Snap hat mit Qualcomm eine mehrjährige Vereinbarung geschlossen, der wichtigste Chiplieferant für das Augmented-Reality-(AR-)Brillen-Tochterunternehmen Specs zu werden.
Die Ankündigung erfolgt vor der lang erwarteten Markteinführung der Smart Glasses der nächsten Generation von Snap, die noch in diesem Jahr erwartet wird. Specs wird Qualcomms Snapdragon-XR-Plattform verwenden, die für Geräte mit Augmented und Virtual Reality entwickelt wurde. Berichten zufolge wird dies die erste Version für ein allgemeines Publikum sein und nicht für professionelle Kreative und Entwickler.
Die Smart Glasses kommen zu einem kritischen Zeitpunkt für den Markt, da viele Anbieter Brillen als das vielversprechendste Formfaktor für KI ansehen. Snap plant, KI direkt auf dem Gerät zu integrieren, sodass Nutzer freihändig interagieren können und das System den Kontext seiner Umgebung erkennen soll. Das Unternehmen hat bereits KI in der Snapchat-App erprobt und dabei einen Chatbot sowie eine „Imagine“-Linse hinzugefügt, um aus Texteingaben visuelle Darstellungen zu erzeugen.
Von den Brillen werden außerdem sowohl Gesten- als auch Sprachsteuerung erwartet, sodass Nutzer Musik abspielen, Fotos aufnehmen und Videos aufzeichnen können. In der Ankündigung zur Gründung von Specs als Tochterunternehmen erklärte Snap, dass die Brillen die Bildschirmzeit reduzieren sollen, indem sie den Nutzern mehr Aufgaben abnehmen, und physische Gegenstände wie Whiteboards, Bedienungsanleitungen, Fernseher und Spielzeug durch Augmented-Reality-Alternativen ersetzen sollen.
Snapchat war mit seinen Filtern und Linsen einer der größten Treiber der AR-Verbreitung. Mit der Einführung seiner Spectacles der vierten Generation stieg das Unternehmen in den Hardwarebereich ein. Diese ermöglichten es Nutzern, digitale Linsen in der realen Welt zu sehen. Obwohl Snap früh Fuß fasste, hatte das Unternehmen Schwierigkeiten, Spectacles für Verbraucher zu vermarkten.
Meta ist inzwischen mit eigenen Smart Glasses vorangekommen, von denen Berichten zufolge 2025 7 Millionen Einheiten ausgeliefert wurden.
Smart Glasses dürften 2026 ein heiß umkämpfter Markt werden
Neben Snap bereiten sich mehrere Anbieter auf die Einführung von AR-Brillen vor oder wollen auf den ersten Erfolgen aufbauen. Marktführer Meta hat den Fokus weg von dem Metaverse hin zu Smart Glasses und KI, da das Unternehmen beide Bereiche eng miteinander verknüpft sieht.
Auch die Technologieriesen Apple und Google verstärken ihre Bemühungen. Google stellte 2014 mit Google Glass erstmals AR-Brillen vor, doch das Produkt kam nie über Entwickler und eine begrenzte Nutzung im Unternehmensumfeld hinaus. Nun soll das Unternehmen Berichten zufolge an neuen, auf der Android-XR-Plattform mit Gemini betriebenen Brillen arbeiten. Apple soll unterdessen seinen Zeitplan für Smart Glasses beschleunigt haben und könnte sie möglicherweise noch in diesem Jahr auf den Markt bringen, nachdem andere Hardwarevorhaben zurückgefahren wurden.
Wie bei Smartphones dürfte der Markt für Smart Glasses mehrere Jahre fragmentiert bleiben, während die Anbieter testen, welche Funktionen bei den Nutzern Anklang finden. KI scheint dabei der zentrale Anknüpfungspunkt zu sein: Sie ermöglicht sprachgesteuerte Interaktion und ein Echtzeitverständnis der Umgebung. Das erinnert an das ursprüngliche Versprechen von Google Glass – etwa ein Veranstaltungsplakat auf der Straße zu erkennen und es in einen Kalender einzutragen oder eine Schritt-für-Schritt-Wegbeschreibung zu einer nahe gelegenen Buchhandlung bereitzustellen.
Es bleibt abzuwarten, wie diese Unternehmen ihre KI-Angebote voneinander abgrenzen, insbesondere falls die Nachfrage der Verbraucher hinter den Erwartungen zurückbleibt. Amazon etwa stellte sich Alexa als Werkzeug zum Bestellen von Lebensmitteln, Produkten und Flügen vor. In der Praxis wurde Alexa für die meisten Nutzer zu kaum mehr als einer intelligenten Jukebox.
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