„Modernisierung“ und „Legacy“ gehören zu den am häufigsten verwendeten und missbrauchten Begriffen in der Technologiebranche.
Wie das? Einerseits beschreiben sie – wenn auch vereinfachend – zutreffend die technischen und marktbezogenen Dynamiken einer zukunftsorientierten Branche, die schnell Innovationen und Produkte entwickelt, um Leistung und Benutzererfahrung zu verbessern.
Andererseits spiegeln die Begriffe die langjährige Obsession der Branche wider, neue Produkte zu entwickeln, zu vermarkten und daraus Profit zu schlagen – bis hin zu der oft unbelegten Behauptung, sie seien den Lösungen überlegen, die bereits in den Rechenzentren der Kunden im Einsatz sind.
Noch wichtiger ist, dass sie bestehende Lösungen und Plattformen kontinuierlich weiterentwickelt, um sicherzustellen, dass sie für die Anforderungen moderner Unternehmen relevant bleiben. Ein gutes Beispiel für eine solche Initiative ist IBMs neues watsonx Code Assistant for Z.
Modernisierung versus Legacy-Hype
Dass „neu“ nicht automatisch „besser“ bedeutet, ist eine praktische Weisheit, die man in der Werbesprache der Technologiebranche selten, wenn überhaupt, findet. Stattdessen preisen Anbieter glänzende neue Dinge an und behaupten, die Hardware und Systeme dieses Jahres seien früheren Generationen überlegen.
Natürlich bieten neue oder Prozessoren der nächsten Generation, Speichermedien, Verbindungen und andere Technologien typischerweise eine bessere und/oder effizientere Leistung. Der Nutzen davon, bestehende oder ältere Systeme herauszureißen und durch neue Hardware zu ersetzen, wird jedoch meist stark überschätzt und ähnelt oft dem Versuch, „etwas zu reparieren, das nicht kaputt ist“. Der Prozess ist für Kunden außerdem teuer, bisweilen sogar enorm teuer, da Kosten für Systemintegration, Software-Upgrades sowie die Umschulung und Zertifizierung von IT-Mitarbeitern anfallen.
Darüber hinaus können Generationswechsel es für Unternehmen zunehmend schwieriger machen, neue Systemadministratoren, Entwickler und Techniker zu finden, wenn bestehende Mitarbeiter altersbedingt ausscheiden. Wie in den meisten anderen Branchen bevorzugen jüngere Arbeitskräfte typischerweise die Erkundung und Nutzung neuer und aufkommender Technologien.
Dieses Szenario will IBM mit seinem neuen watsonx Code Assistant for Z abmildern und vermeiden.
Was ist das? Nach Angaben des Unternehmens handelt es sich bei der neuen Lösung um ein von generativer KI unterstütztes Produkt, das eine schnellere Übersetzung von COBOL in Java auf IBM Z ermöglichen und Entwicklern dadurch Zeit sparen sowie ihre Produktivität steigern soll. Außerdem ergänzt es IBM watsonx Code Assistant for Red Hat Ansible Lightspeed (dessen Veröffentlichung für später in diesem Jahr geplant ist) innerhalb der watsonx Code Assistant-Produktfamilie.
Beide Lösungen nutzen IBM’s watsonx.ai code model, das nach Angaben des Unternehmens über Kenntnisse in 115 Programmiersprachen verfügen wird, die aus 1,5 Billionen Tokens erlernt wurden. IBM zufolge wird das watsonx.ai-Code-Modell mit 20 Milliarden Parametern eines der größten generativen KI-Grundlagenmodelle für die Automatisierung von Computercode sein.
Warum ist das wichtig? Erstens wegen der schieren Verbreitung von COBOL. Unternehmensentwickler und Softwareingenieure haben Hunderte Milliarden Zeilen COBOL-Code geschrieben. Aufgrund seiner bemerkenswerten Flexibilität und Zuverlässigkeit wird COBOL außerdem weiterhin umfassend eingesetzt und unterstützt Berichten zufolge täglich Finanztransaktionen im Wert von rund 3 Billionen US-Dollar. Mit anderen Worten: COBOL ist für Zehntausende Großunternehmen, Millionen kleinerer Firmen und Milliarden Verbraucher buchstäblich geschäftskritisch.
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COBOL trifft auf Watsonx Code Assistant for Z
Trotz seiner entscheidenden Rolle in der Transaktionsverarbeitung ist COBOL bei jungen Computerfachleuten kaum beliebt. Obwohl COBOL- und andere Mainframe-Programmierer überdurchschnittliche Gehälter verdienen (laut IBM etwa 20–30 Prozent mehr als ihre Kollegen), haben Arbeitgeber Schwierigkeiten, offene Stellen zu besetzen.
Hier kommt IBMs watsonx Code Assistant for Z ins Spiel. Das Unternehmen weist darauf hin, dass die neue Lösung es Entwicklern erleichtern soll, COBOL-Geschäftsservices gezielt auszuwählen und zu gut strukturiertem, hochwertigem Java-Code weiterzuentwickeln.
Außerdem ist IBM überzeugt, dass watsonx generative AI es Entwicklern ermöglichen kann, den richtigen Code schnell zu bewerten, zu aktualisieren, zu validieren und zu testen, sodass sie selbst umfangreiche Anwendungen effizient modernisieren können.
Der durch watsonx Code Assistant for Z entstehende Java-Code auf Z wird objektorientiert sein und soll im Vergleich zu vergleichbaren x86-Plattformen leistungsoptimiert werden. IBM entwickelt die Lösung so, dass sie mit der übrigen COBOL-Anwendungsfamilie sowie mit CICS, IMS, DB2 und anderen z/OS-Laufzeitumgebungen interoperabel ist. Schließlich macht IBM Consultings umfassende Fachexpertise bei der Modernisierung von IBM-Z-Anwendungen das Unternehmen zu einer wichtigen Ressource für Kunden in Schlüsselbranchen wie Banken, Versicherungen, Gesundheitswesen und öffentlicher Verwaltung.IBM Consulting’s umfassende Fachexpertise bei der Modernisierung von IBM-Z-Anwendungen macht das Unternehmen zu einer wichtigen Ressource für Kunden in Schlüsselbranchen wie Banken, Versicherungen, Gesundheitswesen und öffentlicher Verwaltung.
Abschließende Analyse
Auch wenn Marketingfachleute moderne und Legacy-Technologien vielleicht gern als vereinfachtes Dilemma „neu gegen alt“ darstellen, verstehen Geschäftsinhaber, IT-Verantwortliche und sachkundige Mitarbeiter, darunter Entwickler, die Komplexität der Dynamik zwischen modernen und Legacy-Systemen. Entscheidend ist nicht das Alter, sondern die Relevanz: Warum hat eine Organisation begonnen, eine bestimmte Technologie einzusetzen, und wie oder ob diese Lösung für die Anforderungen ihres Eigentümers relevant bleibt.
Das ist nicht unähnlich der Frage, wie Menschen und Organisationen relevant bleiben. Branchen, Unternehmen, Märkte und größere Volkswirtschaften befinden sich in einem ständigen Wandel. Menschen und Organisationen sind erfolgreich, indem sie sich an diese Veränderungen anpassen, neue Fähigkeiten erlernen, neue Chancen erkunden und für Kunden und Partner von entscheidender Bedeutung bleiben. IBMs neues watsonx Code Assistant for Z zeigt, dass das, was für Menschen gilt, auch für Informationstechnologien gelten kann.
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