Der gefeierte Regisseur David Cronenberg äußerte sich zur Kontroverse um den Einsatz von KI in dem Oscar-nominierten Film „The Brutalist“. Er machte diese Bemerkungen vergangenen Monat während eines ausführlichen Gesprächs mit seinem langjährigen Weggefährten und Komponisten Howard Shore sowie Jon Burlingame in der Royal Festival Hall in London.
Cronenberg hält den KI-„Skandal“ nicht nur für maßlos aufgebauscht, sondern mutmaßte auch, er könnte Teil einer Schmutzkampagne gewesen sein, die darauf abzielte, die Chancen des Films bei den Oscars zu verringern. „Ich glaube, es war eine Kampagne gegen ‚The Brutalist‘, die von einigen anderen Oscar-Nominierten ausging. Das ist sehr typisch für die Art von Harvey Weinstein, auch wenn er nicht mehr da war“, sagte er.
Oscar-Kontroverse um „The Brutalist“
Zu Beginn der Preisverleihungssaison galt „The Brutalist“ weithin als Favorit auf mehrere Oscars, darunter den Preis für den besten Film. Doch sein Aufwind ließ nach, als der Filmeditor Dávid Jancsó enthüllte, dass das Produktionsteam ein KI-Modell eingesetzt hatte, um die Aussprache des ungarischen Dialogs im Film zu korrigieren und wichtige Grafiken für eine entscheidende Schlussszene zu erstellen.
Jancsó wurde vielfach mit der Aussage zitiert, dass Ungarisch trotz des Sprachcoachings für die Schauspieler für Nichtmuttersprachler bekanntermaßen eine äußerst schwierige Sprache bleibe. Zunächst hatte das Team versucht, die Aussprache in einer entscheidenden Szene mithilfe einer automatischen Dialognachbearbeitung (ADR) zu korrigieren, war damit jedoch erfolglos. Schließlich griff es auf ein KI-Tool namens Respeacher zurück, mit dem die Schauspieler beim Sprechen auf Ungarisch aufgenommen und anschließend die Silben an den erforderlichen Stellen dezent angepasst werden konnten.
„Das gehört einfach zum Filmemachen dazu.“
Während viele Onlinekritiker den Einsatz von künstlicher Intelligenz in „The Brutalist“ verurteilten, sagte Cronenberg, der Vorfall sei übertrieben aufgebauscht worden und solche Änderungen kämen beim Filmschnitt ständig vor. Als Beispiel nannte er sein romantisches Filmdrama „M. Butterfly“, genauer gesagt die von John Lone gespielte Figur Song Liling.
„Wir verändern die Stimmen von Schauspielern ständig. Als [John Pone] diese Figur, diesen Sänger, spielte, habe ich die Tonhöhe seiner Stimme angehoben, und als sich herausstellte, dass er ein Mann ist, habe ich sie auf seine natürliche Stimme abgesenkt. Das gehört einfach zum Filmemachen dazu“, sagte Cronenberg.
Wie schnitt „The Brutalist“ bei den Oscars ab?
„The Brutalist“ nahm schließlich drei Oscars mit nach Hause: den Preis für den besten Hauptdarsteller für Adrien Brody, den Preis für die beste Filmmusik und den Preis für die beste Kamera. In sieben weiteren Kategorien, darunter wichtige Auszeichnungen wie bester Film, beste Regie und bester Schnitt, ging der Film jedoch leer aus.
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