Hollywoods KI-Experiment wird global: Critterz, ein mit OpenAI-Tools produzierter Animationsfilm, versucht, in nur neun Monaten fertig zu werden und 2026 in Cannes Premiere zu feiern.
Das Projekt verbindet menschliche Skizzen mit maschinengesteuerter Animation und testet, ob KI die Produktionsweise der Filmindustrie beschleunigen — und auf den Kopf stellen — kann.
Ein ganz anderer Produktionszeitplan
Die Idee stammt von Chad Nelson, einem Kreativspezialisten bei OpenAI, der das damals neue DALL-E-Tool zunächst zum Skizzieren der Figuren verwendete. Aus dem Experiment wurde 2023 ein von OpenAI finanzierter Kurzfilm. Nun hat sich Nelson mit Vertigo Films aus London und Native Foreign aus L.A. zusammengetan, um Critterz zu einem abendfüllenden Film auszubauen.
Das Produktionsfenster des Films beträgt gerade einmal neun Monate. Zum Vergleich: Die meisten Animationsfilme brauchen etwa drei Jahre. James Richardson, Mitgründer von Vertigo Films, sagte gegenüber The Wall Street Journal , dass es sich bei dem Vorhaben um „ein sehr ehrgeiziges, umfangreiches Experiment“ handle.
Das Budget liegt unter 30 Millionen US-Dollar, also viel weniger als die 100 Millionen bis 200 Millionen US-Dollar, die viele Animationsfilme kosten. Um dieses Ziel zu erreichen, verbindet das Team KI- und menschliche Arbeit: Künstler liefern Skizzen, die in OpenAIs Tools (darunter GPT-5) eingespeist werden, während Schauspieler den Figuren ihre Stimmen leihen.
„OpenAI kann den ganzen Tag erzählen, was seine Tools leisten, aber es ist viel wirkungsvoller, wenn es jemand tatsächlich macht“, sagte Nelson. „Das ist eine viel bessere Fallstudie, als wenn ich eine Demo entwickle.“
Urheberrechte, Klagen und kreative Risiken
Natürlich wird Critterz nicht einfach ohne einige kritische Fragen in Cannes einlaufen.
Hollywood ist wegen der Rolle von KI bei der Erstellung von Inhalten bereits nervös. Disney, Universal und Warner Bros. Discovery haben das KI-Unternehmen Midjourney wegen mutmaßlicher Urheberrechtsverletzungen verklagt. Auch Schauspieler- und Autorenverbände haben für Schutzmaßnahmen gegen KI-Tools gekämpft, die ihrer Ansicht nach Arbeitsplätze bedrohen könnten.
Das Critterz-Team hat jedoch Maßnahmen zum Schutz des Projekts ergriffen. Laut Nik Kleverov, Mitgründer von Native Foreign, ist der Film dank der von Menschen geschaffenen Stimmen und Skizzen urheberrechtlich schützbar. Rund 30 Mitwirkende arbeiten an dem Film und werden über ein spezielles Vergütungsmodell an etwaigen Gewinnen beteiligt.
Wie es mit Critterz und KI in Hollywood weitergeht
Die Produktion läuft bereits. Ziel ist eine Premiere in Cannes und anschließend ein breiter Kinostart weltweit. Ein Sprecher von OpenAI fasste das Vorhaben so zusammen: Der Film „spiegelt die Art von Kreativität und Erkundungsfreude wider, die wir gerne fördern“.
Auch andere Studios testen KI auf spezifischere Weise. Netflix setzte kürzlich KI-Tools ein, um den Einsturz eines Gebäudes in seiner argentinischen Serie The Eternaut zu erzeugen. Und James Cameron, der noch nie vor großen Würfen zurückgeschreckt ist, sagte laut PCMAg, KI könne dabei helfen, die „Fertigstellungsgeschwindigkeit einer bestimmten Einstellung“ zu verdoppeln und Filmschaffenden mehr Zeit für kreative Feinheiten zu geben.
Ob das Publikum dafür ein Ticket kaufen wird, bleibt abzuwarten. Doch wenn Critterz dieses Vorhaben umsetzt, könnte der Film die bisher unwahrscheinlichste Fallstudie für die Rolle von KI auf der großen Leinwand werden.
Critterz ist nicht das einzige Zeichen des Wandels. Im vergangenen Dezember unterstützten Peter Chernin und Andreessen Horowitz das Promise Venture Studio, ein neues Vorhaben, das KI in alle Bereiche integrieren will – vom Drehbuchschreiben bis zur Postproduktion. Ein weiteres Zeichen dafür, dass Hollywood und KI auf Kollisionskurs sind.

