IBM und Lockheed Martin gaben am 10. September bekannt, dass die Schweiz ihr erstes IBM Quantum System Two erhalten wird. Die Installation am Swiss National Supercomputing Centre (CSCS) der ETH Zürich in Lugano ist bis Ende 2026 geplant.
Die Bereitstellung wird über eine Offset-Vereinbarung zwischen Lockheed Martin und armasuisse, dem Bundesamt für Rüstung der Schweiz, finanziert.
Die ETH Zürich wird den Zugang für Forschende, andere Schweizer Hochschulen und ausgewählte Schweizer Unternehmen koordinieren. Wie diese Unternehmen ausgewählt werden, was der Zugang kosten wird oder wie die Rechenkapazität verteilt wird, hat sie jedoch noch nicht veröffentlicht.
So soll das Schweizer Quanten-Zentrum funktionieren
IBM zufolge wird das dedizierte System Two von IBMs Nighthawk-r2-Prozessor angetrieben und von IBM betrieben. Das CSCS wird das System beherbergen und Stromversorgung, Kühlung, Sicherheit sowie weitere technische Infrastruktur bereitstellen, während die ETH Zürich den Zugang koordiniert.
Organisationen, die über die ETH Zürich dem Swiss Quantum Innovation Hub beitreten, erhalten zunächst Cloud-Zugang zu IBMs globalem Quantenrechner-Verbund. Sobald das System in Lugano betriebsbereit ist, können die Teilnehmer auch die dedizierte Schweizer Maschine nutzen.
Die ETH Zürich erklärt, dass ihre Vereinbarung mit IBM die Installation und den Betrieb für einen anfänglichen Zeitraum von drei Jahren bis 2029 umfasst. Als potenzielle Nutzer nennt sie Forschende aus dem ETH-Bereich, anderen Schweizer Hochschulen und ausgewählten Schweizer Unternehmen.
Nighthawk r2 verfügt laut IBM über 120 programmierbare Qubits und kann mehr als 100.000 Schaltkreise pro Sekunde ausführen – bis zu 25-mal so viele wie die Prozessoren der Heron-Familie. IBM erklärt außerdem, dass der Prozessor genaue Berechnungen für Schaltkreise mit mehr als 7.500 Gattern demonstriert hat.
Das System wird in der Nähe des Alps-Supercomputers des CSCS stehen und Forschenden damit die Untersuchung quantenklassischer Workflows ermöglichen. Ähnliche Vorhaben platzieren Quantenhardware neben konventioneller Rechenzentrums- und Hochleistungsrechner-Infrastruktur.
Ergebnis der eWeek-Recherche: Beim Unternehmenszugang fehlen weiterhin wichtige Details
Die ETH hat ausgewählte Schweizer Unternehmen als potenzielle Nutzer benannt. Die öffentlich verfügbaren Bedingungen erklären jedoch nicht, wie Unternehmen tatsächlich Rechenzeit auf der Maschine erhalten.
Mehrere Details sind weiterhin ungeklärt:
- Auswahl: Die ETH hat die Kriterien, nach denen sie teilnehmende Unternehmen auswählen will, noch nicht veröffentlicht.
- Preis: Weder IBM noch die ETH haben bekannt gegeben, wie viel externe Organisationen für den Zugang zum dedizierten System bezahlen müssen.
- Kapazität: Es gibt keine veröffentlichten Garantien dazu, wie viel Rechenzeit ein Unternehmen erhalten könnte oder ob sich wiederkehrende Kapazitäten reservieren lassen.
- Eigentumsverhältnisse: Aus den Ankündigungen geht weder hervor, wem das installierte System gehören wird, noch wie hoch der Wert der Offset-Vereinbarung mit Lockheed Martin ist.
Diese Lücken erschweren es Unternehmen, ihre Planung auf die neue Infrastruktur auszurichten. Ein Start-up kann derzeit nicht feststellen, ob Quantencomputing vor Ort in sein Entwicklungsbudget passt. Ein Großunternehmen kann zudem nicht berechnen, ob für langfristige Projekte ausreichend Kapazität zur Verfügung stehen wird – und nicht nur für gelegentliche Experimente.
Auch die Infrastruktur rund um den Prozessor wird zu einem immer größeren Bestandteil von Quanteninvestitionen. Bei jüngeren US-amerikanischen Quantenförderungen standen Kryotechnik, Fertigung, Optik und Steuerelektronik für konkurrierende Architekturen im Mittelpunkt. IBM baut separat die kryogene Infrastruktur aus, die für das fehlertolerante Starling-System erforderlich ist, das das Unternehmen für 2029 anvisiert.
Lockheed Martin und IBM planen außerdem Forschungsprojekte zu Quantensensorik für die Navigation und zur additiven Fertigung von Metalllegierungen. Über Ressourcen des IBM Quantum Network und der IBM Quantum Platform wird das Zentrum Schulungen anbieten, darunter Lehrveranstaltungen, Zertifizierungen, Workshops, Hackathons und Konferenzen.
Die Schweiz hat sich Hardware, Standort, Betreiber und Finanzierungsmechanismus gesichert. Wie die ETH Unternehmen auswählt und den Zugang verteilt, wird bestimmen, wie weit diese neue Rechenkapazität über die akademische Welt hinaus zum Einsatz kommt.
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