Eine Drohne, die dafür entwickelt wurde, dort zu landen, wo gewöhnliche Quadrokopter nicht hinkommen, hat in Island erfolgreich auf steilen Gletschern und Eisbergen Halt gefunden. Dabei nutzt sie einziehbare Stachelfüße, stoßdämpfendes Fahrwerk und Umkehrschub, um am Eis haften zu bleiben.
Der als Ice Dart bezeichnete Quadrokopter wurde von Forschern der Université de Sherbrooke entwickelt. Zu den vom Team beschriebenen Feldtests gehörten Landungen auf Eisflächen mit einer Neigung von bis zu 60 Grad, womit das System über kontrollierte Experimente hinaus auf echte Gletscher und Eisberge gebracht wurde.
IEEE Spectrum berichtete über das Ice-Dart-Projekt, das in einer Arbeit vom Januar 2026 in IEEE Transactions on Field Robotics von Isaac Tunney, John Bass und Alexis Lussier Desbiens ausführlich beschrieben wird. Die Forscher erläutern eine Landestrategie, die auf Stachelfüßen, reibungsdämpfendem Fahrwerk, speziellen Steuerungen und stabilisierendem Umkehrschub beruht.
So hält Ice Dart auf steilem Eis
Die vier Beine von Ice Dart schwenken ein, sobald das Fluggerät aufsetzt, während Reibungsstoßdämpfer einen Teil der Landekraft ableiten, bevor die Stacheln vollständig greifen. Die Stacheln fahren aus, während die Federung zusammengedrückt wird, sodass sie nach dem Abfedern des anfänglichen Aufpralls Gelegenheit haben, sich im Eis festzusetzen.
Der Ansatz ähnelt Wandkletterrobotern, die für den Einsatz auf Oberflächen entwickelt wurden, mit denen herkömmliche Räder oder Füße nicht zurechtkommen. Die Oberfläche zu erreichen, ist nur dann nützlich, wenn die Maschine dort auch haften bleiben kann.
Der Umkehrschub sorgt für eine zusätzliche Stabilitätsebene. Statt sich beim Stabilisieren des Fluggeräts allein auf die Schwerkraft und das Fahrwerk zu verlassen, können die Motoren dabei helfen, Ice Dart gegen den Hang zu drücken, während die Füße Halt finden.
Die Forscher erklären, dass das fertige System in kontrollierten Experimenten und bei einer Expedition nach Island unter realen Bedingungen validiert wurde, bei der es erfolgreich auf Eisflächen gelandet ist mit einer Neigung von bis zu 60 Grad. Andere Drohnenentwicklungen konzentrierten sich darauf, auch bei Nebel, Regen und Dunkelheit einsatzfähig zu bleiben; Ice Dart nimmt ein anderes Problem in Angriff, indem die Landefläche selbst Teil der technischen Herausforderung wird.
Die Landung funktioniert, aber die Langzeitüberwachung steht noch aus
Das Aufsetzen könnte es einer Drohne ermöglichen, bei demselben Eisberg zu bleiben, statt wiederholt über ihn hinwegzufliegen. Das könnte längere Beobachtungen ermöglichen und dabei weniger Energie verbrauchen als ein kontinuierlicher Flug – insbesondere in der Arktis, wo Forscher wiederholte Messungen an schwer erreichbaren, sich bewegenden Zielen durchführen möchten.
Das Landesystem allein sagt nicht aus, wie lange Ice Dart auf einem Eisberg einsatzfähig bleiben kann oder wie eine vollständige wissenschaftliche Überwachungsmission aussehen würde. Die veröffentlichte Arbeit konzentriert sich darauf, steiles Eis zu erreichen und sich dort festzuhalten, statt eine ausgedehnte Überwachung im Feld zu demonstrieren.
IEEE Spectrum zufolge plante das Team für August eine Mission in die kanadische Arktis, um auf Eisbergen zu landen, Daten zu sammeln und schiffsgestützte Systeme zur Eisbergerkennung zu validieren. Stand 20. August lagen keine öffentlich zugänglichen Folgeinformationen vor, die Ergebnisse dieser Mission bestätigten.
Ice Dart hat den ungewöhnlichen Teil bereits demonstriert: Eine kleine Drohne kann auf steilem Natureis landen und sich dort halten. Als Nächstes muss bewiesen werden, dass dieser Halt eine nützliche Datensammlung im Feld ermöglicht.
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