Einige der größten Stars Hollywoods haben sich in einem Zusammenschluss formiert, der zum folgenschwersten Rechtsstreit gegen KI-Unternehmen werden könnte.
Scarlett Johansson, Cate Blanchett und Joseph Gordon-Levitt unterstützen eine große Kampagne gegen KI-Unternehmen wegen dessen, was sie als unverhohlenen Diebstahl prominenter Stimmen und Abbilder bezeichnen.
Sie beschuldigen nicht namentlich genannte Tech-Giganten des „Diebstahls“ und fordern die Unternehmen auf, beim Zugriff auf künstlerische Inhalte „ethische“ Partnerschaften anzustreben. Der Brief stellt einen der bislang koordiniertesten Widerstände Hollywoods gegen die Ausbeutung durch KI dar.
Dieser jüngste Schritt kommt nach Johannsons explosiver Konfrontation mit OpenAI im Mai 2024. Damals warf sie dem Unternehmen vor, für ChatGPT eine Stimme geschaffen zu haben, die ihrer „unheimlich ähnlich“ sei, nachdem sie sich geweigert hatte, diese zu lizenzieren. OpenAI setzte die Stimme aus, wies jedoch jedes Fehlverhalten zurück und erklärte, sie stamme von einer anderen Schauspielerin.
Die Rebellion von Prominenten gegen KI-Unternehmen nimmt gerade explosionsartig zu. Daten der Federal Trade Commission aus der Mitte des Jahres 2024 zeigen, dass Betrugsmaschen mit Identitätsvortäuschung die US-Bevölkerung allein 2024 um 2,95 Milliarden US-Dollar gebracht haben. Noch alarmierender: Untersuchungen von Deloitte ergaben, dass KI inzwischen für mehr als 42 % aller Betrugsfälle verantwortlich ist. Technologien zum Klonen von Stimmen benötigen dabei nur drei Sekunden Audiomaterial, um die Stimme einer Person perfekt zu imitieren.
Der Deepfake-Albtraum
Das Problem des Stimmendiebstahls durch KI hat neue Ausmaße angenommen, die den meisten Menschen nicht einmal bewusst sind. Beispiele dafür sind ein Finanzmitarbeiter in Hongkong, der nach einem Deepfake-Videoanruf 25,6 Millionen US-Dollar verlor, sowie drei kanadische Männer, die durch KI-generierte Betrugsmaschen mit Empfehlungen von Prominenten mehr als 273.000 US-Dollar verloren.
Die Technologie ist auf beunruhigende Weise leicht zugänglich und profitabel geworden. Untersuchungen des Darknets im vergangenen Sommer ergaben, dass Betrugssoftware für nur 20 US-Dollar verkauft wurde und KI-Betrugsmaschen in weniger als zwei Minuten live gehen konnten. Branchendaten zeigen, dass sich die Zahl der Betrugsmaschen mit generativer KI zwischen Mai 2024 und April 2025 vervierfachte. In der ersten Hälfte des Jahres 2024 kamen täglich mehr als 38.000 neue Betrugsseiten hinzu.
Die Plattform Sora von OpenAI startete erst vor wenigen Monaten als das, was Kritiker als „eine App bezeichnen, die einzig und allein dafür geschaffen wurde, Deepfakes zu erstellen, zu veröffentlichen und zu remixen“. Das erste virale Video zeigte OpenAI-CEO Sam Altman beim Ladendiebstahl in einem Target-Markt – eine Fälschung, die sich in den sozialen Medien verbreitete, bevor irgendjemand ihre Echtheit überprüfen konnte.
Gerechtigkeit für Millionen
Die Auswirkungen gehen weit über die Persönlichkeitsrechte von Prominenten hinaus. Rechtsexperten warnen, dass KI-generierte Beweise unschuldige Menschen belasten könnten, während die „Deepfake-Verteidigung“ echten Kriminellen ermöglicht zu behaupten, authentische Beweise seien gefälscht. Bundesgerichte tun sich seit zwei Jahren mit den Regeln für KI-Beweise schwer; in den meisten Gerichtssystemen fehlen noch immer klare Richtlinien zur Authentifizierung von Videos.
