Da ein Weltfrieden in den nächsten 1.000 Jahren unwahrscheinlich erscheint, ist es nicht überraschend, dass die Ausgaben für künstliche Intelligenz im Militär hoch sind.
Daten zeigen, dass sie von 13,57 Milliarden US-Dollar im Jahr 2023 auf 15,30 Milliarden US-Dollar im Jahr 2024 gestiegen sind. Rüstungsunternehmen versuchen verzweifelt, mit der Nachfrage Schritt zu halten, die die Kriegsführung selbst verändert. Was als experimentelle Ausrüstung begann, steht heute im Zentrum nationaler Sicherheitsstrategien weltweit – Prognosen zufolge wird der Markt bis 2035 35 Milliarden US-Dollar erreichen.
Dabei geht es nicht nur um größere Budgets, sondern um einen Wandel in der Art und Weise, wie Nationen kämpfen, sich verteidigen und konkurrieren. Allein das Pentagon gab 2024 1,8 Milliarden US-Dollar für KI-Systeme aus. Das Geld floss in autonome Systeme, die Nachrichtengewinnung und Kriegsspiele, die noch vor fünf Jahren wie Science-Fiction geklungen hätten.
Rüstungswettlauf
Schweden absolvierte 2024 mit seiner Gripen E den weltweit ersten Testflug eines KI-gesteuerten Kampfflugzeugs. Indien rief seinen Defence AI Council ins Leben, wobei Drohnenkriegsführung ganz oben auf der Liste stand. Das sind nur die Projekte, auf die wir öffentlich verweisen können – Hinweise auf einen umfassenderen Aufschwung, der selbst Verteidigungsanalysten überraschte.
Der Wandel beschränkt sich nicht auf Jets. Streitkräfte führen intelligente Logistik, vorausschauende Wartung für Fahrzeuge und Schiffe, Drohnenschwärme sowie Cybersicherheitswerkzeuge ein, die eine Verarbeitung von Gefechtsfelddaten in Echtzeit ermöglichen und gleichzeitig die Gefährdung von Menschen bei Hochrisikomissionen verringern.
Die RAND Corporation stellte im vergangenen Sommer fest, dass Fortschritte in Robotik und Autonomie den Einsatz großer Zahlen von Plattformen in Größenordnungen ermöglichen könnten, die bis vor Kurzem noch unpraktikabel waren. Länder, die vor zwei Jahren noch mit grundlegender KI experimentierten, setzen heute Systeme ein, die über lange Zeiträume eigenständig arbeiten können. Einmal kurz nicht aufgepasst, und die Messlatte liegt höher.
Eine gefährliche neue Realität
Die Militarisierung der KI schafft Risiken, die frühere Rüstungswettläufe nicht mit sich brachten. Vor acht Monaten veröffentlichte Forschung zeigt, dass autonome Waffen die politischen Kosten des Gewalteinsatzes senken können, indem sie die Verluste aufseiten des Angreifers reduzieren. Das könnte Großmächte zu häufigeren, begrenzten Auseinandersetzungen bewegen, die dennoch eine reale Gefahr der Eskalation bergen.
Eine Red-Team-Übung auf der Münchner Sicherheitskonferenz im März, an der 28 Experten teilnahmen, brachte Szenarien zutage, in denen Rivalen Angriffe auf westliche KI-Infrastrukturen koordinieren. Die Simulation zeigte , wie fortschrittliche KI autoritären Führern ermöglichen könnte, riesige Datensätze zu durchforsten, um Oppositionelle und Dissidenten ins Visier zu nehmen, während Länder wie China kostengünstige KI-Technologie nutzen, um Entwicklungsmärkte zu überschwemmen und ihre technischen Standards zu etablieren.
Was hält Kommandeure heute nachts wach? Koordinierte Angriffe auf Rechenzentren. KI-gestützte Desinformation, die sich in Echtzeit verändert. Autonome Schwärme, die schneller agieren, als Menschen reagieren können. Das Tempo selbst wird zur Waffe.
Die Kriegsführung der Zukunft
Strategische Planer versuchen weiterhin, den Rückstand aufzuholen. Eine Anfang dieses Jahres veröffentlichte Studie ergab, dass viele die künstliche allgemeine Intelligenz noch nicht als vorrangige Sorge für die kommenden fünf Jahre berücksichtigen – ein Zeichen gefährlicher Unvorbereitetheit angesichts der Geschwindigkeit, mit der sich das Feld entwickelt.
Kommandeure räumen zunehmend ein, dass Streitkräfte, die eine massenhafte Stationierung und Täuschungsmanöver ignorieren, dafür bezahlen werden. Eine Analyse der RAND Corporation vom Juli empfiehlt, dass die USA jetzt in Konzepte für Masse und Kriegsnebel investieren, um gegenüber sich schneller bewegenden Gegnern einen Vorsprung zu behalten.
Die Cyberabwehr wird von KI profitieren, die Gefechtsnetze im Laufe der Zeit robuster machen könnte. Auch die Offensive wird profitieren – und zwar nicht langsam. Wir bewegen uns auf eine Form der Konfliktführung zu, bei der die Geschwindigkeit algorithmischer Entscheidungen mit dem Wert traditioneller Ressourcen konkurriert.
Das Rennen um die militärische Vorherrschaft bei der KI verändert die globale Machtverteilung auf eine Weise, die an frühere industrielle Revolutionen erinnert – mit Auswirkungen auf Diplomatie und Abschreckung, die Strategen noch immer ausloten.
Bei der 35-Milliarden-US-Dollar-Frage geht es nicht darum, ob KI die Kriegsführung verändern wird. Es geht darum, ob sich Nationen rechtzeitig anpassen können, um die Risiken einer Technologie zu beherrschen, die die Regeln der globalen Sicherheit bereits neu schreibt.
Eine etwas friedlichere Nachricht: OpenAI stellte GPT-5.1 vor, den neuesten Vertreter seiner GPT-5-Reihe und das ambitionierteste Update des Unternehmens seit dem Debüt von ChatGPT.

