JD.com-Gründer Richard Liu nennt einen unverblümten Zeitplan für die Zukunft der Zustellarbeit: Sobald Roboter einsatzbereit sind, könnten viele Kuriere nicht mehr benötigt werden.
Auf dem APEC CEO Forum 2026 in Peking sagte Liu laut der Financial Times, Zusteller würden „im Grunde nicht mehr benötigt“, sobald robotergestützte Zustellsysteme ausgereift seien. JD.com stellt den Wandel jedoch nicht als einfachen Plan zum Stellenabbau dar. Das Unternehmen erklärt, es arbeite mit Schulen in China zusammen, um Beschäftigte für technische Aufgaben im eigenen Betrieb umzuschulen.
Die entscheidende Frage ist, ob die Umschulung mit der Automatisierung bei JD.com Schritt halten kann – einem Unternehmen, dessen Größenordnung dazu führen könnte, dass sich Hunderttausende Beschäftigte irgendwann im Weg von Robotern wiederfinden.
Die Belegschaft von JD.com
Um die Tragweite von Lius Äußerungen zu verstehen, lohnt sich ein Blick auf die Belegschaft von JD.com.
Laut European Business Magazine beschäftigte JD.com am 31. März 2026 mehr als 900.000 Menschen. Rund 700.000 von ihnen arbeiten in der Zustellung und der Logistik an vorderster Front – damit ist die Automatisierung unmittelbar auf eine der größten Beschäftigtengruppen des Unternehmens gerichtet.
Anders als viele Wettbewerber setzt das Unternehmen weniger auf ausgelagerte Auftragnehmer und wickelt einen großen Teil seiner Geschäfte intern ab.
Für ein Unternehmen dieser Größe ist Automatisierung mehr als eine Maßnahme zur Kostensenkung; sie ist eine zentrale operative Strategie.
Beschäftigte auf die Automatisierung vorbereiten
Während Liu die Zukunft der Zustellarbeit direkt ansprach, schlug er einen Plan vor, der auf Umschulung statt auf sofortige Entlassungen setzt.
Im Rahmen dieses Plans erhalten Zusteller Schulungen für Aufgaben in der Wartung und Instandhaltung von Robotern. European Business Magazine zufolge wird die Initiative außerdem 183 neue Arten von Tätigkeiten an vorderster Front schaffen. Unklar bleibt jedoch, ob diese Positionen ausreichen werden, um die durch die Automatisierung verdrängten Beschäftigten aufzufangen.
Lius Äußerungen stehen im Einklang mit einer breiteren Debatte in China
Lius Äußerungen erfolgen außerdem zu einem Zeitpunkt, an dem chinesische Behörden genauer untersuchen, wie Unternehmen KI am Arbeitsplatz einsetzen.
The Financial Times berichtete unter Berufung auf Daten des China New Employment Forms Research Center, dass China in diesem Jahr voraussichtlich rund 320 Millionen Beschäftigte in der Gig-Economy haben wird – gegenüber 200 Millionen vor fünf Jahren. Gleichzeitig lag die Jugendarbeitslosigkeit im April bei 16,3 %, was die möglichen Folgen eines groß angelegten Stellenabbaus verdeutlicht.
Diese Sorge findet bereits Eingang in die Gerichtssäle. In einem aktuellen Fall ordnete ein chinesisches Gericht Berichten zufolge eine Entschädigung für einen Beschäftigten an, der entlassen worden war, nachdem er eine mit einer KI-gesteuerten Umstrukturierung verbundene Herabstufung und Gehaltskürzung abgelehnt hatte.
JD.com steht nun vor der Herausforderung, Automatisierung mit Lius Versprechen in Einklang zu bringen. Für andere Unternehmen könnte die Initiative je nach Erfolg von JD.com entweder zu einem nachahmenswerten Modell oder zu einer warnenden Geschichte werden.
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