Wenn Morgan Stanley recht hat, wird Apples nächstes Blockbuster-Produkt nicht in Ihre Tasche passen. Es wird neben Ihnen herlaufen.
Die Investmentbank sagt, dass Apple bis 2040 mit humanoiden Robotern jährlich 133 Milliarden US-Dollar einnehmen könnte. Damit würde eine vierte große Geschäftssparte des Unternehmens nach iPhone, Mac und Services entstehen. Die Prognose legt nahe, dass Apple innerhalb von 15 Jahren rund 9 % des weltweiten Marktes für humanoide Robotik erobern könnte.
Die Analysten von Morgan Stanley, darunter der bekannte Apple-Experte Erik Woodring, sind überzeugt, dass Apples große Reichweite bei Verbrauchern und seine vorhandene Technologie dem Unternehmen einen einzigartigen Vorteil verschaffen.
„Unter Berücksichtigung von Apples Marktanteilen bei einer Reihe führender Konsumprodukte sowie der Möglichkeit, sowohl Produkte als auch Services zu monetarisieren, schätzen wir Apples Umsatz mit Robotik in unserem ‚Median-Szenario‘, das 9 % Marktanteil in 15 Jahren annimmt, konservativ auf 130 Milliarden US-Dollar im Jahr 2040 …“, schrieb Woodring laut Yahoo Finance.
Die Bank schätzt, dass sich dieser Umsatz aus einer Mischung aus Geräteverkäufen und wiederkehrenden Abonnements für Robotersoftware, Wartung und Services ergeben wird.
Der erste Apple-Roboter könnte 2027 kommen
Humanoide Roboter waren lange Zeit auf die Science-Fiction beschränkt, doch die Technologie rückt der Realität allmählich näher. Fortschritte bei generativer KI, maschinellem Sehen und leichten Prozessoren helfen großen Tech-Unternehmen, Humanoide ernster zu nehmen.
Apple hat einen Großteil der für diesen Kurswechsel erforderlichen Technologie still und leise entwickelt. Jahrelange Forschung aus dem inzwischen eingestellten Projekt für selbstfahrende Autos, interne Robotik-Patente und die Entwicklung der Apple-Silicon-Chips haben den Grundstein gelegt.
Mark Gurman von Bloomberg berichtete kürzlich , dass Apple an einem Roboterarm für den Tisch arbeitet, der mit einem iPad-ähnlichen Display verbunden ist und sich bei der Ansprache den Nutzern zuwenden kann. Dieses Gerät könnte bereits 2027 auf den Markt kommen, als Home-Hub und digitaler Begleiter.
Nach den Prognosen von Morgan Stanley könnten US-Haushalte bis 2040 jährlich rund 415.000 humanoide Roboter anschaffen, sodass sich die Gesamtzahl auf etwa 1,6 Millionen beläuft. Der durchschnittliche Verkaufspreis wird auf rund 30.000 US-Dollar pro Roboter geschätzt, wobei Analysten davon ausgehen, dass die Kosten im Laufe der Zeit sinken werden.
Wenn Morgan Stanleys Berechnungen aufgehen, könnte Apples Robotikgeschäft die heutige Größenordnung des App Store erreichen und beim Umsatz möglicherweise die Sparten Mac und iPad übertreffen. Auf diesem Niveau würde Robotik Apples zweitgrößtes Segment werden und nur hinter dem iPhone zurückbleiben. In einem optimistischeren Szenario könnte Apples Marktanteil laut den Analysten 22 % erreichen und den Umsatz auf fast 300 Milliarden US-Dollar pro Jahr treiben.
Apples Vorteil liegt in seiner bewährten Formel – der engen Kontrolle über Hardware, Software und Services –, außerdem verfügt das Unternehmen über 130 Milliarden US-Dollar an Barreserven und eine installierte Basis von 2,3 Milliarden Geräten.
Der Wettbewerb
Apple ist bei seinen Roboterambitionen nicht allein.
Hersteller wie Foxconn planen, humanoide Roboter in Nvidias KI-Serverwerk im US-Bundesstaat Texas einzusetzen. Gleichzeitig hat Amazon mehr als 1 Million Roboter eingesetzt in seinen Logistikzentren weltweit, wobei es sich bei den meisten eher um rollende Roboter als um menschenähnliche Helfer handelt. Auch Teslas Optimus-Projekt ist im Rennen, wobei Elon Musk kürzlich schrieb, dass „80 % von Teslas Wert auf Optimus entfallen werden.“
Morgan Stanley glaubt, dass der weltweite Markt für „verkörperte KI“ – Roboter, die Intelligenz und physische Gestalt verbinden – bis 2050 5 Billionen US-Dollar erreichen könnte. Trotz des enormen Umsatzpotenzials stehen humanoide Roboter weiterhin vor großen Herausforderungen, bevor sie zu Hause Böden saugen oder Kaffee servieren können.
Zu den größten Hürden gehören die Verbesserung des maschinellen Sehens, damit Roboter Menschen und Haustiere erkennen und ihnen ausweichen können, sowie eine höhere Fähigkeit zum Umgang mit empfindlichen Gegenständen und eine Steigerung von Geschwindigkeit und Sicherheit. Auch die Erschwinglichkeit ist eine Frage. Den Preis eines Kleinwagens für einen Haushaltsroboter auszugeben, dürfte schwer zu vermitteln sein, solange die Kosten nicht deutlich sinken.
Apple hat sich öffentlich mit keinem Wort zu humanoiden Robotern geäußert. Vorerst bleibt die „Roboterrevolution“ des Unternehmens spekulativ – eine Mischung aus kühnen Prognosen und frühen technischen Anzeichen. Doch wenn die Geschichte ein Hinweis ist, hat Apple die Angewohnheit, futuristische Wetten in Alltagsprodukte zu verwandeln.
In zehn oder zwanzig Jahren beantwortet Siri vielleicht nicht nur Ihre Fragen. Vielleicht reicht sie Ihnen dann auch Ihren Kaffee.
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