Der erste Kampf zwischen Menschen und KI würde sich zwangsläufig im Internet abspielen, und ein neuer Bericht hat dabei Buch geführt.
Ende 2024 war die KI laut einer neuen Studie des SEO-Unternehmens Graphite kurzzeitig für mehr veröffentlichte Artikel im offenen Web verantwortlich als Menschen. Dieser Wandel trifft zwar ins Herz der schlimmsten Befürchtungen von Forschern, doch der Bericht zeigt eine leichte Neuausrichtung: Inzwischen halten sich von Menschen und von KI verfasste Artikel mit etwa 50:50 ungefähr die Waage.
Graphite analysierte 65.000 englischsprachige URLs aus der Open-Source-Datenbank Common Crawl und setzte den KI-Inhaltsdetektor von Surfer ein, um die Quelle der Texte von Artikeln oder Listenartikeln zu bestimmen, die zwischen Januar 2020 und Mai 2025 veröffentlicht wurden. Ein Artikel wurde als KI-generiert eingestuft, wenn mindestens 50 % seines Inhalts als von einer KI verfasst erkannt wurden.
Die Ergebnisse waren verblüffend: Im November 2024 wurden 50,3 % der neuen Webartikel überwiegend von KI generiert. Vor dem Aufkommen von ChatGPT lag dieser Anteil jedoch gerade einmal bei 5 %.
Texte von Menschen sind weiterhin wichtig
Trotz des Automatisierungsschubs bevorzugen Suchmaschinen weiterhin die menschliche Note. Der ergänzende Bericht von Graphite zu Suchmaschinen und großen Sprachmodellen ergab, dass 86 % der bestplatzierten Seiten in der Google-Suche weiterhin von Menschen stammen, verglichen mit nur 14 %, die von KI generiert wurden. Bei KI-Assistenten wie ChatGPT und Perplexity ist das Verhältnis nahezu identisch: 82 % von Menschen zu 18 % von KI.
Diese Lücke deutet darauf hin, dass das Veröffentlichen generativer Inhalte in großem Maßstab an eine Grenze gestoßen ist. Der Anteil KI-generierter Artikel stagniert laut den Forschern von Graphite seit Mai 2024, da Verlage und SEO-Teams feststellen, dass algorithmische Masse keine Sichtbarkeit garantiert.
Graphite beschreibt diesen Moment nicht als vollständige Übernahme, sondern als eine Neugewichtung des Ökosystems für Inhalte. „Es entwickelt sich eher eine Symbiose als eine Dichotomie“, sagte Alex Svanevik, ein Mitwirkender an der Forschungsreihe Five Percent des Unternehmens. „Die erfolgreichsten Verlage integrieren KI in menschliche Arbeitsabläufe, statt Menschen vollständig zu ersetzen.“
Sichtbarkeit statt Masse
Auch wenn die Waage nun ausgeglichen ist, verändert KI-generiertes Schreiben das digitale Ökosystem für Inhalte. Graphite schätzt, dass seit 2023 mehr als 10 Milliarden neue KI-generierte Seiten veröffentlicht wurden. Diese wahre Flut maschinell erzeugter Texte könnte die Datenqualität für alles von SEO bis zum Training von Modellen erheblich verbessern – und damit die Befürchtungen der Analysten bestätigen, dass die Schlange sich tatsächlich an ihrem eigenen Schwanz verschlucken wird.
Wenn Sichtbarkeit weiterhin der Maßstab ist, an dem Inhalte bewertet werden, darf man wohl hoffen, dass Substanz sich gegenüber Masse durchsetzt. Wie der Bericht abschließend festhält: KI mag Menschen bei der Erstellung von Inhalten überholt haben, bei ihrer Wirkung hat sie das jedoch noch nicht geschafft.
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