produktkritik hinaus in einen Rechtsstreit über Zustimmung, Ruf und die kommerzielle Nutzung von Identitäten in KI-Tools.
Der Inhalt der Klage
Der Fall stellt eine Person in den Mittelpunkt des Streits. Julia Angwin, investigative Journalistin und Gründerin von Proof News, ist die namentlich genannte Klägerin in einer geplanten Sammelklage, die dem KI-Schreibtool Grammarly und seiner Muttergesellschaft Superhuman vorwirft, die Identitäten Hunderter Autoren und anderer Personen des öffentlichen Lebens als Teil einer kommerziellen KI-Funktion verwendet zu haben.
Die Klage argumentiert, die Unternehmen hätten sich nicht nur auf öffentlich zugängliche Texte gestützt. Sie hätten echte Namen, deren Ruf und die ihnen zugeschriebene Fachkenntnis in ein kommerzielles Produkt verpackt und anschließend Feedback generiert, das mit einer Anleitung von Personen verwechselt werden konnte, die einer Teilnahme nie zugestimmt hatten.
So stellt es die Klage dar, liegt darin das Hauptproblem: Es wurden nicht nur Ideen entliehen, sondern Identitäten.
Die Klage kam nicht aus dem Nichts
Tage bevor der Fall eingereicht wurde, stand Expert Review bereits in der Kritik, weil die Funktion KI-generiertes Feedback so präsentierte, als stamme es von echten Personen. Diese Kritik hatte die Funktion bereits auf unsichere Füße gestellt und die Aufmerksamkeit darauf gelenkt, wie Grammarly erkennbare Identitäten innerhalb des Produkts verwendete.
Die Klage macht aus diesem öffentlichen Unbehagen etwas Konkreteres. Was zunächst eine wachsende Kontroverse über Produktdesign war, wird nun rechtlich eingeordnet; die Klage stellt dabei die Frage, ob diese Nutzung von Identitäten eine Grenze überschritten hat.
Expert Review wird abgeschaltet
Superhuman hatte bereits damit begonnen, den Stecker zu ziehen. In einem LinkedIn-Post erklärte CEO Shishir Mehrotra, das Unternehmen deaktiviere Expert Review nach der Kritik, die Funktion stelle die Stimmen der Experten falsch dar. Er räumte ein, dass sie „das Ziel verfehlt“ habe, verteidigte jedoch zugleich die ursprüngliche Idee dahinter.
Der Rückzug bedeutete keinen vollständigen Abschied von der Idee selbst. Mehrotra erklärte, das Unternehmen wolle die Funktion nun auf Grundlage eines Modells neu konzipieren, bei dem Experten mehr Kontrolle darüber haben, wie sie dargestellt werden. Das deutet darauf hin, dass der Rollout vorerst beendet sein mag, die umfassendere Entwicklung von KI-Tools auf Basis erkennbarer Expertise jedoch nicht.
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