Laut Gartner ist der weltweite Markt für öffentliche Cloud-Dienste im Jahr 2020 um 40,7 % gewachsen. Doch trotz ihrer heutigen Allgegenwärtigkeit kann eine Cloud-Migration komplizierte und oft anspruchsvolle Schritte umfassen, insbesondere im Hinblick auf die Sicherheit von Systemen und Daten.
Sicherheit. Es ist daher entscheidend, zu verstehen, wie sich diese Aufgabe angehen lässt, die Angriffsfläche klar zu identifizieren und zu wissen, welche konkreten Schritte sich unternehmen lassen, um Daten effektiver abzusichern.
Doch zu viele Unternehmen überspringen entscheidende Schritte und verwenden bei der übereilten Bereitstellung von Clouds oder der Einführung von Lösungen nicht den richtigen strategischen Rahmen. Deshalb sind sie nicht in der Lage:
- Zu unterscheiden, wo sich wichtige Ressourcen befinden
- Zu erkennen, welche Datensätze gefährdet sind
- Zu verstehen, wie sich alles – von Identitäten bis hin zur Governance – von Altsystemen in die Cloud übertragen lässt
Das Ergebnis ist ein höheres Risikoprofil und eine größere Angriffsfläche, die geschützt werden muss. Sehen wir uns die Details an.
Identitätskrise
Ein Ausgangspunkt für die sichere Migration in die Cloud besteht darin, die eigene Angriffsfläche und die dadurch entstehenden Schwachstellen zu kennen.
Traditionell haben Unternehmen die Sicherheit durch die Implementierung eines Cloud-Access-Security-Brokers (CASB) gewährleistet. Dieser befindet sich zwischen lokalen Systemen und der Cloud und fungiert als Verkehrspolizist für Daten, die über das Netzwerk fließen. Ein CASB trägt dazu bei, den Endbenutzerzugriff auf SaaS-Anwendungen wie Salesforce.com und Microsoft Outlook 365 abzusichern.
Natürlich sind CASBs nicht der einzige Ansatz. Um private Anwendungen zu schützen, die auf AWS, Azure und GCP ausgeführt werden, sind Tools für das Cloud Security Posture Management (CSPM) entstanden. Sie erkennen Fehlkonfigurationen wie öffentlich zugängliche Datenbanken.
CSPM berücksichtigt jedoch nicht die mit Identitäten und deren Berechtigungen verbundene Angriffsfläche. So sind beispielsweise rund 80 % der Cloud-Berechtigungen völlig unnötig. Dieses Problem erstreckt sich häufig über Geschäftseinheiten und geografische Regionen hinweg. Außerdem nehmen mit der Zahl der Cloud-Beteiligten sowie mit abgeschotteten Clouds und Schatten-IT auch die Komplexität und die Risiken zu – mitunter exponentiell.
Es ist wichtig, zwischen SaaS-Anwendungen und Cloud-Infrastruktur, also IaaS und PaaS, zu unterscheiden. Im Allgemeinen gelten SaaS-Anwendungen als sicherer, da der Cloud-Dienstanbieter für die Absicherung der Infrastruktur und ihrer Konfigurationen verantwortlich ist. Für die Sicherheit von IaaS und PaaS ist hingegen die Endbenutzerorganisation verantwortlich.
Sehen wir uns die Risiken und Sicherheitsherausforderungen an, die mit dem Schutz der Cloud-Infrastruktur in AWS, Google Cloud Platform, Microsoft Azure und anderen Clouds verbunden sind.
Ein Identitätsmodell mit geringsten Berechtigungen
Es ist entscheidend, eine grundlegende Tatsache anzuerkennen: Risiko ist kein Maßstab im Vergleich zur Perfektion, sondern ein pragmatischer Gradmesser für die tatsächlichen Gefahren, denen ein Unternehmen zu einem bestimmten Zeitpunkt ausgesetzt ist.
Eine Umgebung ohne jedes Risiko lässt sich nicht erreichen, solange man nicht das Unternehmen schließt. Ebenso wichtig ist die Erkenntnis, dass Cloud-Dienstanbieter zwar einen Teil der Verantwortung für die Sicherheit übernehmen, die meiste Verantwortung für den Schutz der eigenen Systeme und Daten jedoch bei einem Unternehmen liegt.
Was ist die Antwort? Es ist entscheidend, nach einem Identitätsmodell mit geringsten Berechtigungen zu arbeiten und unnötige Berechtigungen sowie Fehlkonfigurationen zu beseitigen. Dieser Ansatz – als bewährte Sicherheitshygiene verstanden – muss die gesamte Cloud-Umgebung umfassen.
In dieser Umgebung lassen sich Multi-Cloud-Ressourcen und Zugriffsbeziehungen einsehen, riskante Berechtigungen priorisieren und beheben, strengere Governance- und Compliance-Standards etablieren und letztlich die Angriffsfläche eines Unternehmens sowie das Risiko lateraler Angriffe radikal reduzieren.
Wenn ein Unternehmen dieses Maß an Transparenz und Automatisierung erreicht, kann es den Regler von reaktiv auf proaktiv verschieben. Cloud-Migrationen drehen sich dann nicht mehr ausschließlich um eine Sammlung von Ad-hoc-Sicherheitstools, die Probleme möglicherweise erkennen – oder auch nicht. Stattdessen kann ein Unternehmen die Konfiguration und Identitätsgovernance innerhalb der gesamten Infrastruktur automatisieren und verbessern.
Letztlich beseitigt dieser Ansatz die beiden Hauptursachen für Sicherheitslücken während einer Cloud-Migration: Identitätsfehler und Fehlkonfigurationen. Zwar lässt sich das Risiko nicht vollständig ausschalten, doch dieser Fokus auf Identitäten, ihre Berechtigungen und Konfigurationen bietet das höchstmögliche Schutzniveau.
Über den Autor:
Arick Goomanovsky, Chief Business Officer von Ermetic

