Elon Musk sorgte am vergangenen Wochenende bei einem Tesla-Fan-Event in San Mateo, Kalifornien, für Aufsehen – nicht, indem er für Elektroautos warb, sondern indem er eine Zukunft skizzierte, in der humanoide Roboter Teslas Wachstum vorantreiben.
Bei seinem virtuellen Auftritt auf der „Takeover“-Party der Tesla Owners of Silicon Valley prognostizierte Musk, dass Teslas Optimus-Roboter eines Tages einen Jahresumsatz von 30 Billionen US-Dollar erwirtschaften könnten.
„Hypothetisch: Wenn Tesla eine Milliarde davon pro Jahr herstellen würde … vielleicht zu einem Preis von etwa 30.000 US-Dollar – ich rate hier nur –, wären das 30 Billionen US-Dollar Umsatz“, sagte er. Anschließend schob er eine realistische Einschätzung nach: „Der Weg von hier bis zur Produktion von einer Milliarde Robotern pro Jahr ist noch lang.“
Der Wandel des Fokus bei Tesla zeigt, wie schnell und tiefgreifend der Technologiekonzern auf KI-gesteuerte Robotik umschwenkt. Musk bezeichnete Roboter als „wahrscheinlich das größte Produkt der Welt“. Er schätzte den Markt auf 20 Milliarden Exemplare – mehr als doppelt so viele wie es heute Smartphones auf der Welt gibt.
KI ist der Motor hinter Teslas Roboterzukunft
Teslas Optimus-Roboter befindet sich derzeit in seiner dritten Version, die laut Musk nun endlich für die Serienproduktion bereit ist. Bis Ende 2025 werden einige Hundert Einheiten erwartet, 2026 soll die Produktion deutlich aggressiver hochgefahren werden. Der Grund für die Verzögerung? Eine Neugestaltung der Roboterarchitektur, die ihn besser skalierbar machen soll.
Doch die Hardware ist nur ein Teil der Geschichte. Der eigentliche Wegbereiter hinter Optimus und Teslas übergeordneter Strategie ist die KI.
„Ich habe noch nie erlebt, dass sich eine Technologie so schnell weiterentwickelt wie die KI“, sagte Musk und beschrieb sie als „Überschall-Tsunami“. Dieselbe KI steckt bereits hinter Teslas Technologie für autonomes Fahren und treibt nun auch den Vorstoß des Unternehmens in die Robotik voran. Ein kürzlich geschlossener Vertrag mit Samsung zur Herstellung von von Tesla entwickelten Chips für die Bereiche autonomes Fahren und Robotik zeigt, wie ernst es das Unternehmen mit diesem Vorhaben meint.
Auch NVIDIA-CEO Jensen Huang sieht einen künftigen Verbrauchermarkt für humanoide Roboter. Andere, etwa Shay Boloor von Futurum, weisen darauf hin, dass die Welt derzeit jährlich 50 Billionen US-Dollar für menschliche Arbeitskraft ausgibt. Das macht Roboter zu einem potenziell gewaltigen Umwälzungsfaktor, wenn es Unternehmen gelingt, „diesen Markt zu erobern“.
Spekulation trifft auf Aktienkurs
Veranstaltungen wie das Takeover mögen wie Fan-Treffen wirken, dienen aber häufig als Roadshows für Privatanleger. Anders als bei anderen Megacaps befinden sich mehr als 40 % der Tesla-Aktien im Besitz von Privatanlegern – nahezu doppelt so viele wie bei den meisten Unternehmen der Magnificent Seven, zu denen Tesla, Apple, Microsoft, Alphabet, NVIDIA, Meta und Amazon gehören.
Dieser Optimismus spiegelt sich in Teslas extrem hoher Bewertung wider. Die Aktien werden zum etwa 180-Fachen der für 2025 erwarteten Gewinne gehandelt – nur Palantir weist einen höheren Wert auf. Nachdem die Aktie des Unternehmens nach der Veröffentlichung der Quartalszahlen in der vergangenen Woche nachgegeben hatte, legte sie am Montag um 3 % zu, was teilweise durch die Ankündigung des Samsung-Chip-Deals beflügelt wurde.
Humanoide Roboter könnten die Nachfrage nach IT im Unternehmensumfeld ankurbeln
Ob Musks Träume von humanoiden Robotern jemals die Billionen-Dollar-Marke erreichen, kann niemand sagen. Sollten Tesla und andere große Akteure jedoch ernsthaft damit beginnen, die Roboterproduktion hochzufahren, wird dies die Nachfrage nach GPUs, kundenspezifischen Chips, Edge-Geräten und Cloud-Kapazitäten steigern. Das bedeutet mehr Infrastruktur, die aufgebaut, verwaltet und abgesichert werden muss – und bringt MSPs, Cloud-Solution-Provider und Systemintegratoren direkt in eine Lage voller Chancen und Druck.

