KI wird bei Einstellungen rasch zu einer grundlegenden Erwartung und taucht in Stellenanzeigen weit über Engineering und IT hinaus auf. Arbeitgeber nehmen in Stellenausschreibungen branchenübergreifend Formulierungen zu künstlicher Intelligenz auf – vom Vertrieb und Marketing bis hin zu Finanzen und operativen Tätigkeiten.
Neue Untersuchungen von Indeed’s Hiring Lab zeigen, dass sich KI-Verweise rasch über Stellenanzeigen hinweg ausbreiten, auch in Positionen, in denen die Technologie noch nicht zum Kern der täglichen Arbeit gehört. Der Trend deutet darauf hin, dass KI in Stellenanzeigen zu einer Standardqualifikation wird – trotz anhaltender Unsicherheit darüber, wie die jeweiligen Positionen sie einsetzen werden. Konkret zeigen die Daten: Während die Einstellungen insgesamt abgekühlt sind, haben KI-Nennungen seit 2020 um 134 % zugenommen und einen Höchststand von 4,2 % aller Ausschreibungen erreicht. KI-bezogene Tech-Positionen liegen inzwischen 45 % über dem Niveau vor der Pandemie.
Büroberufe treiben die KI-Formulierungen in Stellenanzeigen voran
Büroberufe sind laut der Analyse von Indeed aus dem späten Jahr 2025 maßgeblich für die inzwischen in Stellenanzeigen auftauchenden KI-Formulierungen verantwortlich. Am stärksten ist die Konzentration bei bürobasierten Positionen, in denen Arbeitgeber KI-Verweise in Rollen integrieren, die auf Software, Daten und digitalen Arbeitsabläufen beruhen.
Die Formulierungen selbst bleiben oft allgemein. Viele Ausschreibungen verwenden breite Bezeichnungen wie „KI“ oder „GenAI“, während nur ein kleiner Anteil konkrete Tools wie ChatGPT oder große Sprachmodelle (LLMs) nennt. Das deutet darauf hin, dass Arbeitgeber Erwartungen an Vertrautheit mit der Technologie formulieren, statt technische Anforderungen konkret auszuführen.
Bei bestimmten Positionen kommt KI über Rekrutierungsplattformen und automatisierte Einstellungsverfahren ins Spiel – nicht über die Kernaufgaben der jeweiligen Stelle.
„Arbeitgeber signalisieren eindeutig, dass sie sich dafür interessieren, was KI leisten kann“, sagte Cory Stahle, Ökonom bei Indeed’s Hiring Lab, im Gespräch mit Axios. „Aber viele wissen nicht unbedingt, was sie mit KI anfangen wollen.“
Vertrautheit statt Spezialisierung
Arbeitgeber scheinen eher nach einem sicheren Umgang mit KI zu suchen, statt gezielt für eng definierte KI-Rollen.
einzustellen. Untersuchungen von McKinsey haben ergeben, dass sich mehr als 70 % der in heutigen Berufen eingesetzten Kompetenzen bei Tätigkeiten überschneiden, die automatisiert werden können beziehungsweise nicht automatisiert werden können. Das erklärt, warum sich KI-Erwartungen über so viele Positionen hinweg erstrecken, ohne diese grundlegend neu zu definieren.
Derselbe McKinsey-Bericht stellte fest, dass rund 72 % der Kompetenzen am Arbeitsplatz von Menschen und KI gemeinsam genutzt werden. Separate Untersuchungen von Microsoft und LinkedIn zeigten, dass 66 % der Führungskräfte angaben, keinen Bewerber ohne KI-Kenntnisse einstellen zu wollen. Im Einstellungsprozess fungieren KI-Kenntnisse inzwischen als eine frühe Auswahlstufe, die auf verschiedene Rollen angewandt wird.
KI auf dem Papier, Lücken in der Praxis
Während sich KI-Formulierungen in Stellenanzeigen ausweiten, kämpfen Unternehmen weiterhin mit Lücken in der Belegschaft, die die interne Einführung begrenzen. Eine Umfrage von Slalom ergab, dass 93 % der Unternehmen mit Herausforderungen bei der Belegschaft konfrontiert sind, die die Einführung von KI bremsen – allen voran Kompetenzlücken.
Diese Ergebnisse stimmen mit der Indeed-Untersuchung überein. Da Kompetenzlücken die Einführung bremsen, prüfen Arbeitgeber Bewerber früher im Einstellungsprozess auf KI-Kenntnisse. Die Sprache in Stellenanzeigen ist in diesem Sinne zu einer der schnellsten Möglichkeiten geworden, mit denen Unternehmen versuchen, die Lücke zu schließen.
Die Gespräche in Davos zeigten in diesem Jahr, wie unvorbereitet viele Volkswirtschaften weiterhin auf die Auswirkungen von KI auf Arbeitnehmer sind.

