Die Hände eines Chirurgen könnten schon bald weiter nach Europa reichen, ohne dass der Chirurg den Operationssaal betritt.
Der Operationsroboter Toumai Remote von Shanghai MicroPort MedBot hat die EU-Zulassung erhalten und damit Zugang zu einem der weltweit genauesten beobachteten Märkte für Medizinprodukte bekommen.
Der Meilenstein führt Chinas Ambitionen im Bereich der medizinischen Robotik in eine härtere globale Arena, in der Präzision, Sicherheit und Vertrauen ebenso wichtig sind wie technischer Ehrgeiz.
„Der erste ferngesteuerte Operationsroboter, der die CE-Kennzeichnung erhalten hat“
Toumai Remote hat die CE-Kennzeichnung der EU erhalten, die erforderlich ist, damit ein Produkt im gesamten Staatenbund verkauft und eingesetzt werden darf.
MedBot bezeichnete Toumai als „den ersten ferngesteuerten Operationsroboter mit CE-Kennzeichnung“, berichtete die South China Morning Post, und erklärte, die Zulassung bedeute, dass Europa „Teleoperation rechtlich als sicheren, effektiven und kommerziell tragfähigen medizinischen Ansatz anerkennt“.
MedBot zufolge deckt die Zulassung ferngesteuerte laparoskopische Eingriffe in der Urologie, der Allgemeinchirurgie, der Thoraxchirurgie und der Gynäkologie ab.
An die Fernchirurgie werden hohe Anforderungen gestellt, da das System eine präzise chirurgische Steuerung über große Entfernungen ermöglichen muss.
Toumai lässt den Chirurgen die Kontrolle behalten
Toumai ist zwar ein ferngesteuerter Operationsroboter, aber nicht autonom.
Ein Chirurg arbeitet an einer Konsole und steuert damit die Roboterarme neben dem Patienten. MedBot zufolge besteht Toumai aus drei Hauptkomponenten: einer Chirurgenkonsole, einem Patientenwagen und einem Sichtwagen.
Der Roboter ist für minimalinvasive laparoskopische Eingriffe ausgelegt, bei denen Instrumente durch kleine Schnitte in den Körper eingeführt werden. Sein Fernmodus kann über 5G, Breitband, dedizierte Glasfaserverbindungen oder Satelliteninfrastruktur betrieben werden.
Fernoperationen erhöhen den Schwierigkeitsgrad. Das System muss die Bewegungen des Chirurgen mit minimaler Verzögerung übertragen, das Operationsbild stabil halten und während des Eingriffs zuverlässige Verbindungen aufrechterhalten. Ein Team auf Patientenseite muss weiterhin im Raum anwesend sein und den Eingriff unterstützen können, falls die Verbindung oder die Ausrüstung ausfällt.
Ein Eingriff über 2.400 km demonstrierte das System in der Praxis
Noch vor der EU-Zulassung war Toumai bereits bei einer Operation über große Distanz eingesetzt worden.
Im März entfernte ein Chirurg in London die Prostata eines Krebspatienten in Gibraltar, etwa 2.400 km entfernt. Bei dem Eingriff kamen Glasfaserkabel mit einer 5G-Backup-Verbindung zum Einsatz; ein lokales medizinisches Team stand bereit.
Die Verbindung blieb während der gesamten Operation bestehen.
Ein neuer Weg für spezialisierte Versorgung in Europa
Der Eingriff zwischen London und Gibraltar zeigt auch, warum Fernchirurgie in EMEA relevant sein könnte.
Gibraltar hat ein Krankenhaus. Patienten mit komplexeren Erkrankungen müssen für eine Behandlung häufig ins Ausland reisen, was einen ohnehin belastenden Prozess um Zeit, Kosten und medizinische Risiken erweitert. In diesem Fall blieb der Patient vor Ort, während stattdessen die Expertise des Chirurgen die Grenze überquerte.
Das ist das Versprechen, das Europa nun in der Praxis prüfen muss. Die EU-Zulassung eröffnet Toumai einen regulierten Weg in Krankenhäuser, doch die Einführung wird von mehr abhängen als einer CE-Kennzeichnung. Gesundheitssysteme benötigen zuverlässige Verbindungen, geschulte Teams auf Patientenseite, klare Notfallprotokolle und genügend Vertrauen unter Ärzten und Patienten, damit sich dieses Modell über medienwirksame Eingriffe hinaus etablieren kann.
Wenn Krankenhäuser diese Hürden überwinden können, könnte Fernchirurgie mehr werden als eine technische Demonstration. Sie könnte kleineren oder schwer erreichbaren Gemeinschaften einen neuen Zugang zu spezialisierter Versorgung ermöglichen, bevor die geografische Lage zur ersten Behandlungshürde wird.
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