Das Tesla-Experiment mit „Robotaxis“ in Austin stößt auf einige ganz wörtliche Hindernisse, denn gerade als das Unternehmen die menschlichen Sicherheitsbegleiter abschaffen will, wurden fünf neue Unfälle gemeldet.
Teslas kleine Flotte von Model-Y-Robotaxis in Austin hat offenbar Schwierigkeiten, Ärger zu vermeiden. Nach aktuellen Daten der National Highway Traffic Safety Administration (NHTSA) kamen im Dezember und Januar fünf weitere Unfälle hinzu, womit die Gesamtzahl seit dem Start des Dienstes im Juni 2025 auf 14 gestiegen ist.
Zu den Unfällen gehören eine Kollision mit einem festen Objekt bei 17 mph, während das Fahrzeug geradeaus fuhr, ein Zusammenstoß mit einem Bus, während der Tesla stillstand, eine Kollision mit einem schweren Lastwagen bei 4 mph sowie zwei Vorfälle, bei denen der Tesla rückwärts gegen Objekte fuhr: einmal bei 1 mph gegen einen Pfosten oder Baum und einmal bei 2 mph gegen ein festes Objekt.
Das geheime Seitenstück
Während Wettbewerber wie Waymo und Zoox detaillierte Beschreibungen ihrer Unfälle liefern, hat Tesla einen anderen Weg gewählt. Jede einzelne Unfallbeschreibung von Tesla in der NHTSA-Datenbank ist als „vertrauliche Geschäftsinformation“ geschwärzt. Das macht die Sache noch rätselhafter: Tesla hat kürzlich einen Bericht über einen Unfall im Juli 2025 aktualisiert.
Ursprünglich als „nur Sachschaden“ aufgeführt, änderte das Unternehmen den Eintrag fünf Monate später stillschweigend in „Minor W/ Hospitalization“. Diese verspätete Offenlegung einer Verletzung, die einen Krankenhausaufenthalt erforderlich machte, wirft Fragen zur tatsächlichen Sicherheitsbilanz der Flotte auf.
Die Schwärzungen haben zwar Kritik auf sich gezogen, doch Unternehmen dürfen nach den bundesrechtlichen Vorschriften bestimmte proprietäre technische Details zurückhalten. Es ist nicht ungewöhnlich, dass Firmen Aspekte automatisierter Fahrsysteme schützen, die sie als wettbewerbssensibel betrachten. Gleichzeitig entwickeln sich die Erwartungen an die Transparenz im Bereich autonomer Fahrzeuge weiter.
Menschen gegen Hardware
Die Zahlen sprechen jedenfalls nicht gerade für Tesla.
Auf Grundlage von Teslas Angaben, wonach bis November 2025 insgesamt etwa 700.000 bezahlte Meilen zurückgelegt wurden, dürfte die Flotte in Austin bis Mitte Januar 2026 rund 800.000 Meilen erreicht haben. Damit kommt es ungefähr alle 57.000 Meilen zu einem Unfall, laut Electrek.
Teslas eigener Vehicle Safety Report zufolge erlebt ein durchschnittlicher US-Fahrer alle 229.000 Meilen eine kleinere Kollision. Gemessen an diesem Vergleichswert verunglückt die Robotaxi-Flotte fast 4-mal so häufig wie menschliche Fahrer – und das trotz geschulter Sicherheitsbegleiter in jedem Fahrzeug.
Waymo, das in Austin vollständig fahrerlose Fahrzeuge ohne Sicherheitsbegleiter betreibt, hat landesweit mehr als 127 Millionen Meilen zurückgelegt. Forschungsdaten zeigen, dass Waymo die Zahl unfallbedingter Verletzungen im Vergleich zu menschlichen Fahrern um 80 Prozent reduziert. Das Unternehmen hat derselben NHTSA-Datenbank 51 Vorfälle in Austin gemeldet, ist in der Stadt jedoch deutlich mehr Meilen gefahren als Tesla.
Allerdings sollte man auch beachten, dass Teslas Programm in Austin im Vergleich zu Wettbewerbern, die mehrere zehn Millionen Meilen mehr zurückgelegt haben, weiterhin relativ klein ist und noch am Anfang steht. Bei frühen Einsätzen autonomer Systeme treten häufig höhere Unfallraten auf, wenn die Systeme in dicht besiedelten städtischen Umgebungen auf neue Sonderfälle stoßen. Mit zunehmender Gesamtfahrleistung können sich die Unfallraten in die eine oder andere Richtung verändern.
Reicht Sehen allein aus?
Die jüngste Serie von Unfällen lässt sogar einige Anleger an der Technologie zweifeln.
Ross Gerber, Mitgründer von Gerber Kawasaki, deutete auf X an, dass Teslas Ansatz, ausschließlich auf Kameras und visuelle Wahrnehmung zu setzen, möglicherweise überdacht werden müsse. „Es scheint nicht besser zu werden“, schrieb Gerber und fügte hinzu, „Möglicherweise muss Tesla Anpassungen an der Hardware vornehmen.“
Diese Kritik kommt zu einem heiklen Zeitpunkt. Ende Januar begann Tesla in Austin, Fahrten zu testen gänzlich ohne Sicherheitsbegleiter im Fahrzeug. Während Elon Musk weiterhin optimistisch auf eine Zukunft voller „Cybercabs“ blickt, deuten die aktuellen Daten darauf hin, dass der Weg zur vollständigen Autonomie noch etliche Schlaglöcher aufweist.
Lesen Sie auch: Zoox rief 332 Robotaxis zurück wegen eines Softwareproblems im ADS, das in der Nähe von Kreuzungen zu einem Spurwechsel führen konnte.