Das Phänomen der „Lügnerdividende“ zeichnet sich bereits ab: Dabei nutzen böswillige Akteure allein die Möglichkeit aus, dass jedes Video gefälscht sein könnte. Randalierer könnten behaupten, echte Beweise gegen sie seien KI-generiert. Gleichzeitig könnten Fehler bei der Gesichtserkennung zu unrechtmäßigen Verhaftungen führen.
Der Aufstand der Prominenten
Die rechtliche Drohung der Hollywood-Größen gegen OpenAI dreht sich nicht nur um Egos – sie entwickelt sich zum Vorbild für den Schutz der digitalen Identität aller Menschen. SAG-AFTRA unterstützt den No Fakes Act, ein Bundesgesetz, das Stimme und Abbild landesweit zu einem geistigen Eigentumsrecht machen würde.
Der Präzedenzfall existiert: Bette Midler verklagte Ford erfolgreich in einem Fall, der den Supreme Court erreichte, nachdem das Unternehmen für einen Werbespot eine Imitatorin engagiert hatte. Tom Waits gewann 1988 einen ähnlichen Fall gegen Frito-Lay. Rechtsexperten halten Johannsons Position angesichts der wiederholten Versuche von OpenAI, sie zu engagieren, und eines Tweets von CEO Sam Altman, in dem er auf ihren Film „Her“ Bezug nahm, für „ziemlich stark“.
Doch der Streit weitet sich über Einzelfälle hinaus aus. Eine Sammelklage gegen das KI-Startup LOVO, die im Mai 2024 eingereicht wurde, stellt die erste große rechtliche Anfechtung dar, bei der es darum geht, dass KI-Unternehmen ihre Systeme ohne Zustimmung anhand der Stimmen von Prominenten trainieren. Tennessee hat bereits strafrechtliche Sanktionen für das Imitieren von Stimmen durch KI verabschiedet, während die neue Impersonation Rule der FTC Geldstrafen von bis zu 53.088 US-Dollar pro Verstoß vorsieht.
Unsere digitale Zukunft
OpenAI hat ein „Media Manager“-Tool angekündigt, mit dem Urheber der Nutzung ihrer Inhalte zum KI-Training widersprechen können. Kritiker verweisen jedoch auf den Ansatz des Unternehmens, erst um Verzeihung und nicht um Erlaubnis zu bitten. Innerhalb eines Tages nach dem Start von Sora wurden online Tools zum Entfernen von Wasserzeichen beworben, während einige Nutzer damit begannen, echten Videos gefälschte Sora-Wasserzeichen hinzuzufügen.
Die Fronten sind geklärt: Prominente und Rechtsexperten fordern bundesweiten Schutz für die Rechte an der digitalen Identität, während KI-Unternehmen die faire Nutzung öffentlich verfügbarer Inhalte für sich beanspruchen.
Jeffrey Bennett von SAG-AFTRA sagt, es „müsse eine bundesweite Lösung geben“, da Deepfakes begännen, „jeden zu beeinträchtigen“. Während Führungskräfte aus Hollywood ihre Partnerschaften mit OpenAI überdenken und sich die rechtlichen Auseinandersetzungen häufen, könnte der Ausgang dieses Aufstands der Prominenten darüber entscheiden, ob Ihre Stimme, Ihr Gesicht und Ihre digitale Identität Ihr Eigentum bleiben – oder zu kostenlosen Inhalten werden, die KI-Unternehmen ausbeuten können.
Die Stimme von Matthew McConaughey ist sofort erkennbar. Sagt man drei Worte, können die meisten Menschen ihn bereits hören. Genau deshalb zieht der Schauspieler eine klare rechtliche Grenze.

