Die meisten Fahrer kontrollieren ihre Spiegel, bevor sie losfahren. Kaum jemand schaut unter das Auto.
Chinas BYD arbeitet an einem KI-System, das Fahrer warnen könnte, wenn sich ein Tier oder ein anderes Lebewesen unter einem geparkten Fahrzeug befindet. Die Technologie befindet sich noch im Patentstadium, zeigt aber, wie der Autohersteller die Fahrzeugsicherheit über Spurwarnungen und Parkkameras hinaus vorantreibt.
Ein kleiner toter Winkel unter dem Auto kann zu einem echten Sicherheitsrisiko werden – insbesondere an Orten, an denen Katzen, Hunde oder herrenlose Tiere unter geparkten Fahrzeugen Schutz vor Kälte oder Sonne suchen.
So funktioniert das System
Laut ITHome beginnt das KI-System damit, nach dem Ausschalten des Fahrzeugs ein Bild vom unteren Bereich des Autos aufzunehmen. Dieses Bild dient als Referenz – fast wie ein „Vorher“-Foto.
Bevor sich das Fahrzeug wieder bewegt, wird ein neues Echtzeitbild mit der gespeicherten Referenz verglichen. Jeder Bereich, der anders aussieht, wird zur genaueren Prüfung markiert.
Der Vergleich hilft der Software, nicht jeden Schatten, Schmutzfleck, jedes Blatt oder jedes Stück Straßenschmutz als neues Problem einzustufen. Indem die Suche auf veränderte Bereiche eingegrenzt wird, kann sich das System auf Dinge konzentrieren, die aufgetaucht sein könnten, nachdem das Auto geparkt wurde.
Sobald ein veränderter Bereich erkannt wird, analysiert die Software diese Stelle, um festzustellen, ob es sich um ein Lebewesen wie ein Tier oder einen Menschen oder um gewöhnlichen Straßenschmutz handeln könnte.
BYD nimmt auch den Innenraum des Autos in den Blick
BYD überträgt diese Sicherheitsidee auch auf den Innenraum.
ITHome berichtete, dass das Unternehmen zuvor außerdem ein Patent zur Erkennung von Personen angekündigt hatte, die in einem Fahrzeug zurückgelassen wurden. Statt Kameras nutzt das Innenraumsystem Radarsignale, um zu prüfen, ob sich noch jemand im Auto befindet.
Ein System überwacht den Bereich rund um das Fahrzeug mithilfe von Bildgebung und Computer Vision. Ein anderes überprüft den Innenraum mittels radarbasierter Sensorik.
Beide Patente weisen in dieselbe Produktrichtung: Fahrzeuge, die unterschiedliche Sensoren nutzen für verschiedene Sicherheitsprobleme – von Kameras außerhalb des Autos bis zu Radar im Innenraum.
Chinas intelligente Autos konkurrieren um mehr als nur Reichweite
Der chinesische Elektroautomarkt ist bereits voll mit Autos, die KI und Software nutzen, um schneller auf Fahrer zu reagieren.
Auf der Auto China 2026 in Peking erklärte Xpeng, dass sein neuestes KI-Modell auf Befehle wie „parke in der Nähe des Eingangs zum Einkaufszentrum“ reagieren könne, während Xiaomi ein KI-gestütztes Betriebssystem präsentierte, das erkennen kann, wenn Fahrer gestresst wirken, und Beleuchtung und Musik anpasst, berichtete The Guardian.
Die Patente von BYD führen diese Idee in eine stärker auf Sicherheit ausgerichtete Richtung. Statt zu fragen, was ein Auto für Komfort oder Bequemlichkeit leisten kann, untersucht das Unternehmen, ob Sensoren die Momente erkennen können, die Menschen übersehen – etwa ein friedlich neben einem geparkten Auto schlafendes herrenloses Tier oder ein Kind, das an einem geschäftigen Tag im Fahrzeug zurückgelassen wurde –, und zwar früh genug, um einen Unfall zu verhindern oder ein Leben zu retten.
Die eigentliche Herausforderung für Fahrer und Autohersteller
Falls BYDs Erkennungsfunktion für den Bereich unter dem Auto in die Serienproduktion gelangt, wird die entscheidende Frage sein, ob die Fahrer ihr genug vertrauen, um zu handeln.
Eine Warnung hilft nur, wenn sie zuverlässig wirkt. Häufige Fehlalarme könnten dazu führen, dass Fahrer die Warnung ignorieren, während nicht erkannte Gefahren das Vertrauen in die Funktion untergraben könnten.
Autohersteller müssten außerdem entscheiden, wie die Warnung angezeigt werden soll. Ein kleines Symbol auf dem Armaturenbrett könnte leicht übersehen werden. Eine lautere Warnung wiederum könnte Fahrer frustrieren, wenn sie zu häufig erscheint.
Die Sicherheit künftiger Autos könnte ebenso stark von der Reaktion der Fahrer abhängen wie von der Erkennung selbst. Ein Risiko zu erkennen, ist nur ein Teil der Herausforderung; ob jemand die Warnung bemerkt und rechtzeitig reagiert, wird darüber entscheiden, ob Funktionen wie diese im Alltag funktionieren.
Weiterführende Lektüre: Ein chinesisches Cybersicherheitsunternehmen erklärt, sein neues KI-Tool konkurriere mit Anthropic’s Mythos, doch eine externe Validierung steht weiterhin aus.

