Hyundais nächste Fabrikarbeiter brauchen möglicherweise keine Schutzhelme.
Das Unternehmen bereitet laut Berichten der Yonhap News Agency den Einsatz von mehr als 25.000 Atlas-basierten humanoiden Robotern in seinen Produktionsbetrieben vor. Die Initiative soll 2028 im Hyundai Metaplant in Georgia beginnen, bevor sie 2029 auf das Kia-Werk in Georgia ausgeweitet wird.
Für Hyundai ist der Einsatz nicht nur ein Schaulaufen in Sachen Robotik. Es geht um die Frage, ob humanoide Roboter nützliche, repetitive und körperlich anspruchsvolle Arbeit im industriellen Maßstab verrichten können – und ob Boston Dynamics’ Atlas mehr sein kann als die beliebteste Rückwärtssalto-Maschine des Internets.
Was werden die Roboter tun?
Die von der US-Robotiksparte Boston Dynamics entwickelten Roboter basieren auf der humanoiden Atlas-Plattform und sollen körperlich anspruchsvolle Aufgaben in den Fabriken übernehmen, etwa das Heben und Bewegen von Teilen sowie logistische Tätigkeiten.
Der Plan wurde bei jüngsten Investor-Relations-Veranstaltungen von JPMorgan Chase vorgestellt, bei denen Hyundai seine langfristige Strategie für physische KI erläuterte, die laut Berichten der Yonhap News Agency künstliche Intelligenz mit Robotiksystemen in der realen Welt verbindet.
Hyundai positioniert sich nicht länger ausschließlich als Automobilhersteller. Stattdessen entwickelt sich das Unternehmen zu einem Mobilitäts- und KI-getriebenen Technologiekonzern. Das Unternehmen hat sich ein jährliches Produktionsziel von rund 30.000 Atlas-Humanoiden bis 2028 gesetzt. Davon sollen mehr als 25.000 Einheiten im eigenen Produktionsökosystem eingesetzt werden.
Laut Yonhap soll der Einsatz schrittweise erfolgen, damit Hyundai Betriebsdaten sammeln, Sicherheitssysteme verbessern und die Leistung der Roboter vor einer breiteren Einführung optimieren kann.
Aufbau der Roboter-Lieferkette
Um die Massenproduktion zu unterstützen, investiert Hyundai außerdem stark in zentrale Roboterkomponenten, insbesondere Aktuatoren – mechanische Systeme, die wie Gelenke und Muskeln funktionieren. Das Unternehmen plant, in US-amerikanischen Werken jährlich mehr als 300.000 Aktuatoren zu produzieren.
Diese Komponenten dürften für Leistung und Kostensenkungen gleichermaßen entscheidend sein, wenn die Produktion hochgefahren wird, da Aktuatoren einen großen Anteil der Herstellungskosten humanoider Roboter ausmachen. Noch vor dem vollständigen Einsatz experimentiert Hyundai bereits in kontrollierten Umgebungen mit Robotern.
Das Unternehmen hat in seiner renovierten Konzernzentrale in Seoul serviceartige Roboter für Aufgaben wie Sicherheit, Lieferungen und Gebäudemanagement eingeführt und nutzt den Standort als Testgelände unter realen Bedingungen.
Hyundai bereitet außerdem die Eröffnung eines Robot Metaplant Application Center in den Vereinigten Staaten vor, in dem Roboter mithilfe von KI-Systemen trainiert werden sollen, die gemeinsam mit Google DeepMind entwickelt wurden, laut von Yonhap berichteten Investorenbriefings.
Technologie hinter Atlas
Der humanoide Roboter Atlas hat kürzlich fortgeschrittene körperliche Fähigkeiten demonstriert, darunter das Heben und Transportieren schwerer Gegenstände wie Kühlschränke. Boston Dynamics zufolge setzt das System auf bestärkendes Lernen und Simulationstraining in großem Maßstab, sodass der Roboter vor dem Einsatz in der realen Welt Millionen von Aufgabenvarianten üben kann.
Anders als viele humanoide Systeme nutzt Atlas außerdem Propriozeption – die interne Wahrnehmung von Gleichgewicht und Bewegung –, um beim Umgang mit instabilen Lasten in Echtzeit Anpassungen vorzunehmen. Mit seiner Offensive tritt Hyundai in direkten Wettbewerb mit anderen großen Akteuren, darunter Tesla, das ebenfalls ein eigenes Programm für einen humanoiden Roboter entwickelt.
Branchenanalysten zufolge konzentriert sich Hyundais Strategie jedoch stärker auf den industriellen Einsatz in Fabriken, während Wettbewerber wie Tesla breitere Anwendungen außerhalb der Fertigung anstreben. Für Hyundai geht es nicht nur um Innovation, sondern auch um Kosteneffizienz: Durch den Einsatz im Fabrikmaßstab sollen die Produktionskosten sinken und die kommerzielle Tragfähigkeit humanoider Robotik unter Beweis gestellt werden.
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