Pony.ai zufolge amortisieren sich seine Robotaxis der siebten Generation inzwischen in einem der größten Mobilitäts-Testfelder Chinas: Guangzhou. Im kommenden Jahr will das Unternehmen seine Flotte zudem mehr als verdreifachen, während sich das autonome Fahren vom Schaufensterprojekt zum Geschäft entwickelt.
Mit mehr als 800 Millionen US-Dollar frischem Kapital aus dem jüngsten Börsengang in Hongkong forciert das Unternehmen die Massenproduktion, asset-light-Flottenpartnerschaften und die internationale Expansion.
Der Break-even der Gen-7 verändert die Robotaxi-Debatte
Pony.ai stellte den stadtweiten Break-even in Guangzhou als Beleg dafür dar, dass seine Gen-7-Architektur ein nachhaltiges Robotaxi-Geschäftsmodell tragen kann und nicht nur ein Vorzeigeprojekt ist. Das Unternehmen erklärte, jedes Gen-7-Fahrzeug wickele in der Stadt inzwischen durchschnittlich 232 Bestellungen pro Tag ab – unterstützt durch eine bessere Flottenauslastung und Tools für die Fernunterstützung.
Das Unternehmen teilte außerdem mit, dass 961 Robotaxis im Einsatz seien, davon 667 Fahrzeuge der Gen-7. Das Management fügte hinzu, man liege weiterhin im Plan, bis Ende 2025 eine Flotte von mehr als 1.000 Fahrzeugen zu erreichen, und strebe bis Ende 2026 eine Erweiterung auf mehr als 3.000 Fahrzeuge an. Dazu beitragen soll eine weitere Senkung der Materialkosten für die autonomen Fahrsysteme um 20 % bei der Produktion im Jahr 2026.
Der Meilenstein folgt nur wenige Wochen darauf, dass Pony.ais Gen-7-Robotaxis offiziell in den vollständig fahrerlosen kommerziellen Betrieb eingestiegen sind – in Guangzhou, Shenzhen und Peking, nachdem sie dort Anfang des Jahres umfangreiche Tests rund um die Uhr absolviert hatten.
Asset-light-Flotten und neue Regionen
Um nicht jedes Fahrzeug in der eigenen Bilanz halten zu müssen, setzt Pony.ai verstärkt auf ein asset-light-Modell mit Partnern. Nach Angaben des Robotaxi-Entwicklers sind die Zusammenarbeit mit dem Taxiunternehmen Xihu Group in Shenzhen und eine jüngere Allianz mit Sunlight Mobility Beispiele dafür, dass Dritte die Fahrzeugbeschaffung finanzieren. Pony.ai stellt derweil den autonomen Technologie-Stack und den operativen Betrieb bereit.
Dieser Ansatz entspricht der regulatorischen Dynamik in wichtigen chinesischen Städten. Im Oktober erteilten die örtlichen Behörden in Shenzhen Pony.ai und der Xihu Group nach einem ersten Einsatz in Bezirken wie Nanshan und Qianhai die erste Genehmigung der Stadt für den vollständig fahrerlosen kommerziellen Robotaxi-Betrieb im gesamten Stadtgebiet. Pony.ai erklärte, die Zahl der Abhol- und Absetzpunkte in Shenzhen liege inzwischen bei mehr als 10.000 – ein Anstieg von über 300 % seit Ende Juni.
Das Unternehmen meldete außerdem über Partnerschaften eine globale Präsenz in acht Ländern, darunter eine neue Zusammenarbeit mit Mowasalat aus Katar sowie eine ausgeweitete Tätigkeit in Singapur, Luxemburg und Südkorea. Zudem arbeitet es mit globalen Fahrdienstplattformen zusammen, darunter die Anteilseigner Uber und Bolt, um zusätzliche Märkte zu erschließen.
Das größere Bild: Arbeitsplätze, Regulierung und Autonomie im großen Maßstab
China ist zu einem Testfeld für fahrerlose Mobilität geworden; Robotaxi-Pilotprojekte sind inzwischen in rund 20 Städten aktiv. Kommunalverwaltungen haben den Einsatz als Teil von Smart-City-Strategien gefördert und zugleich mithilfe von Genehmigungsregimen – etwa der stadtweiten Lizenz für Pony.ai in Shenzhen – versucht, Risiken zu steuern.
Gleichzeitig warnen Ökonomen und Arbeitnehmervertreter, dass eine großflächige Einführung von Robotaxis und autonomen Liefersystemen langfristig Millionen von Arbeitsplätzen für Fahrer und Kuriere gefährden könnte, selbst wenn der Übergang schrittweise erfolgt.
Für das breitere Ökosystem autonomer Fahrzeuge bietet die Entwicklung von Pony.ai neben den Bemühungen US-amerikanischer Unternehmen wie GM’s Cruise einen wichtigen Referenzpunkt. Cruise setzt seit Langem auf cloudnative Infrastruktur und Kubernetes-basierte Werkzeuge, um Flotten zu betreiben und zu aktualisieren.
Auch wenn sich ihre regulatorischen und wettbewerblichen Rahmenbedingungen unterscheiden, bauen beide Gruppen im Grunde echtzeitfähige, sicherheitskritische verteilte Systeme auf Rädern.
Auch Amazons Zoox tritt nun zunehmend in San Francisco in Erscheinung, wo erste Fahrgäste inzwischen seine fahrerlosen Shuttles testen.

